Sagan (Zagan)

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Verläßt man Breslau und fährt über die Autobahn in Richtung Forst bzw. Olszyna, so reduziert sich die Straße in Höhe von Bunzlau/Bolesławiec auf insgesamt zwei Fahrbahnen. Folgt man dieser Straße noch ca. 35 km so kommt man an eine Abzweigung, die rechts nach Sagan führt. Man erreicht dann die Stadt nach ca. 13 km.

 

 

Ringnordseite
Bebauung auf der Norseite des Ringes Foto: Joachim Lukas

 

 

In einer Leubuser Urkunde wird 1202 ein ,,Stephanus de Sagan castellanus" als Zeuge erwähnt, der Burghauptmann der Kastellanei Sagan war. die wahrscheinlich um die Mitte des 12. Jhdts. nördlich der heutigen Stadt errichtet wurde. Etwas nordwestlich an der Boberterrasse lag an einer Furt das slawische Dörfchen Sagan, um 1400 ,Alden Sagan" und später in Altkirch umbenannt (heute Stary Zagan). Eine dort um 1145 errichtete Kirche stand unter herzoglichem Patronat. Der deutschrechtliche Ort Sagan entstand wahrscheinlich um 1230 als Marktort auf dem östlichen Boberufer. Er wurde an einem Mühlgraben mit einem rechteckigen Ring und gitterförmigen Straßen mit den Maßen von 370 x 400 m angelegt. 1280 und  1284 wird Sagan „civitas", also Stadt, genannt.

Die alte nördlich gelegene Kastellanei ging  um 1270 ein. Ab 1252 gehörte die Stadt zum Fürstentum Groß-Glogau. Unter Herzog Primko v. Sagan-Sprottau-Steinau, der von 1274-1289 das Teilherzogtum regierte, wurde Sagan Residenzstadt. 1284 wurde sie erweitert und erhielt einen neuen Ring, den späteren Ludwigsplatz und die Augustiner-Chorherren kamen von Naumburg a. Bober nach Sagan und erhielten den Platz der herzoglichen Burg zugewiesen, während der Herzog eine neue Burg an der Südostecke der Stadt errichten ließ. Zu dieser Zeit dürfte auch die z. T. heute noch bestehende Stadtmauer errichtet worden sein. Sie hatte drei Tore. Vom Bober kommend kam man durch  das Sorauer Tor und verließ die Stadt westlich des „Neuen Ringes" durch das Eckertsche Tor. Im Norden führte das Spittel- oder Freystädter Tor auf die Straße nach Freystadt.

Die Franziskaner aus der sächsischen Provinz waren bereits kurz vor den Augustinern nach Sagan ge-kommen. Von 1312-1319 war das Gebiet an die Markgrafen von Brandenburg verpfändet, das 1413 endgültig von Glogau abgetrennt und ein eigenes Fürstentum wurde. Dabei kam der sog. Priebuser Zipfel der seit 1320 zur Niederlausitz gehörte, zu Sagan zurück. Von den plastischen Fürsten wären Herzog Hans I. und seine beiden Söhne Balthasar und Hans II. zu erwähnen, die alle als Söldnerführer dem „Deutschen Orden" dienten. Herzog Hans II., einer etwas zwielichtigen Gestalt, wird der Tod seines Bruder Balthasar 1472 nach der Belagerung Sagans im sog. Hungerturm von Priebus und der Hungertod von sieben Rats-leuten beim Glogauer Erbfolgestreit von 1476- 1488 angelastet. 1472 verkaufte Herzog Hans II. das Für-stentum an die Wettiner. Von deren Herzögen war Georg d. Bärtige (1504 -1539) ein Gegner der Reformation, während sein Bruder Heinrich der Fromme von 1539 - 1541 in Sagan die Reformation durchsetzte.

Moritz v. Sachsen, ab 1547 Kurfürst, übergab Sagan 1549 an die Habsburger. Die verpfändeten das Herzogtum von 1558 - 1602 u. a. an die Freiherren v. Promnitz auf Sorau. 1628 belehnte Kaiser Ferdinand II. General Wallenstein mit Sagan und verlieh ihm den Titel „Herzog v. Sagan". Durch die Ansiedlung der Jesuiten im verlassenen Franziskanerkloster förderte er die Gegenreformation. Er rief den in Linz in Not geratenen Astronomen Johannes Kepler nach Sagan. Da der sich aber weigerte, durch astrologische Kunstgriffe sich den Feldherrn geneigt zu machen, fiel er in Ungnade. Er blieb jedoch in Sagan und starb in Regensburg auf dem Weg zum Reichstag am 15 November 1630, als er vom Kaiser rückständige Zahlungen fordern wollte. Mit der Ermordung des Feldherrn endete die Herrschaft Wallensteins 1634.

1646 belehnte Kaiser Ferdinand III. den böhmischen Fürsten Wenzel Eusebius v. Lobkowitz mit dem Herzogtum Sagan. Dieses Geschlecht behielt den Besitz bis 1786. Als 1741 Schlesien unter preußische Herrschaft kam, änderte sich an den Besitzverhältnissen nichts. Es wurde lediglich der Kreis Sagan als Verwaltungseinheit geschaffen. Die Lobkowitz schufen sich durch Rückkauf kaiserlicher Kammergüter von der Stadt Sagen und der Einziehung erledigter Lehnsgüter einen großen Grundbesitz von ca. 23 000 ha. vornehmlich zwischen Priebus und Queis. Auch die Gegenreformation wurde im Fürstentum bis 1668 gestoppt, da die Ehefrau des Fürsten evangelisch war. Ab 1786 wurde Peter Baron von Kurland Herzog von Sagan. Nach dessen Tod 1800 folgten ihm drei seiner  Töchter, zunächst bis 1839 Herzogin Wilhelmine v. Sagan, dann bis 1842 Pauline von Hohenzollern-Hechingen und schließlich Prinzessin Dorothea v. Tayllerand-Perigord, Herzogin v. Dino bis 1862. Die „Amouren" der Herzogin Wilhelmine und ihre politischen Aktivitäten mit dem Fürsten Metternich von 1810-1815 und Dorothea, die das Schloß neu und kostbar im klassizistischen Stil mit französischen Möbeln einrichten ließ, den Park in einen englischen Landschaftspark umwandelte und 1846 ein Vollgymnasium in Sagan schuf, haben die Stadt über die Region hinaus bekannt gemacht. Das 1844 geschaffene „Preußische Thronlehen Fürstentum Sagan" war das letzte preußische Thronlehen. Die aus diesem Lehen 1923 hervorgegangene „Herrschaft Waldgut Sagan" erlosch im Jahr 1935. Der Kreis Sagan wurde 1932 mit dem Kreis Sprottau vereinigt, wobei Sagan Verwaltungssitz blieb. 1846 erhielt die Stadt, wenn auch außerhalb des Ortes, wegen der Boberschleife, den Eisenbahnanschluß und lag später an der Linie Liegnitz-Sommerfeld-Frankfurt a. d. Oder an der Hauptlinie Breslau-Berlin. Seit 1820 hatten sich in der Stadt Textilfabriken angesiedelt, die in vier Werken 1944 ca. 2.300 Leute beschäftigten.

 

 

Franziskanerkirche
Ehemalige Franziskanerkirche Foto: Joachim Lukas

 

Rundgang: Aus der Richtung Halbau (Iłowa) kommend, überquert man den Bober. Danach sollte versucht werden, in einer Seitenstraße, der Boberstr. (ul. 10-lecia Polski), außerhalb der Innenstadt einen Parkplatz zu bekommen.

Danach folgt man außerhalb der Innenstadt der Stadtwiesenstr. (ul. Świerczewskiego) nach Osten und kommt am kleinen Palais vorbei, das im 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil errichtet wurde. Vorbei an Stadtmauerresten wendet man sich an einer der nächsten Querstraßen nach Norden und erkennt den neugotischen Kirchturm der Gnadenkirche. Das Gotteshaus wurde für die evangelischen Christen 1712 auf Grund der Altranstädter Konvention erbaut. 1945 gering beschädigt, wurde es 1965 gesprengt und abgetragen. Lediglich der Turm blieb erhalten und wurde zwischenzeitlich restauriert. Hinter dem Kirchplatz sind noch ehemalige, zur Kirche gehörende Gebäude wie Pfarrhaus, Schule usw. zu erkennen, die zwar bewohnt, aber ziemlich verwahrlost sind. Weiter nach Osten kommt man zur Seminarstraße (ul. Wojska Polskiego). Hier wendet man sich nach Süden und kommt kurz vor der Innenstadt an der Straßen-kreuzung zur barocken Heilig-Geist-Kirche, die 1702 erbaut wurde, aber deren Vorgängerbauten bereits 1284 den Augustinern unterstellt waren. In der Innenstadt kommt man auf die Keplerstr. (ul. Pierwszego Maja) und biegt an der Einmündung der Gymnasialstr. (ul. Wasilewskiej) nach links ab und steht bald vor dem ehemaligen Franziskanerkloster und der Klosterkirche. Der Orden verließ 1559 die Stadt und 1628 übergab Wallenstein die Gebäude den Jesuiten. Die ließen die Gebäude nach dem Stadtbrand von 1688 vom italienischen Baumeister Porta in barocken Formen neu errichten. Nach Aufhebung des Ordens 1773 diente die Anlage als Königl. Preuß. Schulinstitut. 1828 wurde das Seminargebäude verkauft und war ab-wechselnd Strafanstalt, Heimatmuseum und Verwaltungsgebäude des Landratsamtes. Im übrigen Gebäudekomplex war das vierklassige Progymnasium untergebracht, das 1846 auf Veranlassung der Her-zogin Dorothea zum Vollgymnasium ausgebaut wurde. Die Klosterkirche St. Peter-Paul, 1498 errichtet, wurde 1583 erweitert und 1604 mit einem Turm versehen und nach dem Stadtbrand, wie die übrigen Gebäude in den Jahren 1689 - 1697 in barocken Formen neu errichtet.

