1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer

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Maria Goeppert-Mayer wurde am 28. Juni 1906 in Kattowitz in Oberschlesien geboren. Ihr Vater, Friedrich Goeppert, ein Universitätsprofessor, zog bereits 1910 nach Göttingen, wo er in Kinderheilkunde unterrichtete.

 

Maria setzte mit ihrer späteren Universitätskarriere die akademische Tradition ihrer Familie fort, die in sieben aufeinanderfolgenden Generationen Universitätslehrer hervorbrachte. In Göttingen besuchte sie private Schulen, die sie auf das Abitur vorbereiteten, da Mädchen damals keinen Zugang zu den öffentlichen Gymnasien hatten. Obwohl durch die Inflation der Schulbetrieb unterbrochen werden mußte, konnte sie 1924 ihr Abitur ablegen und fing an, in Göttingen Mathematik zu studieren. Doch bald schien ihr Physik attraktiver, zumal sie sich von der jungen und entwicklungsfähigen Quantenmechanik angezogen fühlte, die sie in einem Seminar unter Max Born kennengelernt hatte.

1930 promovierte sie bei Max Born, James Frank und Adolf Windaus. Ihre Dissertation beschäftigte sich mit dem Atomkern. Ihre damals aufgestellten Berechnungen wurden in den sechziger Jahren experimentell bestätigt. Während ihres Studiums lernte sie den amerikanischen Studienkollegen Joseph Edward Mayer kennen, der physikalische Chemie studierte. Ihn heiratete sie 1930 und zog mit ihm nach Baltimore, wo ihr Mann an der dortigen Universität lehrte. So entging sie schon vor 1933 einer möglichen Verfolgung durch die Nationalsozialisten, da sie jüdischer Abstammung war. In dieser Zeit aber war es für Frauen unmöglich, an einer Universität eine Anstellung zu bekommen.

Lediglich Karl F. Herzfeld interessierte sich für ihre Arbeit und beschäftigte sich zusammen mit ihrem Ehemann mit der Farbe der organischen Moleküle. 1939 zogen sie dann mit ihren zwei Kindern nach New York, USA. Während ihr Mann an der Columbia-Universität beschäftigt wurde, konnte sie als Frau abermals keine offizielle Stelle an einer Universität bekommen. So lehrte sie 1941 ein Jahr an der Sarah Lawrence Hochschule als Teilzeitlehrerin. Ab 1942 fand sie dann eine Arbeit in dem "Strategic Alloy Metals Laboratorium" unter Harold Urey, und dort arbeitete sie bis 1945 an dem sog. Manhattanprojekt, wo man versuchte, das U 2325 vom Natururan zu trennen. Damit konnte letztlich auch die Atombombe gebaut werden, wobei Maria Goeppert-Mayer hoffte, daß die nie zur Anwendung kommen würde.

1946 ging das Ehepaar Goeppert-Mayer nach Chikago. Hier erhielt auch Maria einen Lehrauftrag, allerdings ohne Bezahlung. Sie arbeitete mit Edward Teller zusammen und beschäftigte sich mit den Eigenschaften des Stoffes und den Strahlungen bei sehr hohen Temperaturen. Sie forschte weiterhin am Argonne National-Laboratorium und beschäftigte sich zunehmend mit Kernphysik. So beobachtete sie Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Elementen mit einer bestimmten Anzahl von Neutronen oder Protonen in ihren Kernen. Diese Zahlen waren 2, 8, 20, 28, 50, 82 und 126. Sie werden als "magische Zahlen" bezeichnet. Daraus entwickelte sie das Kernshellmodell. Hier wies sie nach, wie sich Neutronen und Protonen zum einen zahlenmäßig zueinander verhalten und wie sie sich innerhalb des Atomkernes bewegen.
Dafür erhielt sie 1963 den Nobelpreis.
Sie war außerdem Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften und der wissenschaftlichen Akademie in Heidelberg. Auch der Ehrendoktor wurde ihr von verschiedenen Hochschulen zuerkannt.
1959 ging das Ehepaar nach San Diego in Kalifornien. Hier erhielt Maria eine Stelle als Physikprofessorin und sie beschäftigte sie sich weiter mit der Kernphysik.

Schon 1955 erlitt Maria Goeppert-Mayer einen Schlaganfall, der sie jedoch nicht hinderte, ihre Forschungen und die Lehrtätigkeit fortzusetzen. Nach einer langwierigen Krankheit starb sie am 20 Februar 1972. 

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel