Oels (Oleśnica)

ca. 25 km nordöstlich von Breslau am Oelsbach, einem Nebenfluß der Weide gelegen, ist die größte und bedeutendste Stadt Niederschlesiens rechts der Oder. Die frühere Kreisstadt, bis 1815 Residenzstadt des gleichnamigen Fürstentums, hatte 1939 16.456 deutsche Einwohner auf 8,65 qkm, 1984 wohnten 33.000 Polen auf 21 qkm in Oleśnica, das zur Wojwodschaft Breslau gehört.

 

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Oels ist eine der ältesten schlesischen Städte mit deutschem Stadtrecht, das seit 1255 galt. Die Entwicklung Stadt wurde durch wechselnde Besitzverhältnisse geprägt: Ursprünglich gehörte Oels zum Fürstentum Breslau, war seit 1320 Residenz der Piasten in deren Fürstentum Oels bis zu ihrem Aussterben 1492, 1495 bis 1647 regierten die Herzöge von Münsterberg, dann folgte 1647 Herzog Sylvius Nimrod von Württemberg. Durch Heirat kam es darauf an die Herzöge von Braunschweig(-Oels). 1884 fiel das Fürstentum an die preußische Krone. Der Kronprinz des Deutschen Reiches und Preußens, Prinz Wilhelm (1882-1951), lebte von 1918 bis 1945 im Oelser Schloß, das ihm 1926 vom preußischen Staat als Privatbesitz zuerkannt wurde.

Oels wurde am 24. 1. 1945 von den Russen besetzt und danach zu 70% zerstört, d. h. über 1.000 Gebäude wurden vernichtet. Durch den Wiederaufbau in den 60er und 70er Jahren, der jedoch mit wenig alter Bausubstanz erfolgte, bietet Oels unter den schlesischen Städten trotzdem einen erfreulicheren Anblick. Immer wieder wurden große Teile der Stadt zerstört, duch die Stadtbrände 1730, 1822 und 1823.

 

Luftaufnahme
Schloß Oels, Luftaufnahme
Aus: U. Reuschling: Schlesien heute in Luftbildern, Leer 1994, S. 34

In beherrschender Lage auf einem Hügel der früheren Burganlage mit Resten von Wallanlagen liegt das Schloß, die herausragende Sehenswürdigkeit der Stadt. Der Neubau des Schlosses erfolgte zwischen 1558 und 1617 unter den Herzögen Johann und Karl II. aus dem Hause Münsterberg (dem Geschlecht Podiebrad, d. h. keine Piasten). Das Schloß ist nach den im ganzen Land erfolgten Zerstörungen heute wohl der schönste und besterhaltenste Renaissancebau seiner Art in Schlesien. Bemerkenswert die schachbrettartigen Quadersteine des mächtigen Turms, der Innenhof mit Arkaden und der Portalbau mit dem meisterhaft gearbeiteten, von zwei Löwen flankierten Wappen. Darunter stand der leider ausgekratzte Spruch „Wo Gott nicht selbst behüt das Haus, so ists mit unserm Wachen aus; Ps. 127“. Nach dem Krieg diente das Schloß als Lazarett und russisches Stabsquartier. Es wurde seiner Kunstwerke, der wertvollen Bibliothek, der reichhaltigen Jagdsammlung und der Ausstattung beraubt, der Schloßpark wurde abgeholzt. Nach vieljähriger Verwahrlosung wurde es für schulische Zwecke in den 70er Jahren hergerichtet. Außerdem beherbergt es ein archäologisches Museum.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Schloßkirche, ein Ziegelbau, der nach einem Einsturz 1905 bis 1910 erneuert wurde. Im Innern eine kostbare Kanzel von 1605 des Heinrich von Amsterdam, Hofloge und Orgel sowie ein Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert. Mehrere Grabdenkmäler Oelser Fürsten sind zu beachten. Am Ring zwischen Neubauten steht das nach schweren Zerstörungen wieder aufgebaute Rathaus, mit dem Turm von 1824. Am westlichen Stadtrand steht als einziges mittelalterliches Baudenkmal das Breslauer Tor, mit Re-sten der erneuerten Stadtmauer. In der Nähe die kleine gotische Salvatorkirche, heute polnisch-evangelische Kirche. Die katholische Barockkirche St. Trinitatis aus dem 18. Jahrhundert wurde nach einem Brand 1959 stark beschädigt, jedoch wieder hergestellt. Die 1945 ausgebrannte Probsteikirche mit ihrer interessanten Baugeschichte wurde wieder aufgebaut. Augustiner-Chorherren bauten die einschiffige Georgs-Kirche, später bauten daneben die Benediktiner links an die schon stehende Kirche ihre Marienkirche an. In späterer Zeit faßte man die beiden Kirchen zusammen und ersetzte die Wand durch Pfeiler. Die Spitze des Turms von 1799 wurde von Carl G. Langhans entworfen.

 

Rathaus
Rathaus mit Siegessäule
Aus: G. Elze: Mittelschlesien in Farbe, Mannheim 1986, S. 97


Von alters her bis ins 19. Jahrhundert hinein lebte die Stadt von ihrer Bedeutung als Residenz und vom Handwerk. Im 19. Jahrhundert konnte dann die abnehmende Bedeutung als Residenzstadt durch die Verwaltungsaufgaben als Kreisstadt ausgeglichen werden. Wichtig war Oels als Schulstadt schon mit dem 1594 gegründeten Gymnasium sowie durch ein Lehrerseminar mit Präparandenanstalt. Seit 1850 war Oels auch Garnisonstadt. Durch Anschlüsse an die Eisenbahn seit 1868 konnten sich auch mehrere kleinere Industriebetriebe entwickeln wie Sägewerke und Möbelfabrikation. Das Eisenbahnausbesserungswerk und die frühere "Oelser Schuhfabrik" werden auch heute noch fortgeführt.

Als herausragende in Oels geborene  Persönlichkeiten wären der Feldherr und Komponist Herzog Eugen d. J. von Württemberg (1788-1857), der Maler der Romantik Julius Hübner (1806-1882) und der Politiker Wilhelm Hellpach (1877-1955) zu nennen.

Patenstadt für die Stadt und den Kreis Oels übernahm die Stadt Hechingen. Das Oelser Heimatblatt erscheint seit 1953.

Helmut Scheunchen

 

Literatur

Edmund Michael: Oels, in: Waldemar Grosch (Bearb.): Schlesisches Städtebuch (Deutsches Städtebuch. Neubearbeitung. Bd. 1: Schlesien) Stuttgart, Berlin, Köln 1995, S. 308-312.

Hugo Weczerka: Oels, in: Hugo Weczerka (Hg.): Schlesien. Handbuch der historischen Stätten. Stuttgart 1977, S. 368-373.

Wilhelm Häusler: Geschichte des Fürstenthums Oels bis zum Aussterben der Piastischen Herzogslinie. Breslau 1883.

Schlitzberger: Das Buch der Stadt Oels in Schlesien. Berlin-Spandau 1930.

Georg Hähnel: Zur Geschichte der Schloßkirche und des kirchlichen Lebens im Herzogtum und in der Gemeinde Oels. Oels 1910.

Ursula Maria von Bülow: Der schlesische Kreis Oels mit seinen Stadt- und Landgemeinden. 3. Aufl., Würzburg 1994.

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