Andreas Gryphius

Portrait

 

Philosoph - Dichter - Jurist - Politiker

1616: Am 2. Oktober als Sohn des lutherischen Archidiakons Paul Gryphius in Glogau geboren. als er fünf Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Als er elf Jahre als ist, heiratet seine Mutter den Pastor Michael Eder. Schulbesuche in Glogau, Görlitz und noch einmal in Glogau.

 

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1632 - 34: Besuch des Gymnasiums in Fraustadt, wohin seine Mutter und sein Stiefvater wie auch Glogauer Lehrer geflüchtet waren (30jähriger Krieg, Gegenreformation).

1634 - 36: Besuch des Akademischen Gymnasiums in Danzig.

1636 - 38: Gryphius lebt als gekrönter Dichter auf dem Gut Georgs von Schönborn bei Freystadt in Niederschlesien

1637: Im Dezember stirbt Georg von Schönborn.

1638: Gryphius begleitet die Söhne Schönborns an die Universität Leiden in den Niederlanden, die in Philosophie und Naturwissenschaften fortschrittlichste Universität der Zeit. Gryphius bleibt sechs Jahre in Leiden, setzt dort  seine Studien fort, hält aber auch bereits selbst Vorlesungen als lesender Magister über philosophische und naturwissenschaftliche Gegenstände. In Leiden hat er auch Umgang mit seinem Landsmann Christian Hoffmann von Hofmannswaldau aus Breslau, der ebenfalls seit 1638 in Leiden studiert und später Ratspräsident in Breslau geworden ist.

1644: Gryphius begibt sich auf eine mehrjährige Reise durch Frankreich und Italien. Die Stationen sind Marseille, Florenz, Rom, wiederum Florenz, Bologna, Venedig und schließlich Straßburg.

1646/47: Aufenthalt in Straßburg, wo er sein Trauerspiel "Leo Arminius", das erste deutsche Kunstdrama, schreibt.

1647: Im Herbst trifft Gryphius bei seinem Stiefvater Eder in Fraustadt ein (Seereise von Amsterdam nach Stettin).

1650: Gryphius übernimmt das Amt eines Syndikus der Stände des Fürstentums Glogau, nachdem er Rufe an die Universitäten Heidelberg, Frankfurt/Oder und Uppsala abgelehnt hatte.

Buchumschlag

1652: Es erscheinen die "Privilegia Glogoviensia", eine Sammlung der Rechte des Fürstentums Glogau gegenüber allen übergeordneten Territorialherren.

1664: Am 16. Juli stirbt Gryphius in einer Ständeversammlung in Glogau in Ausübung seines Amtes.

Gryphius war, wie fast alle großen Schlesier der Zeit, ein Weltmann sowohl nach seinem Bildungsgang als auch nach seinen Wirkungskreisen. Die schlesische Situation ist im 17. Jahrhundert einmalig in der Welt. Die mehrheitlich lutherische Bevölkerung lebt unter einem katholischen Herrscherhaus und läßt im 17. Jahrhundert ihre begabten Söhne im kalvinistischen Leiden studieren. Mehr konnte das Schicksal für die Schlesier, die über Mittel zum Studium in Leiden verfügten (Opitz, Scheffler, genannt Angelus Silesius, er auch in Straßburg und Padua studierte, wo er Doktor der Medizin und der Philosophie wurde, Gryphius, Hofmannswaldau, Lohenstein) nicht tun, um ihnen die Verwirklichung der Ideale des Barockzeitalters zu ermöglichen. Gelehrsamkeit, welterfahrene Lebensfülle und zuchtvoll gestaltete Sprache gehen in die Lyrik des Gryphius ebenso ein wie in seine Dramen. Unter seinen Lustspielen ist "Die geliebte Dornrose" das erste Schauspiel in schlesischer Mundart.

Titelei
Andreas Gryphius

Gryphius hat als Syndikus der Stände im Fürstentum Glogau die Freiheit des Glaubens verteidigt, in dem er die staatsrechtlichen Grundlagen dafür gesammelt, ediert und in Wien zur Geltung gebacht hat. Seine Dichtung ist eine prägnante Beschreibung der Unterdrückung der Menschenrechte, eine Ermutigung zu tapferem Widerstehen gegenüber unmoralischen Befehlen der Obrigkeit und ein starker Trost für den in der Welt Unterliegenden durch das Vertrauen auf die Zusage ewigen Heils. Mit seinem Papinian("Großmütiger Rechtsgelehrter oder Sterbender Aemilius Paulus Papinianus"), dem Trauerspiel vom Leben und Sterben des unbeugsamen Rechtsgelehrten im Rom Kaiser Caracallas, hat der stoische weltweise Gryphius dem Vorzug der Menschenwürde vor jeglichem Lebensglück ein unumstößliches Denkmal gesetzt. Wie Papinian in der Nachfolge von Sokrates und Seneca stand, so hat Gryphius sich zur Wahrung menschlicher Freiheit und Würde unter Hintansetzung ungestörten akademischen Wirkens dem Kampf für Recht und Glaubensfreiheit im Fürstentum Glogau aufopfernd gewidmet.
                                                      

Eberhard G. Schulz

 

 

 

Ausgaben:


 

 

Literatur:

 

 

Horst Bienek
Jakob Böhme
Josef von Eichendorff
Gustav Freytag
Andreas Gryphius
J.C.Günther
Gerhart Hauptmann
Max Hermann-Neiße
C. Hoffmann von Hoffmanswaldau
Karl von Holtei
Paul Keller
August Kopisch
Heinrich Laube
Daniel Casper von Lohenstein
Martin Opitz
Angelus Silesius
Hermann Stehr
Moritz Graf Strachwitz