Bunzlau (Boleslawiec)

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Fährt man bei Görlitz am Autobahngrenzübergang Ludwigsdorf in Richtung Breslau so kommt man, folgt man der A4, nach knapp 50 km nach Bunzlau (Bolesławiec). Wenn man über die Boberbrücke fährt und linker Hand den ehemaligen größten Eisenbahnviadukt Schlesiens sieht, kommt man an einen Kreisverkehr, den man in Richtung Innenstadt durchfährt, so dass die dort angesiedelte Tankstelle links liegen bleibt. An der nächsten Ampel biegt man halblinks ab, so dass rechter Hand die Innenstadt liegt. Man fährt nun bis in die Höhe des Bahnhofes und biegt am Ende einer Grünanlage in die ehemalige Poststraße (ul. Mickiewicza) rechts zur Innenstadt ein. Hier sucht man sich am besten einen Parkplatz und beginnt hier den Stadtrundgang direkt am Keramik-Museum. 
Keramikmuseum
Keramikmuseum mit integriertem Stadtmauerturm auf der Nordseite Foto: Joachim Lukas

Doch zunächst zur Geschichte der Stadt:
In unmittelbarer Nähe der Stadt am anderen Boberufer vermutet man im ehemaligen Tillendorf, heute zu Bunzlau gehörend, den Standort der Hauptburg des Stammes der Boberane, die wahrscheinlich in einer Papsturkunde des Jahres 1155 mit der dort erwähnten Burg „Szobolezk“ gleichzusetzen ist. Somit dürften die Ursprünge Bunzlaus auf der linken Seite des Bobers gelegen haben, wobei man den Ortsnamen „Tillendorf“ beibehielt. Die erste urkundliche Erwähnung eines Kastellans erfolgt erst 1202 und 1245 wird der Ort als Sitz der Kastellanei „Boleslavecz“ erwähnt. Mit der Gründung einer deutschrechtlichen Stadt kurz nach 1245 auf dem rechten Boberufer verlor die Katellanei zunehmend an Bedeutung und 1251 wurde Bunzlau erstmals als Stadt „civitas Boleslauec“ urkundlich erwähnt. Bereits 1232 hatten die Kreuzherren mit dem doppelten weißen Kreuz auf dem rechten Boberufer, südöstlich der heutigen Altstadt vermutlich auf dem Gelände einer altslawischen Siedlung, das Spital „zum Heiligen Geist“ gegründet.
Der Erbvogt, Gründer der Stadt, erhielt von 50 flämischen Hufen, der städtischen Fläche sieben zu seiner Verfügung. Diese Rechte des Erbvogts übernahmen zwischen 1326 u. 1340 die Bürger der Stadt. Seit 1297 gehörte Bunzlau zum Fürstentum Jauer und war dann seit 1298 Zollstätte. 1316 wurde der Ort als befestigte Stadt genannt, wobei jedoch die Befestigung nicht allzu wirksam gewesen sein dürfte, da die Hussiten 1426 die Stadt ohne größer Mühen eroberten und zerstörten. So begann man 1469 mit der Errichtung eines doppelten Mauerringes mit ca. 1,5 m starken Mauern und zusätzlichen Verteidigungstürmen, eine Anlage, die teilweise noch heute erhalten oder erkennbar ist, obwohl die Franzosen nach 1806 auch hier die Verteidigungsanlagen größtenteils geschleift haben. Die Stadt hatte 3 Tore, wobei das Niedertor in Richtung Görlitz, das Obertor in Richtung Haynau, Liegnitz und Breslau und das Nikolaitor in Richtung Löwenberg führte. Es ist auffällig, daß das Ober- und Untertor nicht in einer Achse liegen, d. h. man muß den Ring diagonal überqueren um entweder zum Unter- oder Obertor zu kommen. Dies dürfte an der schon vorhin erwähnten, südöstlich gelegenen, altslawischen Siedlung gelegen haben, die wahrscheinlich einem Obertor genau gegenüber dem Untertor im Wege stand.
