1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt

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Hans G. Dehmelt wurde am 9. September 1922 in Görlitz geboren. Sein Vater, im Ersten Weltkrieg Offizier und dann sein Lebensunterhalt wohl mit Immobilien verdienend, schien bald nach der Geburt von Hans Georg mit seiner Familie nach Berlin gezogen zu sein.

 

Dort besaß Herr Dehmelt Senior ein Mietshaus, das in einer Gegend lag, in dem sich Klassenkämpfe abspielten. Um Miete zu sparen, zog man selbst in eine Wohnung dieses Hauses. In der Volksschule waren die Möglichkeiten von Hans G., sich körperlich durchzusetzen, etwas beschränkt, und so experimentierte er bald mit einfachen Radioempfängern, deren Entwicklung in dieser Zeit gerade begann.

Im Frühjahr 1933 meldete ihn seine Mutter an dem bekannten und heute noch bestehenden Gymnasium "Zum Grauen Kloster" an. Obwohl sein Vater der Meinung war, daß er lieber Klempner werden sollte, schaffte der junge Dehmelt die strenge Aufnahmeprüfung und bekam sogar ein Stipendium. Auch während seines Aufenthaltes am Gymnasium blieb er seinen Radiobastelarbeiten treu und wurde einmal nur durch die Nachhilfe des Vaters vor unangenehmen Folgen bewahrt. Allerdings weckte diese Tätigkeit sein Interesse an der Physik. Zum Schluß der Schulzeit übersprang er sogar einen Klassenjahrgang und legte 1940 sein Abitur ab.

Als Dehmelt seinen Musterungsbescheid erhielt, meldete er sich freiwillig zu einer Flakbatterie. Die Möglichkeiten der Radiobastelei waren ihm nun genommen. Seine Einheit wurde nach Stalingrad verlegt, doch entging sie der Einkesselung. Danach, 1943, schickte man den Abiturienten zu einem Wehrmachtsstudiengang in Physik an die Universität in Breslau. Nach einem einjährigen Studium wurde er an die Westfront verlegt. In der Ardennenschlacht nahmen ihn die Amerikaner gefangen. Als er 1946 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, setzte er in Göttingen sein Physikstudium fort, wobei er sich seinen Lebensunterhalt wieder mit Reparieren und Tauschen von Vorkriegsradios verdiente. Hier hörte er u. a. Hans Kopfermann, Werner Heisenberg und Max Planck. Beim Begräbnis des letzteren war Dehmelt einer der Sargträger.

Schon in Göttingen beschäftigte er sich mit Elektronen und war Mitglied einer Laboratoriumsklasse, die von Wolfgang Paul geleitet wurde, der sich 1989 den Nobelpreis mit Dehmelt teilte. 1949 schloß er seine experimentelle Diplomarbeit über einen Thomson-Massen-Spectographen ab. 1949 wurde unter seiner Mitwirkung die nukleare Quadropol-Resonanz entdeckt, und 1950 promovierte er mit der Arbeit: "Kernquadropolfrequenzen in kristallinen Jodverbindungen". Diese Arbeit hatte eine Einladung an die Universität Duke in den USA zur Folge. An der Universität in Washington verschaffte man ihm eine Stelle als "Visiting-Assistant-Professor". Von dort wechselte er nach einem kurzen Zwischenspiel in British Columbia 1955 an die Universität in Seattle. Hier konnte er Ionen für mehrere Sekunden stabilisieren.
1961 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

1962 gelang es, Helium-Ionen für etwa  8 Sekunden in einer "Paul-Falle" zu halten, und man orientierte sie zusätzlich durch Stöße mit polarisierten Caesium-Ionen. 1973 gelang es ihm und seinem Team, ein einzelnes Elektron in einer "Penning-Falle" einzuschließen, wodurch fundamentale Eigenschaften dieses Teilchen gemessen werden konnte. Dadurch wurde das anomale magnetische Moment des Elektrons mit einer Genauigkeit von einem Hundertmilliardstel bestimmt. Dies machte die Bestätigung hochpräziser quantenelektrodynamischer Rechnungen möglich. 1986 entdeckten drei unabhängige Arbeitsgruppen, eine davon unter Dehmelts Leitung, bei spektroskopischen Arbeiten, wie man an Hand der Resonanzfluoreszenz einzelner Ionen, Quantensprünge einzelner Elektronen auf eine andere Bahn direkt beobachten konnte. Die Kühlung der Ionen mit Laserlicht war dabei besonders wichtig.

All diese Arbeiten wurden die ganze Zeit von der "National Science Foundation" gefördert und über viele Jahre auch vom Waffenforschungsamt der Armee und der Marine der Vereinigten Staaten von Amerika unterstützt.
1989 wurde ihm für seine Forschungen der Nobel-Preis in Physik zuerkannt.

Von seinem Privatleben ist nur wenig bekannt. Aus erster Ehe mit Irmgard Lassow entstammt sein Sohn Gerd. Nachdem er Witwer geworden war, heiratete er Diana Dundore, eine Physikerin. In seiner eng bemessenen Freizeit wandert er gern in den Bergen, liest und hört klassische Musik. Er tanzt auch gern Walzer und liebt Ballett.

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel