J.C.Günther

 

Porträt

 

 

Johann Christian Günther, * 8. April 1695 in Striegau, † 15. März 1723 in Jena. Nach Hausunterricht durch seinen Vater, einen vermögenslosen Arzt, wurde er 1710 in die Gnadenschule Schweidnitz aufgenommen. Von seinen Lehrern gefördert, schrieb er dort erste Gelegenheitsgedichte und Liebeslieder. Sein Verhältnis mit  der sechs Jahre älteren Eleonore Jachmann, der er zahlreiche Liebeslieder und Versbriefe widmete, und die  freie Sprache seiner Gedichte führten schon bald zu bis zur  Verleumdung reichenden Kritik, die ihn sein ganzes Leben begleiten  sollte. Ende 1715 nahm er in Wittenberg ein Medizinstudium  auf, wurde dort 1716 zum Poeta laureatus gekrönt. Schulden und sogar Gefängnishaft verfolgten ihn, bis er 1717 in das liberale Leipzig floh, wo er sich durch Gelegenheitsgedichte durchs Leben schlug und vergeblich nach Mäzenen suchte.

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Nachdem er alle Hoffnungen auf eine Anstellung aufgegeben hatte, zog er sich 1719 nach Schlesien zurück, scheiterte hier aber, als er sich als Arzt niederlassen wollte. Seine kranke, verleumdete und verelendete Existenz schlug sich in zahlreichen Klage- und Bittliedern nieder. 1722 begab er sich nach Jena, um sein Medizinstudium abzuschließen, starb aber wenige Monate später an Tuberkulose.

Als Dichter steht er singulär zwischen Spätbarock und Frühaufklärung. Er gilt als früher Vertreter der Erlebnis- und  Bekenntnislyrik, die ihm zu Lebzeiten den Ruf der Amoralität eintrug. Nach Günthers frühem Tode wurden 500 seiner insgesamt etwa 600 Gedichte so wie sein Drama "Die von Theodosio bereute Eifersucht" in Aufrecht-erhaltung der großen schlesischen Dichtungstradition des 16. Jahrhunderts gedruckt; dann aber strafte man ihn 150 Jahre durch Mißachtung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde seine frühsubjektivistische Lyrik wieder-entdeckt.

Zahlreiche seiner Lieder wurden schon seit 1736 vertont, u. a. von Telemann und Leopold Mozart. Im 20. Jahr-hundert wurden etwa 90 Gedichte von ihm durch zahlreiche schlesische Komponisten, aber auch von Heinrich Sutermeister, Ernst Krenek und Arnim Knab vertont.    
                                                                                    
Lothar Hoffmann-Erbrecht

 

Ausgaben

Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, hrsg. von W. Krämer, 4 Bde., Neudruck Darmstadt 1964.

 

 

Literatur

H. Dahlke, Johann Christian Günther. Seine dichterische Entwicklung, Berlin 1960.
W. Krämer, Das Leben des schlesischen Dichters J. C. Günther, 1695-1723, Stuttgart 2/1980.

 

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