Über den Ludwigsplatz (Plac Slowianska) hinweg nach Süden, erkennen wir kurz vor Erreichen des Schlosses einen Garten, in dem etwas zurückliegend das barocke Gebäude der ehemals herzoglichen Regierung steht. Nach wenigen Schritten steht man dann vor dem Saganer Schloß. Es ist eine Drei-flügelanlage und hatte schon Vorgängerbauten. Einer ersten Burg, 1284 von Herzog Primko errichtet, folgte nach einem Stadtbrand 1510 ein Neubau unter Herzog Georg v. Sachsen. Bereits 1580 ließ Seifried von Promnitz das Schloß abermals erneuern und Wallenstein ließ es von dem italienischen Architekten Boccacci im Renaissancestil wieder neu planen. Beim Tod Wallensteins war man mit den Bauarbeiten erst bis zu den Fensterreihen des l. Obergeschosses gekommen, so daß die Lobkowitzer das heutige Schloß 1695 als Dreiflügelanlage vollenden ließen. 1945 brannte es aus, wurde aber zwischenzeitlich wieder her-gestellt. Nach Süden von der Schloßterrasse aus hat man einen herrlichen Blick in den Schloßpark, den Herzogin Dorothea in der Mitte des 19. Jhdts. im englischen Stil anlegen ließ und der bis Ende des Jhdts. mit den Wasserspielen vollendet wurde. Über den Ludwigsplatz zurück, geht es durch die Hohe Straße (ul. Warszawska) zum alten Ring oder Kornmarkt (Rynek). Linker Hand hat sich die kleinteilige Bebauung, wie sie vor 1945 bestanden hat, erhalten, während die rechte Seite bis hin zur Brüderstr. (ul. Bracka) größtenteils zerstört und bis heute nicht aufgebaut wurde. Die Ringbebauung hat sich ebenfalls nur teilweise erhalten und verschiedene Barock-und Renaissancehäuser, die teilweise wieder restauriert wurden, lassen das ursprüngliche Gesicht dieses Platzes erahnen. In der Mitte ist der Rathausturm zu erkennen, der dort seit ca. 1340 steht und 1869 seine florentinische Form erhielt. Das Rathaus wurde nach einem Stadtbrand 1469 zerstört und an der Ecke Ring-Sorauer Str. (Rynek/ ul. Drugiej Armii) neu erbaut. Von der Nordwestecke des Ringes in westlicher Richtung sieht man den Kirchturm der ehemaligen Augustinerkirche, der heutigen Pfarrkirche St. Marien von 1604 und mit seiner, nach einem Stadtbrand errichteten, Dachnothaube von 1730. An der Kirche vorbei biegt man rechts in den ehemaligen Klosterhof ein und steht vor dem gewaltigen spätgotischen Treppengiebel des dreischiffigen Gotteshauses, das im 14. Jhdt. mit mittelalterlichen Gewölben erbaut wurde und nach Stadtbränden im 15. und 16. Jhdt. umgestaltet wurde. Durch eine Renaissanceeingangshalle betritt man die Kirche, die innen von Martin Frantz, dem bekannten Liegnitzer Architekten, der für die Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut verantwortlich war, ab 1732 barockisiert wurde. Bei der Ausstattung ist vor allem der Dreifaltigkeitsaltar zu erwähnen, eine hervorragende Schnitzarbeit aus der Renaissance. Außerdem sind noch die Grabsteine des Glogauer Herzogs Heinrich IV († 1342) und die von Äbten des Klosters zu erwähnen. Die Augustiner verließen Sagan erst 1810, nach der Säkularisierung. Danach dienten die Klostergebäude als Pfarrhaus und Amtsgericht. Nach 1945 verwahrlosten die Bauten und wurden erst in den letzten Jahren wieder renoviert. In diesem Zusammenhang wären die Äbte Ludolf und Felbiger zu nennen, die sich um Kloster und Bildung besonders verdient gemacht haben. Während Ludolf um die Wende vom 14. zum 15. Jhdt., auch durch die reiche Bibliothek, Sagan zu einem gelehrten und kulturellen Mittelpunkt machte, wurde Ignaz v. Felbiger in der zweiten Hälfte des 18. Jhdts. als Reformer des katholischen Schulwesens in Preußen und Österreich bekannt.

Damit ist der Rundgang durch die Stadt beendet und man ist nur wenige Schritte vom Ausgangspunkt entfernt.                                                                                                       

Joachim Lukas

 

 

 

Literatur

„Handbuch der historischen Stätten Schlesien“ Hrsg.: Dr. Hugo Weczerka

„Reiseführer Schlesien“ v. Heinrich Trierenberg

„Schlesien“, eine Schilderung der Schlesierlandes v. Dr. Franz Schroller aus dem Jahr 1888

„Sagan und Sprottau in der schlesischen Geschichte“ v. Werner Bein

 

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