Schon 1272 wird das Dominikanerkloster erwähnt, das an der Nordostecke der Stadt, innerhalb des Mauerringes seinen Platz hatte. Während der Reformationszeit verlassen, wurde gegen 1670 wieder neu errichtet und 1810 säkularisiert. Die nahe dem Obertor stehende Pfarrkirche St. Maria, die die Hussiten bei ihrem Sturm zerstört hatten, wurde als dreischiffige spätgotische Anlage in den Jahren 1482-93 neu erbaut und als man sich in der Stadt der Reformation zuwandte, war sie von 1524-1629 und von 1632-37evangelisch. Nach Beginn der Gegenreformation mußten die Protestanten auf nahe gelegene evangelische Kirchen auf dem rechten Queisufer in der Oberlausitz, was damals zu Sachsengehörte, oder auf solche im Herzogtum Liegnitz ausweichen. Am Südwestrand der Stadt stand das herzogliche Schloß, in dem später ein Burghauptmann residierte. 1576-96 wurde es ausgebaut, jedoch schon 1642 von den Schweden zerstört. An seine Stelle durften dann 1752-56 die Protestanten ihre evangelische Kirche errichten. Das zum Schloß gehörende Lehen, 10 000 ha Heidewälder, hatte schon 1594 die Stadt gekauft.
Schon im 16. Jahrhundert entstanden vor den drei Toren Vorstädte unterschiedlicher Größe, wobei sich in der Niedertorstadt seit 1543 eine Töpferzunft und 1550 in der Oberstadt ein Töpfer nachweisen lässt. In der Oberstadt befand sich auch der berühmte Queckenbrunnen, dessen klares Wasser bereits um 1530 in Holzröhren in die Stadt geleitet wurde, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen.
Eine vor 1393 gegründete Lateinschule hatte keinen Erfolg und ging im 30-jährigen Krieg ein, wie überhaupt die Stadt in diesem Krieg schwer zu leiden hatte. Hatte sie vor dem Krieg ca. 3 000 Einwohner, so blieben um 1650 noch ca. 80 übrig. 1754 gründete der Maurermeister Gottfried Zahn ein Waisenhaus mit Schule Südosten der Stadt. 1803 wurde die Einrichtung verstaatlicht und 1816 wurde das in Liegnitz gegründete Lehrerseminar nach hier verlegt. Bis 1925 war hier die wichtigste Ausbildungsstätte für Lehrer in Schlesien. In diesen Gebäuden wurde1920 eine Mittelschule, 1923 eine Aufbauschule und 1929 das Gymnasium untergebracht, das aber schon 1858/61 gegründet worden war und zunächst einen neugotischen Prachtbau am Nordwestrand der Altstadt erhalten hatte, in dem später das Amtsgericht untergebracht wurde.
Bunzlau war über die Grenzen Schlesiens hinaus durch sein Töpferhandwerk bekannt, das seit der ersten Hälfte des 16. Jhdts. belegt ist. Besondere Eigenschaften des grau-weißen Tones ermöglichten Brenntemperaturen bis zu 1340 ° und die Gefäße waren dadurch besonders haltbar und feuerfest. Wohl jeder schlesischer Haushalt hatte „Bunzeltippel“ die kaffeebraun mit einer Lehmglasur überzogen waren. Im 19. Jhdt. kamen hellere Gefäße und Service hinzu die mit der sog. „Schwämmeltechnik“ verziert wurden, wobei sich bald das sog. „Pfauenauge“ herausbildete, das sich zum Markenzeichen der Bunzlauer Keramik entwickelte. Im 20.Jhdt.wurde die Technik noch verfeinert und man stellte das Geschirr in sog. „Feinsteinzeug“ her, das leichter und dichter als das normale Steingut war. Heute versucht die polnische Bevölkerung diese Tradition fortzusetzen. 1753 schuf der Meister Joppe den sog. „Großen Topf“ mit einer Höhe von 2,25 m, der bis zu seiner Zerstörung 1945, ein Wahrzeichen des Töpferhandwerks von Bunzlau war. 1897 eröffnet eine Keramik-Fachschule, die 1930 durch eine Glasfachschule erweitert wurde, was bis 1945 eine künstlerische Neubelebung zur Folge hatte. Dabei fertigte man nicht nur Geschirr, sondern produzierte auch Steinzeugröhren für die Bauindustrie, Schamottesteine usw.

Großer Topf
Der "Große Topf" auf dem Ring in Bunzlau bis 1945 Alte Ansichtskarte

Die Eisenbahn erreichte Bunzlau 1846, wozu über den Bober im Westen der Stadt ein 490 m langer Viadukt aus Sandstein errichtet werden musste, der bis zum heutigen Tag noch seinen Dienst tut. Schließlich sei noch des Dichters Martin Opitz gedacht, der 1597 in Bunzlau geboren wurde, sich aber nur zeitweise in Bunzlau aufhielt und 1639 in Danzig an der Pest verstarb.

Keramikmuseum
1 Stadtmauerreste 6 ehemals evangelische Kirche
2 Rathaus 7 Keramik-Museum
3 katholische Pfarrkirche 8 Altes Kloster (ehemals Dominikaner)
4 Heimatmuseum 9 Stadttheater (früher Stadtarsenal)
5 Kotusow-Denkmal  

 

Rundgang: Man beginnt den Rundgang am Keramikmuseum, früher Heimatmuseum, das direkt an der Stadtmauer liegt, wobei man sogar einen Zwingerturm der Stadtmauer in das Gebäude mit einbezogen hat. Anschließend wendet man sich der Innenstadt zu kommt nach kurzer Zeit zur katholischen Pfarrkirche St. Maria, die von 1482-93 als dreischiffige spätgotische Anlage, nach den Hussitenstürmen, erbaut wurde. Die etwas gewöhnungsbedürftige neugotische Kirchturmspitze aus dem 19. Jhdt. wird C. F. Langhans zugeschrieben. Die Ausstattung der Kirche stammt aus dem Frühbarock. Bei den vielen Epitaphen an der Kirchenaußenwand hat man nach 1945 leider die deutschen Inschriften ausgemeißelt. Der Giebel des Mittelschiffes wurde, etwas ungewöhnlich, mit Backsteinrippen in rautenförmige Felder eingeteilt. Vom erhöhten Standpunkt der Kirche sieht und geht man zum Ring hinunter, wo in der Mitte das Rathaus im Stil der Renaissance steht. Es wurde von 1525-35 von dem bekannten Görlitzer Baumeister Wendelin Rosskopf wahrscheinlich unter Verwendung bereits bestehender Bauteile errichtet. So haben sich 2 gotische Sitzungssäle erhalten und der Ratskeller erhielt ein wunderschönes Gewölbe. Der Nordflügel, in dem sich die Ratswaage befand ist dekorativ mit Sgraffito-Putz versehen. Die Ringbebauung ist teilweise erhalten und was im Krieg zerstört oder danach baufällig geworden ist, wurde im alten Stil wieder aufgebaut oder entsprechend restauriert, so daß der Ring wieder ein historisches Gesicht aufweist. Lediglich auf der Ostseite hat man Baulücken nicht geschlossen, wohl um den ungehinderten Blick zur Pfarrkirche zu erhalten. Man verlässt den Ring durch den „Swibbogen“ in der Mitte der Südseite des Ringes und kommt durch die ehemalige Nikolaistr. zur Ecke der ehemaligen Schloßstr. Hier steht das klassizistische Gebäude des Heimatmuseums. In deutscher Zeit war hier das sog. Kutusow-Museum untergebracht. Fürst Kutusow-Smolenskoi war der russische General-Feldmarschall, der Napoleon 1812 aus Russland vertrieben hat und anschließend Oberbefehlshaber des preußisch-russischen Heeres wurde. Bei den Kämpfen um Tillendorf wurde er schwer verwundet und starb am 28. April 1813 in Bunzlau. Zu seinen Ehren ließ König Friedrich Wilhelm III nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel den 12 m hohen Kutusow-Obelisk errichten, der heute nur wenige Meter vom Heimatmuseum entfernt, östlich in einer Grünanlage im früheren Stadtmauerbereich, zu finden ist. Hier sind auch noch wesentliche Teile der Stadtmauer mit Wehrtürmen erhalten. Man geht nun zurück zur Schloßstr. und steht nach wenigen hundert Metern auf dem ehemaligen Schloßplatz. Hier erhebt auf dem früheren Schlossgelände die ehemals evangelische Kirche, die 1752-56 als Saalkirche mit Kanzelaltar erbaut wurde, nachdem Schlesien preußisch geworden war, und 1834-35 erhielt sie den 72 m hohen Turm. Im Krieg wurde sie schwer beschädigt und der Kanzelaltar vernichtet. Zwischenzeitlich hat man sie wieder restauriert und heute dient sie als weitere Kirche der katholischen Gemeinde in Bunzlau. Man wendet sich nun wieder nordwärts und kommt durch die ehemalige Große Kirchstr., die Kupferschmied- und Theaterstr. zum ehemaligen Dominikanerkloster. In der zweiten Hälfte des 17. Jhdts. neu errichtet, wurde es 1810 säkularisiert und von den Klostergebäuden ist lediglich ein langgestrecktes zweigeschossiges Barockgebäude erhalten, in dem heute offensichtlich Behörden untergebracht sind. Anschließend erhebt sich das Stadttheater. Hier befand sich ursprünglich das Stadtarsenal, das dann 1857 zum Stadttheater umgebaut wurde. Etwas außerhalb der Stadtmauer, ein wenig nordwestlich, sieht man das prachtvolle neugotische Gebäude, das ursprünglich als Gymnasium erbaut, später der Justiz diente. Wenn man dann durch die Grünanlage vor dem Stadttheater nach Südosten geht, kommt man wieder zum Keramikmuseum und schließt hier seinen Rundgang ab.

 

 

Literatur

 

„Handbuch der historischen Stätten Schlesien“ Hrsg.: Dr. Hugo Weczerka

„Reiseführer Schlesien“ v. Heinrich Trierenberg

„Schlesien“, eine Schilderung der Schlesierlandes v. Dr. Franz Schroller aus dem Jahr 1888

 

 

 

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