1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder

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Kurt Alder wurde am 10. Juli 1902 in Königshütte in Oberschlesien geboren. Seine Jugend wurde vor allem durch das industrielle Umfeld seiner Heimat geprägt. 1922 legte er noch das Abitur in Oberschlesien ab. Danach verließ wegen der politischen Umstände die ganze Familie ihre Heimat und zog nach Kiel. Dort setzte er sein Chemiestudium fort, nachdem er zuvor ein Semester in Berlin studiert hatte.

 

1924 legte er sein Examen ab und erhielt für seine Doktorarbeit von Otto Diels, dem damaligen Chef des chemischen Institutes in Kiel, das Thema: "Über die Ursache und Verlauf der Azoester-Reaktion". Alder untersuchte die Anlagerung des Azodicarbonsäurediethylester, so nennt man die Verbindung heute, an ungesättigte Kohlenwasserstoffe unter Ausbildung von Sechsringen. Dies war ein Beispiel für einen Reaktionstyp, dessen Universalität zu erkennen das große Verdienst von Alder und seinem Lehrer Diels war. Diese Reaktion trägt heute beider Namen und heißt "Diels-Alder-Reaktion".

1926 promovierte Alder in Kiel. Die folgenden Jahre waren für die Forschungsarbeit wegen fehlender finanzieller Mittel sehr schwierig. Aber man arbeitete weiter und vervollständigte die Dien-Synthese. Die Arbeit mit ungesättigten Systemen und deren Veränderungen machten es möglich, daß neue Stoffe entstanden, wie sie heute als Kunststoffe verwendet werden. Aber man konnte auch synthetischen Kautschuk erzeugen, und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurden auch Insektizide hergestellt.

1930 habilitierte sich Alder und wurde 1934 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt, eine Berufung, die keinerlei zusätzliche Vergütung mit sich brachte. So entschloß sich Alder 1936, die Lehrtätigkeit einzuschränken und zu den IG-Farben nach Leverkusen zu gehen. Hier arbeitete er als Abteilungsleiter und war auch damit beschäftigt, synthetischen Gummi herzustellen. Daneben lehrte er an der Universität in Köln und wurde 1940 nach der Emeritierung des vorherigen Amtsinhabers zum Ordinarius für Chemie ernannt. Dieser Bildungsstätte blieb er auch nach 1945, nach Beendigung des Krieges, treu, obwohl er auch hier wieder mit erheblichen Schwierigkeiten kämpfen mußte, da das Institut zum einen nach Marburg ausgelagert war. Außerdem mußten am Kölner Gebäude die Bombenschäden wieder beseitigt werden.

1950 wurde ihm dann zusammen mit seinem Lehrer Diels der Nobelpreis in Chemie verliehen. Obwohl Alder Ehrungen nicht so schätzte, wurde ihm schon 1938 die "Emil Fischer Erinnerungsmedaille" vom Verband Deutscher Chemiker verliehen. Außerdem wurde er Mitglied der "Kaiserlich Leopold.-Karol.-Deutschen Akademie" in Halle. 1950 wurde ihm der Ehrendoktor der medizinischen Fakultät der Universität Köln angetragen, und er übernahm das Amt des Dekans der Philosophischen Fakultät. 1954 erhielt er den Ehrendoktor der Universität Salamanca. 1955 lehnte er den Ruf zum "rector magnificus" der Universität Köln ab, wohl auch wegen gesundheitlicher Probleme, die die anstrengende wissenschaftliche Arbeit über die Jahrzehnte mit sich gebracht hatte. Am 21. März 1951 heiratete er seine langjährige Bekannte Gertrud Bilzer. Am 20. Juni 1958 verstarb Kurt Alder nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt.

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel