Pleß (Pless)

Pleß, oberschlesische Kreisstadt im schlesischen Vorhügelland an der  Plesse, einem Nebenfluß der Weichsel gelegen (1951:7.200 Einwohner). Die Stadt wurde 1276 nach deutschem Recht  gegründet. Seit 1281 gehörte sie zum Herzogtum Ratibor. 1548 gelangte sie an Balthasar von Promnitz, Fürstbischof von Breslau, 1846 an Graf Heinrich X. von Hochberg-Fürstenstein; 1848 wurde Pleß zum Fürstentum erhoben. Obwohl Pleß bei der Teilung Oberschlesiens nach dem Ersten Weltkrieg an Polen fiel, bleiben die Güter der Standesherrschaft und das Schloß bis 1945 im Besitz der Familie.

 

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Nicht mit Pleß zu verwechseln ist der etwa 20 km nördlich gelegene Anhalt-Plessische Hof in Tichau im Kreisgebiet von Pleß, an dem der Fürst von Anhalt-Köthen residierte.

 

Ring
Ring mit Rathaus
Aus: H. Trierenberg: Reisewege zu historischen Stätten in Oberschlesien, Dülmen 2002, S. 156

Nach dem Stadtbrand von 1748 wurde der Ring der Altstadt von Pleß einheitlich zweigeschossig bebaut. An ihn schließt sich fast unmittelbar das Schloß (1870-1874 zu einem einheitlichen Komplex im neobarocken Stil erweitert) mit dem im 19. Jahrhundert angelegten Schloßpark im englischen Stil von ca. 80 ha. Im Schloß befand sich im Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1917 das deutsche Hauptquartier.

Im 15. Jahrhundert war die Bevölkerung deutsch, seit dem 16. Jahrhundert bis auf die Hofhaltung polnisch. Im 18./19. Jahrhundert stieg erneut der Anteil der deutschen Bevölkerung und betrug 1910 67 %, ursprünglich katholisch, mit der preußischen Verwaltung (seit 1743 Kreisstadt) auch gemischt evangelisch. Beide  Konfessionen besaßen eigene Kirchen mit Orgeln.

 

 

Schloß
Schloß
Aus: E. Bach: Oberschlesien in Farbe, Würzburg 1991, S. 151

 

 

Die kleine Residenz des Fürstbischofs von Promnitz und seiner Nachkommen besaß seit dem 18. Jahrhundert ein Hoftheater, hatte aber kein feststehendes Ensemble, sondern engagierte auswärtige Schauspielertruppen. Die Aufführungen fanden im Schloß gegen Eintrittsgeld für jedermann statt; Fürst und Hofstaat erhielten gegen Subventionen Logen zu ihrer Verfügung. 1803 wurde ein eigenes Theatergebäude errichtet, das mit kleinen Opern von Carl Ditters von Dittersdorf eröffnet wurde. 

Der Feldzug Napoleons bereitete dem Theater ein vorläufiges Ende; es wurde in den folgenden Jahrzehnten nur gelegentlich benutzt, bis es 1843 nach gründlicher Renovierung neu eröffnet wurde. Man führte neben Schauspielen Vaudevilles, Operetten und gelegentlich auch Opern und Ballette bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs auf.

Musikalisch ist zu erwähnen, daß Georg Philipp Telemann, zwischen 1704 und 1708 Hofkapellmeister des in Sorau (Lausitz) residierenden Grafen von Promnitz, mit dem kleinen Hofstaat etwa ein halbes Jahr (vermutlich 1706) im oberschlesischen Pleß verbrachte. Hier wurde er durch die damals noch überwiegend polnische Bevölkerung mit der "barbarischen Schönheit" der polnischen Volksmusik bekannt, ein Erlebnis, das sich rhythmisch wie melodisch in zahlreichen seiner späteren Werke niederschlug. 

 Lothar Hoffmann-Erbrecht

 

 

Literatur

E. Zivier, Geschichte des Fürstentums Pleß, Bd. 1, Kattowitz 1906.

E. Zellner, Stadt und Schloß Pleß. Geschichte und kulturelles Leben, Pleß um 1910.

K.-P. Koch, Polnisch-deutsche Musikbeziehungen im 16. und 17.  Jahrhundert; in : Beiträge zur Musikwissenschaft XV/1975, 223 ff.

H. Unverricht, Telemanns Einfluß auf schlesische Musiker und Komponisten, in: Opuscula Silesiaca. Festschrift J.
J. Menzel zum 65. Geburtstag, Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau 38/39, 1997/98, 463 ff.

L. Hoffmann-Erbrecht, Artikel "Pleß", in: Schlesisches Musiklexikon, Augsburg 2001, 575 ff.

 

Mehr zu Pleß (Pless)

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