Jakob Böhme

Portrait

Das Leben des Schuhmachermeisters Böhme verlief zunächst in den üblichen bürgerlichen Bahnen des ausgehenden 16. Jahrhunderts: Nach Lehre, Gesellenzeit und bestandener Meisterprüfung heiratete er die Tochter eines Handwerkes und kaufte ein Haus. Bis 1606 wurden ihm vier Söhne geboren. 1606 und 1612 hatte er Erleuchtungen. Aufgrund seines ersten Werkes "Morgenröthe im Aufgang" (1612) geriet Böhme - in der orthodox-lutherischen Stadt Görlitz - in den Verdacht der Anhängerschaft Paracelsus und Valentin Weigel und wurde vom Görlitzer Pastor primarius Richter verfolgt.

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 Er erhielt eine Ermahnung, das Manuskript seines Werkes wurde beschlagnahmt, und er bekam schließlich Schreibverbot. 1613 wandte sich Böhme von der Schuhmacherei ab und dem Garn- und Lederhandel zu, der ihm eine gewisse Unabhängigkeit sicherte.

Immer wieder fand er Förderer und Gönner, so wahrscheinlich neben anderen den Görlitzer Bürgermeister und Humanisten Bartholomäus Scultetus, der mit Tycho Brahe und Kepler in Kontakt stand. Böhme gab in seiner Hauptschaffenszeit um 1620 sein Geschäft weitgehend auf und lebte vor allem seiner Berufung. In dieser Zeit entstanden seine beiden Hauptwerke "Von der Menschwerdung Christi" und "Sechs theosophische Punckte" (beide 1620). Eine Einladung an den Dresdner Hof brachte keine Verbesserung der Situation Böhmes, die nach wie vor durch die Auseinandersetzung mit Richter geprägt war. Auf dem Rückweg von Dresden nach Görlitz erkrankte er schwer und starb dort.

Seine einzige zu Lebzeiten gedruckte Schrift "Der Weg zu Christo" (1624) ging auf den Schlesier Hans Siegismund von Schweinichen zurück, für den Böhme ein "Seelenführer" gewesen war. Böhmes eigenwillige Lehre, die sicher alchemistische und paracelsische Elemente enthält (auch wenn diese nicht genau bestimmbar sind), geht zwar von der Dreieinigkeit Gottes aus, die sich in der Natur spiegelt, enthält aber zugleich eine Bestimmung des freien menschlichen Willens. In Gott s ollen die Urgegensätze Gut und Böse wirken, was sich in der gesamten Schöpfung zeigte. Die Essenz des Seins enthüllt sich in der "Signatur", die in allen Geschaffenen sichtbar sei. Von der plastischen, wirklichkeitsbezogenen und zugleich ungemein schöpferischen Sprache Böhmes ging eine starke Faszination aus, die bis in den Pietismus wirkte. Die Romantik entdeckte Böhme neu und fand in ihm ihre Naturfrömmigkeit und ihre Vorstellung von der Totalität alles Seins vorgeprägt.            

Detlef Haberland

Ausgaben

 

 

Literatur

 

 

Horst Bienek
Jakob Böhme
Josef von Eichendorff
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Karl von Holtei
Paul Keller
August Kopisch
Heinrich Laube
Daniel Casper von Lohenstein
Martin Opitz
Angelus Silesius
Hermann Stehr
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