1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel

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Günter Blobel wurde am 21. Mai 1936 in Waltersdorf, Kreis Sprottau in Niederschlesien, als jüngstes von fünf Kindern, geboren. 1945 floh die Familie in ein kleines Dorf in Sachsen, ca. 40 km von Dresden entfernt.

 

Dort sah er auch am 13. Februar 1945 den Feuerschein der brennenden Stadt, als sie in dieser Nacht im Bombenhagel in Schutt und Asche fiel. Später siedelte die Familie nach Freiberg um, und Günter legte, wie auch seine Geschwister, dort sein Abitur ab. Da sein Vater als Tierarzt bürgerlicher Herkunft war, durfte er in der DDR kein Medizinstudium aufnehmen. So ging er in die Bundesrepublik und begann in Frankfurt a. Main Medizin zu studieren und machte 1960 nach Zwischenstationen an den Universitäten München, Kiel und Freiburg schließlich in Tübingen sein Examen. Hier promovierte er auch.

Bereits 1962 verließ er jedoch Deutschland, ging in die USA und studierte dort Chemie und promovierte 1967 noch einmal, an der Universität in Wisconsin, in Onkologie. Anschließend begann er seine wissenschaftliche Forschungsarbeit an der Rockefeller-Universität von New York, wo er vom Assistent des Nobelpreisträgers von 1974 Dr. Palade bis zum "John D Rockefeller, Jr. Professor" der Universität Rockefeller aufstieg.

Günter Blobel befaßte sich bereits unter Palade mit der Biologie der Zelle. Dabei kam er zu der Erkenntnis, dass Proteine, die milliardenfach in einer Zelle erzeugt werden, ein eingebautes Signal erhalten, wenn sie zu und durch eine Membrane innerhalb oder außerhalb einer Zelle dirigiert werden sollen. Nun gibt es aber auch Proteine oder Eiweiße, die ein fehlerhaftes Signal enthalten und sich nicht am korrekten Platz der Zelle ansiedeln. Dadurch kann es dann zu Krankheiten und auch Erbkrankheiten kommen, wie erhöhtes Cholesterin, Bildung von Nierensteinen, Alzheimer, Mukoviszidose usw. Mit der Erforschung dieser Regularien in der Zelle hat Blobel den Grundstein für ein besseres Verständnis dieser Krankheiten gelegt. Er wird auch als "Vater der molekularen Zellbiologie" bezeichnet. Er selbst sagte über seine Forschungen, daß er damit niemand heilen könne, aber sie heilen vielleicht die Unwissenheit über biologische Abläufe in unseren Zellen.

Im Jahr 1987 nahm Blobel die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Er ist mit einer Amerikanerin italienischer Abstammung verheiratet, die in Manhattan ein Restaurant betreibt, das sie von ihren Eltern geerbt hat. Die Ehe ist kinderlos. Blobel interessiert sich sehr für klassische Musik. Trotz der neuen Staatsbürgerschaft bleibt er Deutschland weiterhin verbunden. Seine besondere Liebe gilt Dresden. So hat er am 24. Juni 2000 1,6 Millionen DM aus seinem Preisgeld für den Aufbau der Frauenkirche gestiftet. Außerdem stiftete er 100 000 DM für den Wiederaufbau der Dresdner Synagoge. Er gründete weiterhin in den USA den Verein "Friends of Dresden".

Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise, so 1983 die "Warburg Medaille" der deutschen biochemischen Gesellschaft, 1992 den "Max-Planck-Forschungspreis", 1996 den "Internationalen Preis für Wissenschaft" von König Faisal und noch ca. neun andere Auszeichnungen. Günter Blobel ist außerdem seit 1994 Mitglied der amerikanischen "National Academy of Science".
 

Gestorben ist Günter Blobel am 18. Februar 2018 in New York.

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel