Oppeln (Opole)

Die grüne Zehn-Brückenstadt Oppeln (pln. Opole) liegt unmittelbar an der durch Inseln zweimal gegabelten Oder zwischen den Waldgebieten der Malapane und des Falkenberger Kreises. Im 10. Jahrhundert befand sich wahrscheinlich hier die Gauhauptburg des altslawischen Stammes der Opolanen.

 

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Die vermutlich nach 1000 entstandene Kastellanei entwickelte sich seit dem 12. Jahrhundert zu einer Stadt, in der 1217 erstmals deutsche "hospites", womöglich Kaufleute, erwähnt werden. In der Mitte des 13. Jahrhun-derts folgte die deutschrechtliche Aufsiedlung des Umlandes. Die Kreuzkirche ist 1223 als geistlicher Mittel-punkt der Stadt belegt. 1273 wird Oppeln Sitz eines selbständigen Herzogtums der Piasten, erhält 1285 einen Mauerring, 1327 deutsches Stadtrecht. Nach dem Tod des letzten Oppelner Piasten kamen Stadt und Herzog-tum 1532 an die Krone Böhmen (Habsburg), wurden aber an wechselnde Herrscher verpfändet. Erst ab 1666 unterstand das Herzogtum direkt der böhmischen Krone. 1742 fiel es mit Schlesien an Preußen.

 

Oppeln
Oppeln von Südosten, Album der Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs aus den Jahren 1536/37
Aus: A. Marsch: Oppen, Falkenberg, Groß Strehlitz. Historische Ansichten aus vier Jahrhunderten, Würzburg 1995, S. 37

 

Nach dem Ersten Weltkrieg, während der Besetzung Oberschlesiens, war Oppeln 1920 bis 1922 Sitz der Interalliierten Regierungs- und Plebiszitkommission, die die Volksabstimmung in Oberschlesien vorzubereiten und zu überwachen hatte. Nachdem sich 95 % der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland ausge-sprochen hatten, wurde Oppeln im Juni 1922 an das Deutsche Reich  angeschlossen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Flucht und Vertreibung des größten Teils der deutschen Bevölkerung stand Oppeln mit Schlesien 1945 bis 1991 unter polnischer Verwaltung. Seitdem gehört es zur Republik Polen.
 
Die Stadt ist als unregelmäßiges Rechteck angelegt. Der annähernd quadratische Ring bildet den Mittelpunkt. Vom Piastenschloß ist nur noch der gotische Rundtturm, 1970 zum  Aussichtsturm umgebaut,  erhalten. Das Rathaus mit zinnenbekröntem Turm wurde 1822 bis 1824  im Florentiner Renaissance-Stil erbaut. Die Kriegs-schäden am Ende des Zweiten Weltkrieges waren für die Stadt insgesamt gering. Die Entwicklung der Bevöl-kerung in Zahlen: 1550: etwa 1.400 Einwohner; 1650: rund 1.500; 1751: 1.186; 1852: 8.293; 1939: 50.540; 1945 nach polnischen Angaben: 200; 1950: 38.500; 1975: 106.000; 1985: 116.000; 1998: 130.600.

Als wichtigster, zentral gelegener Ort im westlichen Oberschlesien wurde Oppeln schon in preußischer Zeit Verwaltungszentrum für Oberschlesien: 1816 Sitz des Regierungsbezirks, 1919 bis 1945 Hauptstadt der Pro-vinz Oberschlesien, 1950 Hauptstadt der Wojewodschaft. Damit verbunden waren hier ansässig das Provin-zialschulkollegium, Gerichte, Polizeipräsidium, Reichbahndirektion Oberschlesien, Oberpostdirektion Ober-schlesien, Gewerbeaufsichtsamt, staatliches Wasserbauamt, Finanzamt und zahlreiche andere zentrale  Ein-richtungen.

 

Rathaus
Rathaus
Aus: H. Trierenberg: Reisewege zu historischen Stätten in Oberschlesien, Dülmen 2002, S. 15

 

Ab 1843 gewinnt Oppeln als Eisenbahnknotenpunkt zunehmend an Bedeutung. Die günstigen Verkehrs-möglichkeiten fördern die Entwicklung zu einem Industriezentrum: 1857 beginnt der Abbau der reichen Kalksteinlager, erste Portlandzementfabrik, 1925 acht Zementfabriken. Dazu kamen Eisengießereien, Maschi-nen- und Holzbearbeitungsfabriken, Zigarrenfabriken, Bauindustrie, Sägewerke, Ziegeleien, Trinkbrandwein-brennereien, Reederei. Durch den Ausbau des Oderhafens 1902 bis 1912 im Norden der Stadt wurde diese Entwicklung zusätzlich begünstigt.

Zugleich ist Oppeln schulisches Zentrum für die Umgebung und für Oberschlesien. Ein Rektor wird 1327 erstmals erwähnt. Hier waren die Höheren Schulen, Berufsschulen, Handelsschule, das katholische Lehrer-seminar, Konservatorium, Provinzial-Hebammen-Lehranstalt, Werkschule der Deutschen Reichsbahn, eine Stadtbücherei (seit 1900), mehrere wissenschaftliche Gesellschaften. Heute ist Oppeln Sitz einer Technischen Hochschule, einer Handelsschule, der Schlesischen Hochschule und verschiedener Museen.

Seit etwa 1670 ist Oppeln Garnison, im Zweiten Weltkrieg auch mit einem Fliegerhorst verbunden, und den entsprechenden Kommandostellen beziehungsweise Stäben wie Wehrbezirkskommando, Wehrmeldeamt, Wehrmachtsfürsorge- und Versorgungsamt.

Unter den Kirchen gilt die Bergelkirche zu St. Adalbert (später Marienkirche) als die altpolnische Pfarrkirche und älteste Kirche Oberschlesiens, während die Kirche Zum Heiligen Kreuz von deutschen Siedlern erbaut, 1295 zur Stadtpfarrkirche, 1972 zur Kathedrale des Bistums Oppeln erhoben wurde. Sie soll einen Splitter vom Kreuz Christi besessen haben. Daran erinnert das Kreuz im Oppelner Stadtwappen.

 

Am Ring
Am Ring, Südseite
Aus: H. Trierenberg: Reisewege zu historischen Stätten in Oberschlesien, Dülmen 2002, S. 15

 

Obgleich sich die Bevölkerung fast geschlossen zur Lehre Luthers bekannte, konnte sich die Reformation gegenüber der katholischen Obrigkeit nicht durchsetzen. Der Einsatz der Liechtensteiner Dragoner 1629 unter Kaiser Ferdinand II. leitete die Gegenreformation in Oppeln und die Rekatholisierung ein. Erst 1742 kam es im Anschluß an die Militärgemeinde der preußischen Garnison zur Neubildung einer evangelischen Gemeinde, ab 1799 mit eigenem Prediger. 1811, nach der Säkularisierung, wurde ihr die Minoritenkirche in der Südwest-Ecke des Ringes überlassen. Im 14. Jahrhundert erbaut, war diese Kirche zugleich die Grablege der Piastenherzöge Bolko I., II. und III. . Seit 1945 ist sie wieder Franziskanerkirche, während sich die kleine evangelische Ge-meinde in der Sebastianskirche, 1681 bis 1711 auf dem Töpfermarkt erbaut, versammelt.

Juden werden erstmals 1349 erwähnt. Ghettoartig zusammengeschlossen, wohnten sie auf der Judengasse, der späteren Adalbertstraße. 1563 zum ersten Mal, 1648 zum zweiten Mal vertrieben, gab es ab 1765 eine er-neute Zuwanderung, ab 1822 einen eigenen Friedhof, ab 1840 eine Synagoge, die im November 1938 von den Nazis angezündet wurde. 1924 hatte Oppeln etwa 1000 jüdische Einwohner.

Christian-Erdmann Schott

 

Literatur

Alfred Steinert: Oppeln, in: Waldemar Grosch (Bearb.): Schlesisches Städtebuch (Deutsches Städtebuch. Neubearbeitung. Bd. 1: Schlesien) Stuttgart, Berlin, Köln 1995, S. 317-323.

Walter Kuhn: Oppeln, in: Hugo Weczerka (Hg.): Schlesien. Handbuch der historischen Stätten. Stuttgart 1977, S. 378-385.

Johannes Schellakowsky: Quellen und Literatur zur Geschichte der Stadt Oppeln. Würzburg 1995.

Franz Idzikowski: Geschichte der Stadt Oppeln. Oppeln 1863.

Ernst von Dobschütz: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Oppeln. O.O. 1911.

Alfred Steinert: Die evangelische Gemeinde Oppeln in vorpreußischer Zeit. 1911.

Alfred Steinert: Geschichte der Juden in Oppeln. 1922.

Karl Maurer (Hg.): Oppeln. Deutschlands Städtebau. Berlin-Halensee 1926.

Friedrich Stumpe: Der Gang der Besiedlung im Kreise Oppeln in Verbindung mit der Wandkarte "Die Besiedlung des Kreises Oppeln" (Schriftenreihe der Vereinigung für oberschlesische Heimatkunde 1) Oppeln 1932.

Hermann Hoffmann: Die Jesuiten in Oppeln (Zur schlesischen Kirchengeschichte Nr. 8) Breslau 1934.

Walter Kuhn: Die zweimalige Lokation von Oppeln und die Besiedlung des nordöstlichen Oberschlesiens im 13. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Ostforschung 26, 1977 S. 244-270.

Emil Brzoska: Die Errichtung des Bistums Oppeln im Jahre 1972, in: Oberschlesisches Jahrbuch 1, 1985, S. 158-175.

Heinrich Tukay: Die katholische Kirche in Oberschlesien 1815-1945. Ein geschichtlicher Überblick, in: Oberschlesisches Jahrbuch 3, 1987 S. 37-69. 

Angelika Marsch: Oppeln, Falkenberg, Groß Strehlitz. Historische Ansichten aus vier Jahrhunderten. Würzburg 1994.

Dieter Veldtrup: Prosopographische Studien zur Geschichte Oppelns als herzoglicher Residenzstadt im Mittelalter (Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien. Landeskundliche Reihe. Bd. 7). Berlin 1995.

Alois Sitek: Das Problem der Übernahme evangelischer Gotteshäuser durch die Katholiken in der Diözese Opole (Oppeln) nach dem II. Weltkrieg. Paderborn 1995

Boguslaw Gediga: Oppeln/Opole im 11. und 12. Jahrhundert als Beispiel eines frühstädtischen Zentrums in Oberschlesien, in: Thomas Wünsch (Hg.): Stadtgeschichte Oberschlesiens (Tagungsreihe der Stiftung Haus Oberschlesien, Bd. 5). Berlin 1995, S. 41-56.

Otto Spisla: Oppeln in den Stürmen der Zeit. Opole w zawierusze czasu. Opole o.J.

Christian-Erdmann Schott: Von Oppeln nach Mainz. Stationen - Institutionen - Perspektiven. Würzburg 2007, 239 Seiten.

 

 

Mehr zu Oppeln (Opole)

Freundschaftskreis Rheinland-Pfalz - Oppeln
www.rlp-oppeln.de/externer Link

Oppeln heute
www.opole.pl/externer Link

 

LITERATURHINWEIS
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