1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann

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Gerhart Hauptmann wurde am 15. November 1862 in Obersalzbrunn als jüngster Sohn des Hotelbesitzers Robert Hauptmann und dessen Frau Maria geboren. Nachdem das Unternehmen des Vaters 1875 zusammengebrochen war, besuchte er von 1878 an die Realschule in Breslau, brach die Ausbildung jedoch ab. Er begann nun eine Landwirtschaftslehre auf einem Rittergut seines Onkels, wurde jedoch lungenkrank.

 

1880 begann er an der Breslauer Kunst- und Gewerbeschule eine Ausbildung als Bildhauer und verlobte sich 1881 mit Maria Thienemann, die aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie stammte und zeitweise auch den Lebensunterhalt von Hauptmann bestritt. 1883 reiste er an das Mittelmeer und ließ sich in Rom als Bildhauer nieder, kehrte jedoch 1884 nach Dresden zurück und besuchte die Zeichenklasse der "Königlichen Akademie" in Dresden. Ein Jahr später heiratete er seine Verlobte, und sie zogen nach Erkner bei Berlin, wo er Beziehungen zu dem naturalistischen Berliner Dichterverein "Durch" pflegte.

1887 entstand die Novelle "Bahnwärter Thiel", und 1889 wurde der Verein "Freie Bühne" gegründet, der nichtöffentliche und daher zensurfreie Theateraufführungen zuließ. 1892 wurde nach einer Schlesienreise das gesellschaftskritische Drama "Die Weber" im Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt. Das ganze endete jedoch mit dem Verbot des Stückes. "Biberpelz" und "Hanneles Himmelfahrt" folgten. Durch Hauptmanns Bekanntschaft mit der Musikstudentin Margarete Marschalk kam es zur Ehekrise. 1894 trennte sich das Ehepaar vorläufig, das drei gemeinsame Kinder hatte.

1896 erhielt Hauptmann in Wien den "Grillparzerpreis", den er noch zwei weitere Male bekommen sollte, während der Kaiser ihm den "Schillerpreis" verweigerte.

1901 kehrte Hauptmann nach Schlesien zurück und wohnte nun abwechselnd in Agnetendorf, Berlin, Hiddensee und später in Italien. 1904 wurde die Ehe geschieden, und Hauptmann heiratete Margarete Marschalk.

1912 erhielt Gerhart Hauptmann den Nobelpreis für Literatur. 1918 verfaßte er eine Erklärung, von vielen Künstlern unterschrieben, die sich für den Aufbau der jungen Republik einsetzte. 1922 fanden in Breslau Gerhart-Hauptmann-Festspiele statt. 1924 wurde er Ehrenmitglied in der Akademie der bildenden Künste in Wien und erhielt den Orden "Pour le Mérite" der Friedensklasse. 1928 wurde er Mitglied in der "Preußischen Akademie der Künste". 1932 kam es zur letzten Uraufführung eines Dramas zu seinen Lebzeiten mit dem symbolischen Titel "Vor Sonnenuntergang". Er reiste in die USA und erhielt dort die Ehrendok-torwürde der Columbia Universität und wurde vom auch amerikanischen Präsidenten empfangen.

Nach 1933 zog sich Hauptmann aus der Öffentlichkeit zurück, nahm jedoch zum nationalsozialistischen System keine Stellung; daher wurden seine Werke auch weiterhin aufgeführt. 1942 beging er seinen 80. Geburtstag mit Ehrungen in Breslau und Wien.

Am 6. Juni 1946 starb Gerhart Hauptmann in Agnetendorf und wurde in Kloster Hiddensee beigesetzt.

Joachim Lukas

1908 - Nobelpreis für Medizin an Paul Ehrlich
1912 - Nobelpreis für Literatur an Gerhart Hauptmann
1918 - Nobelpreis für Chemie an Fritz Haber
1931 - Nobelpreis für Chemie an Friedrich Bergius
1943 - Nobelpreis für Physik an Otto Stern
1950 - Nobelpreis für Chemie an Kurt Alder
1954 - Nobelpreis für Physik an Max Born
1963 - Nobelpreis für Physik an Maria Goeppert-Mayer
1964 - Nobelpreis für Medizin an Konrad Bloch
1989 - Nobelpreis für Physik an Hans Georg Dehmelt
1996 - Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an Reinhard Selten
1999 - Nobelpreis für Medizin an Günter Blobel