August Kopisch

August Kopisch
Portrait August Kopisch

 

Der aus einer patrizischen Kaufmannsfamilie stammende August Kopisch verließ vorzeitig das Breslauer Magdalenen-Gymnasium, um von 1815 bis 1824 in Prag, Wien und Dresden Kunst zu studieren. Vom akademischen Lehrbetrieb eingeengt, wandte sich Kopisch verstärkt seiner zweiten Begabung, dem literarischen Schreiben, zu, wobei er – von der Romantik bestimmt – zunächst Sagenstoffe und Volkslieder sammelte und bearbeitete. Eine zugezogene Handverletzung, die ihn beim Malen behinderte, führte 1824 zu einem fünfjährigen Genesungsaufenthalt in Italien, zunächst nach Rom, dann in den Süden.

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Hier empfing er Eindrücke des klassischen Altertums und der süditalienischen Mentalität, die er literarisch verarbeitete. 1826 entdeckte er mit Ernst Fries die Blaue Grotte auf Capri, 1827 bestieg er den Ätna. Im selben Jahr begegnete er dem Dichter August Graf von Platen, dem er freundschaftlich verbunden war. 1829 kehrte Kopisch in seine Heimatstadt zurück, wo er aktiv am Leben des „Breslauer Künstlervereins“ um Joseph von Eichendorff, Carl von Holtei, August Hoffmann von Fallersleben teilnahm. Vom preußischen Kronprinzen, den er in Neapel kennen gelernt hatte, wurde Kopisch 1833 in das Hofmarschallamt in Berlin berufen, und auch in der Berliner „Literarischen Abendgesellschaft“ war er ein geschätzter Rezitator und Gelegenheitsdichter.

Den Winter 1837/38 verbrachte er nochmals in Italien. Vom nunmehrigen König Friedrich Wilhelm IV. erhielt Kopisch 1840 den Auftrag, die Geschichte der Königlichen Schlösser und Gärten bei Potsdam zu schreiben,  weshalb er 1847 nach Potsdam zog. Das Werk war Anfang 1853 fertiggestellt, erschien aber erst im folgenden Jahr und damit nach dem plötzlichen Tod Kopischs.

 

Titelblatt Heinzelmännchen
Titelblatt Heinzelmännchen

 


Kopisch schrieb Lyrik und Prosa, meist kurze Stücke. Seine Tendenz zur Kleinform war „vor allem bestimmt durch seinen sprunghaften Geist allseitiger Auffassungsbereitschaft“ (M. Zenker), zu Tiefgründigkeit neigte er nicht. Im lyrischen Bereich verfaßte er Gelegenheitsgedichte, Festgesänge, Lieder und Oden zu Themen wie ’Schmerz und Ernst’, ’Liebesfreud und Liebesleid’, ’Weinseeligkeit’, in seinen übrigen Gedichten knüpfte er vor allem an Sagen, Märchen und Schwänke an. Diese Gedichte zeichnen sich häufig durch das Melodische und Lautmalerische ihrer Sprache aus, weshalb einige vertont wurden, wie etwa das in Rom entstandene Trinklied „Historie von Noah“ oder das auf einer nordischen Sage beruhende Gedicht „Der Nöck“. Andere Naturgeister, Kobolde, Elfen und Zwerge sind Akteure in der Balladensammlung „Allerlei Geister“ (Berlin 1848) und in den „Heinzelmännchen zu Köln“, die am ehesten den Namen des Dichters August Kopisch im Bewußtsein halten.

Im Bereich der Prosa dominieren bei Kopisch romantische Sehnsucht und Italiensehnsucht. Er übersetzte Dantes „Göttliche Komödie“ (Berlin 1843), sammelte anonymes italienisches Volksgut in „Agrumi“ (Berlin 1837), beschrieb in einem Brief an seine Mutter die „Besteigung des Aetna“ (Breslau 1832). Auf seinen Süditalienaufenthalt geht auch die Novelle „Ein Carnevalsfest auf Ischia“ (Berlin 1856) zurück. Nicht bühnenreif blieben seine Dramatisierung des zweiten Teils der Nibelungen unter dem Titel „Crimhild“ (Berlin 1856) und das im Morgenland spielende Trauerstück „Walid“ (Berlin 1856). Am vollendetsten vereinen sich die romantische Suche nach der blauen Wunderblume und die Italiensehnsucht in der Entdeckung der antiken Blauen Grotte, der ’Grotta azzurra’, auf Capri, noch heute eine Touristenattraktion. Kopischs Beschreibung dieser Entdeckung im Konflikt zwischen Einheimischen und Fremden, Aberglauben und Rationalismus, Scherz und Ernst gilt für manchen Literaturhistoriker heute als Endpunkt der Romantik. Sie kennzeichnet Kopisch als Spätromantiker vor klassizistischem Hintergrund mit einem Anflug von poetischem Realismus.

Ulrich Schmilewski

 

Ausgaben:

Gesammelte Werke. Hgg. v. Carl Boetticher. 5 Bde. Berlin 1856.

Die göttliche Komödie des Dante Alighieri. Übersetzt von A. Kopisch. Berlin 1842.

Entdeckung der Blauen Grotte auf der Insel Capri. Hgg. v. Dieter Richter. Berlin 1997.

Die Heinzelmännchen zu Köln. Illustriert v. Rolf Köhler, Nachwort von Heinrich Pleticha (Insel-Taschenbuch 2025). Frankfurt a.M. 1989.

 

Literatur:

Klaus Günther Just: August Kopisch, in: Schlesien 12, 1967, S. 17-30.

Klaus Günther Just: Kopisch als Dichter, in: Schlesien 12, 1967, S. 87-102.

Ernst Scheyer: August Kopisch, in: Schlesische Lebensbilder. Bd. 4. 2. Aufl., Sigmaringen 1985, S. 310-324.

 

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