Gustav Freytag

Portrait

 1836-1838 finden wir ihn in Berlin, wo er bei Karl Lachmann über ein philologisches Thema promovierte. 1839 habilitierte er sich, wonach er bis 1847 Privatdozent an der Universität Breslau war. In diese Jahre fallen auch seine ersten dramatischen Werke: sie gehören wie seine Lyrik zur Frühphase seines künstlerischen Schaffens. So standen  das fünfaktige Lustspiel Die Brautfahrt oder Kunz von der Rosen (1841) , das fragmentgebliebene Der Gelehrte (1844),  Die Valentine (1846) und  Graf Waldemar  (1847). Im Gelehrten wird die Zeitung gebraucht, um Einfluß auf das Volk zu gewinnen und gesellschaftliche Mißstände anzuprangern.

 

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In Freytags bekanntestem Stück Die Journalisten (1852) ist diese Heftigkeit für eine bestimmte politische Richtung ebenfalls anzutreffen. Entstanden sind  Die Journalisten in den ersten Jahren von Freytags Tätigkeit als Redakteur der Grenzboten,deren Schriftleitung er am 1. Juli 1848 zusammen mit Julian Schmidt übernahm.

Mit Freytag und Schmidt wurde ein anderer Kurs eingeschlagen. Seit der Gründung 1841 durch Kuranda war fast ausschließlich das junge Österreich mit Beiträgen gegen das Metternichsche System zu Worte gekommen. Unter Freytags hieß das Programm: ,Einigung Deutschlands unter preußischer Führung und Ausschluß Österreichs mit seinen slawischen und madjarischen Bestandteilen, und gleichzeitig Betonung der liberalen Forderungen im konstitutionellen Sinne, auf literarischem Gebiete: mäßiger Realismus und Ablehnung alles Ungesunden und Unnatürlichen der abwelkenden Romantik und des jungen Deutschland. Das Pressewesenstand zur Zeit der Abfassung der Journalisten noch in den Kinderschuhen. Die Pressefreiheit, eine der wenigen Errungenschaften der Revolution von 1848, löste eine Menge von Zeitungsgründungen aus. Die Zeitung tritt in diesem erfolgreichsten Freytagschen Lustspiel als politisches Werkzeug auf und macht auf humorvolle Weise den  Berufsstand der Journalisten zur Hauptperson.

1859 entstand Freytags letztes Stück Die Fabier, das zwar von seinem schlesischen Landmann Rudolf Haym gelobt wurde, jedoch wenig Beachtung fand. Inzwischen war Freytag  mit dem dreibändigen Roman Soll und Haben (1855) hervorgetreten, der zu einem der meistgelesenen Romane des 19. Jahrhunderts werden sollte. Breslauer Erlebnisse und Bekanntschaften, so die Handelsfamilie Molinari, die als Schröter im Werk vorkommt, sind in diesem Entwicklungsroman anzutreffen. Unter dem Motto Julian Schmidts, das deutsche Volk in seiner Tüchtigkeit, nämlich bei seiner Arbeit darzustellen, wurde das Werk zum  Inbegriff des aufstrebenden Bürgertums.

 Autograph

Kulturhistorische Skizzen aus den Grenzboten wurden verarbeitet in dem fünf bändigen Geschichtswerk Bilder der deutschen Vergangenheit (1859-1867), das die Kulturgeschichte des deutschen Volkes  von der germanischen Frühgeschichte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts detailreich und einfühlsam darstellte. Freytag  vollendete während der  Arbeit an diesem Werk  sein dramatisches Lehrbuch Die Technik des Dramas (1863), das noch in unserer Zeit neuaufgelegt wurde (1992: reprografischer Nachdruck bei der WBG !) und Dramaturgen und Bühnenschriftsteller zum Vorbild diente,  jedoch auch als ,Gebrauchsanweisung der äußeren Mittel zum Dramenschreiben' (Artur Kutscher) angegriffen wurde. ,Der Ruhm, nicht nur im Lustspiel, sondern auch in einer Dramaturgie ein zweiter Lessing zu sein, blieb ihm versagt'. (Arno Lubos)

Politisch verfocht Freytag  das Ideal sein Publikum zu liberalen und deutsch-nationalen Staatsbürgern zu erziehen, so daß es kaum Zufall sein kann, daß er freundschaftliche Beziehungen zu Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha knüpfte, der als Nationalliberal hervortrat. In der Nähe von Gotha hatte Freytag ein Landgut, das er seit 1851 häufig bewohnte. 1870/71 ist er als Berichterstatter  des preußischen Kronprinzen im deutsch-französischen Krieg. Die Eindrücke dieses Frankreichfeldzuges hat er 1889 niedergelegt in Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone. Seine letzte Schrift war die 1893  für den ,Central  Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens' geschriebene  Betrachtung  Ueber den Antisemitismus, in der  er offen Stellung nahm gegen den rassistischen Antisemitismus.

Buchumschlag

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Freytag  in Wiesbaden. Als er 1895 starb, beklagte man ihn als einen der größten Dichter der nachgoethischen Zeit; heute ist er vor allem noch bekannt durch den Roman  Soll und Haben  und  das Lehrbuch  Die Technik des Dramas;  seine Stücke werden  nur noch sehr  selten gespielt.

Henk J. Koning

 

Ausgaben:

 Gesammelte Werke. Leipzig 1886-1888. 22 Bde.

 

 

Literatur:

Henk J. Koning: Gustav Freytags Stücke. Überlegungen zur Frühphase seines künstlerischen Schaffens. In: JSFUB. Bd. 38/39. 1997/98, S. 725-737.

Eda Sagarra: Jewish Emancipation and the Stereotyping of the Jew in Gustav Freytags Novel "Soll und Haben" (1855). In: Tom Dunne (Hg.): The writer and history. Cork 1987, S. 160-176.

 


 

Gustav Freytag, Stahlstich
Aus: C. Alberti: Gustav Freytag, Leipzig o. J., Frontispiz

 

Horst Bienek
Jakob Böhme
Josef von Eichendorff
Gustav Freytag
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