1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten

525_selten

 

Reinhard Selten wurde am 10. Oktober 1930 in Breslau geboren. Sein Vater ein Jude, war mit einer Protestantin verheiratet. Der Vater betrieb einen Zeitschriftenverleih, heute "Lesezirkel" genannt.

 

Jedoch musste er in der Mitte der Dreißiger Jahre dieses Geschäft wegen seiner jüdischen Abstammung aufgeben und starb bereits 1942 nach einer schweren Krankheit. Mit 14 Jahren mußte Selten wegen seiner Abstammung das Gymnasium verlassen und hätte höchstens als Hilfsarbeiter eine Beschäftigung gefunden. Jedoch Anfang 1945 floh er mit seiner Mutter und den Geschwistern aus Breslau. Über Sachsen und Österreich kamen sie schließlich nach Hessen.

Dort besuchte er ab 1946 wieder eine höhere Schule in Melsungen und schloß sie 1951 mit dem Abitur ab. Anschließend studierte er in Frankfurt a. Main Mathematik. 1957 erwarb er dort das Diplom in Ma-thematik. Danach wurde er bis 1967 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Sauermann. 1959 heira-tete er Elisabeth Langreiner, eine langjährige Bekannte. Die Ehe blieb kinderlos. 1961 promovierte er zum Dr. phil. nat. Bereits am Ende seiner Schulzeit kam er aufgrund eines Artikels mit der Spieltheorie in Berührung. Kurz nach seiner Promotion nahm er in Princeton an einer Konferenz über Spieltheorie teil und blieb über diese Konferenz hinaus noch einige Wochen länger dort. Dies war wohl für sein weiteres Berufsleben ein einschneidendes Erlebnis.

Er wandte sich nun in zunehmenden Maße der Volkswirtschaft zu und da insbesondere der Spieltheorie. So verfaßte er bereits 1965 einen Artikel über dieses Thema, der später mit als Grundlage für die Verleihung des Nobelpreises diente. 1967 ging er dann als Gastprofessor nach Kalifornien an die Universität in Berkley. Nach seiner Rückkehr habilitierte er sich in Frankfurt a. Main und ging von 1969 - 1972 als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Freie Universität Berlin. Von dort aus wurde er als Professor für mathematische Wirtschaftsforschung an die Universität nach Bielefeld berufen, wo er bis 1984 wirkte. Danach erhielt er eine Professur für wirtschaftliche Staatswissenschaften und da besonders für Wirtschaftstheorie in  Bonn.

Die Spieltheorie begann mit der Analyse von Gesellschaftsspielen, wobei jeder Teilnehmer den nächsten Schritt abwägen muß, unter dem Aspekt, was dann sein Spielgegner dagegen unternehmen würde. Man analysierte also das voraussichtliche Verhalten der Spielteilnehmer. Diese voraussichtlichen Verhaltens-weisen der Teilnehmer wurden auf Teilnehmer und Konsumenten der Volkswirtschaft übertragen, wobei John v. Neumann und Oskar Morgenstern die Grundlagen für diese Theorie gelegt haben. Es würde zu weit führen, hier noch detaillierter auf diese Theorie einzugehen. Der Amerikaner John  F. Nash entwickelte diese Theorie weiter und unterschied zwischen Spielen mit und ohne bindende Absprachen. Selten verfeinerte und entwickelte diese Theorie weiter und erhielt dafür zusammen mit Nash und dem Ungar Harsanyi, der sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt hatte, den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften im Jahr 1994. Er blieb bis zu seiner Emeritierung in Bonn. Er und seine Frau leiden inzwischen an Diabetes und leben heute zurückgezogen im Siebengebirge.

Reinhard Selten wurden zahlreiche Ehren zuteil. So erhielt er den Ehrendoktorgrad von den Universitäten Bielefeld, Frankfurt a. Main, Graz, Breslau, Norwich, und von ENS de Chachan. Außerdem wurde er Ehrenprofessor der Universität Schanghai. Er ist außerdem Mitglied verschiedener deutscher, europäischer und amerikanischer wissenschaftlicher Gesellschaften.

In seiner Biographie erwähnt er, daß er nicht mehr nach Breslau gekommen sei. Allerdings dürfte er wohl bei der Verleihung des Ehrendoktors durch die Universität Breslau im Jahr 1994 seine Heimatstadt doch besucht haben.

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel