1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius

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Friedrich Bergius wurde am 11. Oktober 1884 in Goldschmieden bei Breslau geboren. Er entstammte einer alteingesessenen Familie, deren Mitglieder Wissenschaftler, Theologen, Offiziere, Geschäftsleute o. ä. waren.

 

Sein Großvater war Wirtschaftsprofessor und sein Vater hatte eine eigene Chemiefabrik in Goldschmieden. In Breslau erzogen, entwickelte er schon während seiner Schulzeit großes Interesse an der väterlichen Fabrik und lernte verschiedene Arbeitsmethoden und chemotechnische Prozesse unter väterlicher Aufsicht kennen. Bevor er zu studieren anfing, schickte ihn sein Vater für sechs Monate ins Ruhrgebiet, wo er praktische Dinge eines Metallbetriebes kennenlernte und später von diesen Erfahrungen profitierte.

1903 begann er, in Breslau Chemie zu studieren und wechselte 1905, nach Ableistung des Wehrdienstes, an die Universität Leipzig, wo er unter Hantzsch an der These: "Über absolute Schwefelsäure als Lösungsmittel" arbeitete. Diese Arbeit wurde in Breslau unter Abegg zu Ende geführt; 1907 promovierte er in Leipzig mit diesem Thema. Neben seiner Tätigkeit in Labors von Hantzsch und Abegg arbeitete er zusätzlich noch in zwei anderen Laboratorien, so auch im Nernst Institut zu Berlin. 1909 ging er nach Karlsruhe, wo er unter Haber arbeitete. Die dortigen Arbeiten, besonders in der Ammoniak-Analyse, beschleunigten seine eigenen Forschungen in Hannover. Nachdem das Labor an der Technischen Hochschule in Hannover nicht mehr seinen Anforderungen entsprach, richtete er 1910 ein eigenes Labor ein, wo er vor allem den Hydriereffekt des Wasserstoffs bei Kohle und schwerem Heizöl unter Hochdruck erforschte.

Bald jedoch mußte er erkennen, daß die Labormethoden nicht für industrielle Fertigung geeignet waren. So nahm er 1914 ein Angebot an, sein Labor in die Essenwerke der Fa. Th. Goldschmidt zu integrieren. Dort bekleidete er auch bald eine leitende Position. Daher konnte er seine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule in Hannover nicht fortsetzen, zumal der Ausbruch des Ersten Weltkrieges das Problem der Kohleverflüssigung plötzlich sehr wichtig erscheinen ließ. Man gründete in Rheinau bei Mannheim eine Firma, die sich mit dieser Aufgabe beschäftigte. Doch bald stellte sich heraus, daß eine Firma allein damit überfordert war. So interessierten sich nach dem Krieg eine Reihe deutscher und auch englischer Firmen, vornehmlich aus der Kohleindustrie, darunter die Shell AG, für die Entwicklung des Hydrierverfahrens. 1927 schließlich übernahm die I. G. Farbenindustrie die Fertigung, nachdem das Verfahren zuvor Industriereife erlangt hatte.

Bergius widmete sich nun der Zuckergewinnung aus der Zellulose des Holzes, womit er sich schon vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigt hatte. Er siedelte 1921 nach Heidelberg über, um die Verbindung zur Universität, aber auch zu seinem Werk in Rheinau bei Mannheim zu haben. 1931 wurde ihm zusammen mit Carl Bosch der Nobelpreis für Physik für die Erfindungen und Beiträge zur Entwicklung der chemi-schen Hochdruckmethoden verliehen.

In seinem Leben hat Bergius viele Ehrungen erfahren. So erhielt er den Dr. phil. der Universität Heidel-berg ebenso wie den Ehrendoktor der Universität Hannover. Er war außerdem Träger der "Liebigmedaille" und in vielen Vorstandsetagen von Firmen vertreten, die sich mit Kohle oder Öl beschäftigten. 1945 war es Bergius nicht möglich, in Deutschland eine Arbeit fortzusetzen, die seinen Fähigkeiten gerecht geworden wäre. So wanderte er nach Argentinien aus, wo er 1949 in Buenos Aires starb. Schlesien aber blieb er immer verbunden und besuchte oft seine Vaterstadt Breslau.

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel