1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern

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Otto Stern wurde am 18. Februar 1888 in Sohrau, Oberschlesien geboren. Seine Eltern Oskar und Eugenie Stern zogen mit ihren fünf Kindern gegen 1893 nach Breslau. Dort besuchte Otto die Volksschule und danach das Johannes-Gymnasium, wo er 1906 sein Abitur ablegte.

 

Sein jüdisches Elternhaus war mit Getreidehandel sehr wohlhabend geworden, und so konnte er sich leisten, nach seinem Abitur in Freiburg i. Breisgau und München zu studieren. Bei seiner Rückkehr nach Breslau 1912 erwarb er den Doktor in physikalischer Chemie. Nach seiner Promotion ging er sofort nach Prag, wo er mit Einstein zusammenar-beitete. Diesem folgte er bereits 1913 nach Zürich. 1915 ging er nach Frankfurt a. Main und habilitierte sich dort als Privatdozent, ein Luxus, den er sich aufgrund seiner finanziellen Unabhängigkeit leisten konnte, da er als Privatdozent keine Vergütung erhielt.

1914, beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges, meldete er sich gleich freiwillig und blieb zunächst als Ge-freiter, später als Unteroffizier bis zum Ende des Krieges in der Armee. 1918 kehrte er an die Universität Frankfurt zurück, traf dort Max Born und arbeitete mit ihm zusammen. 1921 wechselte er nach Rostock. 1923 schließlich wurde er zum Direktor des Laboratoriums für physikalische Chemie an der Universität Hamburg ernannt.

Sein Arbeitsleben wird in zwei Phasen aufgeteilt. Die eine war stark theoretisch geprägt, als er sich - beeinflußt von Einstein - vor allem mit der Molekulartheorie befaßte und versuchte, das zunächst unverständliche Temperaturverhalten der spezifischen Wärmen in kristallinen Körpern aufzuklären.

Die andere Phase lag auf dem experimentellen Sektor. Hier hatte er Erfolge zu verzeichnen, die ihm schließlich den Nobelpreis einbrachten. Er entwickelte Geräte, mit denen Atom- oder Molekularstrahlen gebildet werden konnten und beobachtete und untersuchte deren Verhalten. Er stellte fest, daß sich Atome im luftleeren Raum in gerader Linie fortbewegen und daß diese Bewegungen durch Magnetfelder beeinflußt werden.

Das experimentelle Schaffen begann um 1919. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht im Lande übernahmen, sollten Stern und einige Mitarbeiter jüdischer Herkunft in Hamburg von ihrer Tätigkeit suspendiert werden. Stern kam dem jedoch zuvor, reichte selbst sein Rücktrittsgesuch ein und ging auf Einladung des "Carnegie-Institutes of Technologie" in die USA. Dort baute er sofort ein neues Molekular-strahllabor auf. 1943 wurde ihm der Nobelpreis für Physik verliehen, den er aber infolge der Kriegsereignisse erst 1945 entgegennehmen konnte.

1947, mit 56 Jahren, setzte sich Stern dann in Kalifornien zur Ruhe. Er war Mitglied der nationalen Akademie der Wissenschaften, der amerikanischen philosophischen Gesellschaft und der dänischen Akademie der Wissenschaften. Er war u. a. auch Ehrendoktor der EHT Zürich und der Universität von California.

Mit 81 Jahren starb Otto Stern am 17. August 1969 an Herzversagen.

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel