Angelus Silesius

Portrait

 

 

Angelus Silesius, (Pseudonym für Johannes Scheffler). Sein Vater war ein polnischer  Landedelmann, seine Mutter entstammte einer alten deutschen Familie aus Schlesien. Der frühe Tod der Eltern und Kriegserlebnisse bedrückten den Heranwachsenden. Nach Besuch  der  Breslauer Lateinschule von St. Elisabeth studierte er 1643-1648 Medizin, Philosophie und Geschichte an den Universitäten von Straßburg, Leiden und Padua. In Padua promovierte er  zum Dr. phil. und Dr. med. und kehrte nach Breslau zurück. 1649 - 1652 war er Leibarzt des Herzogs von Oels. Hier stieß er zum mystisch-spiritualistischen Kreis um Abraham von Frankenberg.

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Vertiefendes Studium der älteren Mystiker Meister Eckart, Jakob Böhme u. a., die Freundschaft mit Daniel von Szepko, aber auch die geistige Enge am Oelser Hof entfremdeten ihn dem Luthertum. Am 12. Juni 1653 konvertierte er zum Katholizismus; 1661 wurde er zum Priester geweiht. Jahrelang kämpfte er mit  55 Streitschriften gegen die lutherische  Kirche. Diese Polemik hat sein dichterisches Schaffen überdeckt und zerstört. Verbittert und einsam zog er sich 1671 in das Kloster St. Matthias in Breslau zurück.

Titelholzschnitt

In seinem Erstlingswerk, den "Geistreichen Sinn- und Schlußreimen" (Breslau 1657, 1675 als "Cherubinischer Wandersmann"), erweist sich Angelus Silesius als barocker Nachfolger der schlesischen Mystiker und Spiritualisten. Das Werk enthält zweizeilige Alexandrinerdistischen, die um das Verhältnis der Seele zu Gott und Christus kreisen, um ihren Widerspruch  und seiner Aufhebung in der Wiederholung der Heilstaten Christi in unserem Inneren.

Das zweite Hauptwerk, die "Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder der in ihrem Jesum verliebten Psyche" (Breslau 1675,  1668), vereinigte 205 Gedichte, die im Gegensatz zu der ersten Sammlung zur Erlebnisdichtung tendieren. Hier befähigt die Stärke des religiösen Anliegens das Ich erstmalig zur unmittelbaren Aussage. Die Textgestalt von paarreimenden Vierzeilern bis zu den kunstvollsten Strophen variiert einen Grundgedanken, nämlich die Liebe der Seele zu ihrem Heiland, ihre Sehnsucht und Erfülltheit. Angelus Silesius knüpft an das "Hohe Lied" an, in dem die allegorische Deutung der Liebe zwischen Seele, der Braut, und Christus, dem Bräutigam, bis zur mystischen Vereinigung beschrieben wird.

Der fürstbischöfliche Breslauer Musiker Georg Joseph hat von den 205 Gedichten der "Heiligen Seelenlust" 184 mit Melodien und einem Baß versehen. Es sind keine Gemeindelieder, sondern eher Sologesänge für die  Hausandacht. Sie haben zur Verbreitung der Lieder, auch bei den Protestanten, wesentlich beigetragen. Diese geistliche Lyrik hat  die konfessionellen Grenzen in Deutschland schnell übersprungen  und schon früh in den evangelischen Gesangbüchern Aufnahme gefunden, wenn auch die Melodien von Joseph dabei meist durch andere ersetzt  wurden. Johann Anastasius Freylinghausen übernahm 1704 30 Lieder, Nikolaus Ludwig Graf von Zinsendorf 1725 51, 1727 dann 79 Lieder. Gemeinsamer Besitz beider Konfessionen sind noch heute die Kirchenlieder "Ich will dich lieben, meine  Stärke" und "Mir nach, spricht Christus, unser Held". Zahlreiche Sprüche des "Cherubinischen Wandersmann" sind im 20. Jahrhundert motettisch vertont worden.

 Lothar Hoffmann-Erbrecht

Ausgaben

Sämtliche poetischen Werke. Die Geschichte seiner Werke. Urkunden, hrsg. von H. L. Held, 3 Bde, München 1922, revidiert 1952.

 

Literatur

G. Ellinger, Angelus Silesius, ein Lebensbild, Breslau 1927.  

H. Bornkamm, Angelus Silesius, in: Religion in Geschichte und Gegenwart. Tübingen 1957-1965, S. 373.

J. Sammons, Angelus Silesius, New York 1967.

A. Büchner, Das Kirchenlied in Schlesien und der Oberlausitz, Düsseldorf 1971, 155 ff. (Das evangelische Schlesien VI/1).

W. Böhme (Hrsg.), Christus in mystischen Strömungen von Angelus Silesius bis Tersteegen, Karlsruhe 1980.

G. Wehr, Profile christlicher Spiritualität, Schaffhausen 1982.

H.-J. Pagel, Angelus Silesius. Dichter der christlichen Gemeinde, Stuttgart 1985.

Chr.-E. Schott, Artikel  "Angelus Silesius" in : Schlesisches Musiklexikon, Augsburg 2001, S. 10.

 

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