Hirschberg (Jelenia Góra)

Eine erste Erwähnung der Stadt geht auf das Jahr 1281 zurück, als Herzog Bernhard von Löwenberg in "Hyrzberg" eine Urkunde ausstellt, mit der er den Johannitern von Striegau 100 Hufen am Oberlauf des Zackens zusprach. Im Jahre 1288 erlaubte Herzog Bolko I. von Löwenberg-Jauer mit Zustimmung "unserer Bürger von Hirschberg" die Erbauung einer Schenke in Warmbrunn. Der deutsche Name der Stadt, wie auch das Wappen (ein auf dem Felsen stehender Hirsch" bezeugen die deutsche Gründung "aus wilder Wurzel" - nachzulesen in dem "Handbuch der historischen Stätten von Dr. Hugo Weczerka.

DiashowBildergalerie hirschberg

 

Blick auf Hirschberg

 

 

 

Viele Urkunden des 14. Jahrhunderts bezeugen die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, so die Erteilung des Meilenrechtes durch Bolko II. von Schweidnitz, die Privilegien wie das Verkaufsrecht für Salz- und Eisenstein (1355), das Braurecht, das Recht auf das Waaghaus, das Recht, Mün-zen zu schlagen (1361). Hirschberg erlangte 1355 die Freiheit von Abgaben im Böhmenhandel und 1366 die gegenseitige Zollfreiheit mit Breslau. Der ländliche Besitz in der Umgebung wird durch viele Lehnsbriefe bestätigt.

Hirschberg entwickelt sich zu einer mittelalterlichen Stadt mit Doppelmauer, Basteien und runden Türmen. Zur Verteidigung der Stadt trug auch die seit 1291 bestehende Burg auf dem Hausberg bei, die allerdings 1433 auf Geheiß des Landeshauptmanns abgebrochen wurde. König Wladislaus, der Herr über Schlesien und Böhmen, verlieh den Bürgern 1502 die freie Wahl der Ratsmänner.

 

Marktplatz

 

 

 

Einen bedeutsamen Aufschwung nahm die Stadt seit Anfang des 16. Jahrhunderts, als die mittelalterliche Tuchweberei durch denen Leinenhandel abgelöst wurde. Der große Brand von 1550 hemmte diese Entwicklung, die Einführung der Schleierweberei, die der Schuhmacher Joachim Girnth in Holland erlernt hatte, aber belebte den Handel wieder.

Das älteste kirchliche Bauwerk ist die 1288 errichtete Pfarrkirche St. Erasmus und Pankratius mit einem kostbaren barocken Hochaltar und einer bedeutenden Orgel der Spätrenaissance. In ihr wurde erstmals 1524 evangelisch gepredigt. Die Rekatholisierung erfolgte 1650.

Hirschberg wurde von den Hussitenkriegen (1426) und vom Dreißigjährigen Krieg gleichermaßen heimgesucht, mußte hohe Kontributionen entrichten und erlebte bei einer Belagerung 1634 einen zweiten verheerenden Stadtbrand. Nach weiteren Belagerungen in den Jahren 1640/41 dauerte es Jahre, bis sich die Stadt von den Schäden, die der Krieg verursacht hatte, erholen konnte. Dazu trug im besonderen Maße die 1658 gegründete Kaufmannssozietät bei, die Hirschberg im 17. und 18. Jahrhundert zum Zentrum des Schleier- und Leinenhandels im schlesischen Gebirge werden ließ. Ihr ist es auch zu verdanken, daß 1709 bis 1718 die evangelische Gnadenkirche zum Kreuze Christi, nach dem Vorbild der Stockholmer Katharinenkirche, durch den Liegnitzer Baumeister Martin Frantz errichtet worden ist, mit ihren großen Kunstschätzen und den Grüften der Schleierherren auf dem Friedhof. Aus dieser Zeit stammen die prachtvollen Barockhäuser am Markt mit ihren Laubengängen. Die Stadt wuchs zu einer stolzen Handelsstadt empor. Die Frachtwagen eines Daniel von Buchs, Christian Mentzel und Gottfried Glafey brachten das Hirschberger Leinen weit in alle Welt. So auch auf dem Seeweg nach Spanien, Portugal und Frankreich. Über England erfolgte auch die Ausschiffung nach den englischen und spanischen Kolonien. Die Ausfuhrtabelle von 1724 weist gebleichte Leinenwaren von 1.404.200 Talern aus und 1740 von 1.488.136 Talern.

Gnadenkirche

Im Jahre 1741 wurde Hirschberg preußisch. Und nun bracht hier die neue Herrschaft trotz mancher Härten eine bessere Rechtspflege und den meisten protestantischen Einwohnern der Stadt Befreiung vom religiösen Druck der Habsburger, aber während der Schlesischen Kriege erlitt die Stadt durch Besatzung und Zerstörung erneut einen Rückschlag. Trotz aller Bemühungen Friedrich des Großen konnte der Schleier- und Leinenhandel nicht wieder die alte Bedeutung erreichen. Er mußte nach der Franzosenzeit und den Befreiungskriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Konkurrenz der Maschinen den Platz räumen. Die folgenden Friedensjahre brachten Hirschberg in vielfach enge Beziehungen zum Königshause, dessen Mitglieder oft in Fischbach und Erdmannsdorf wohnten, was der Stadt gewisse Vorteile brachte.

Sie wuchs über den Mauergürtel hinaus, die Mauern fielen. Nur der Burgtorturm und das Schildauer Tor blieben erhalten. Hirschberg erhielt den Anschluß an das Eisenbahnnetz 1866 mit Berlin und 1867 mit Breslau, was Fabrikniederlassungen mit sich brachte, durch die besseren Verbindungen, weil schnelle und verbilligte Transporte der Kohle, Rohstoffe und Fertigwaren eine entsprechende Produktion ermöglichten und sich Arbeitsmöglichkeiten für viele Menschen ergaben. Das in der Leinenindustrie, in Maschinen-, Holzstoff-, Papier- und Zementfabriken. Es setzte durch neue Schienenwege in das Gebirge nach Schreiberhau und Krummhübel sowie später vom Bahnhof in Hirschberg eingesetzte Straßenbahn bis Giersdorf am Fuße des Riesengebirges, ein zunehmend stärker werdender Fremdenverkehr ein, woraus sich gute Erwerbsmöglichkeiten ergeben haben.

Ab der Gründerzeit am Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu den im ganzen Deutschen Reich sich ergebenden Entwicklungen. Das Stadtgebiet von Hirschberg weitete sich bis an die Grenzen der naheliegenden Dörfer aus. Es folgte die schlimme Zeit des Ersten Weltkrieges mit den bis in die Zwanziger Jahre hinein wirkenden wirtschaftlichen Folgen. In Hirschberg gab es inzwischen an die 35.000 Einwohner. Mit dem Dritten Reich kam es 1939 zum Zweiten Weltkrieg, nach dessen Ende laut der  Potsdamer Beschlüsse die Bevölkerung der Stadt, wie überhaupt die aus Ostdeutschland, in den Jahren 1945/1946 das Schicksal der Vertreibung erleiden mußte, um in den damaligen Besatzungsgebieten eine neue Bleibe zu finden, was zunächst mitunter längere Lageraufenthalte mit sich brachte. 
Konrad Werner

 

Literatur

 

 

Mehr zu Hirschberg (Jelenia Góra)

 

 

LITERATURHINWEIS
Breslau (Wrocław)
Bunzlau (Boleslawiec)
Glatz (Kłodzko)
Hirschberg (Jelenia Góra)
Jauer (Jawor)
Liegnitz (Legnica)
Militsch (Milicz)
Neisse (Nysa)
Oels (Oleśnica)
Oppeln (Opole)
Pleß (Pless)
Ratibor (Racibórz)
Sagan (Zagan)
Schweidnitz (Swidnica)
Sprottau (Szprotawa)
Teschen (Cieszyn)
Troppau (Opava)
Brieg
Gleiwitz
Glogau
Görlitz
Grünberg
Jägerndorf
Kattowitz
Kreuzburg
Landeshut
Waldenburg