Paul Keller

Portrait
Paul Keller ca. 1930
Aus: H. Wentzig: Paul Keller, München 1954, nach S. 28

 

"Ein freundliches, liebes Haus hat bunte Zauberfenster. Ewig malt sich durch sie die Welt draußen goldig und schön ..."

Ein kleiner Satz nur, herausgenommen aus einem Roman mit dem schlichten, aber großen Wort als Titel. Er heißt "Die Heimat" und ist ein Werk des schlesischen Schriftstellers Paul Keller. Und noch ein Satz daraus, um den Autor zu kennzeichnen: "Sie sah ihn fragend an, und er schaute ihr ernst, aber mit tiefer Liebe in die schönen Augen und sagte langsam und mit jener leisen Feierlichkeit, mit der man eine schwer gewonnene Lebensweisheit ausspricht: Heimat ist Friede!"

 

 


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Zauberfenster - Eichendorff stand stets an der Seite von Paul Keller ("Triffst du nur das Zauberwort"), die deutsche Romantik blüht noch einmal in vielen Farben auf, und am Ende des  Romans von Paul Keller stehen gleich noch zwei Schlüsselwörter der Romantik: Heimat, Friede.

Wir sind weit entfernt davon, darüber etwas zu lächeln. Aber natürlich wissen wir, daß solch stille Romantik im literarischen Schaffen der Gegenwart kaum noch Platz findet. Der Berner Germanist Professor Alker allerdings übertrieb maßlos, als er Kellers Romane als "übersüße Konditorei-Erzeugnisse" bezeichnete. Heute schreibt niemand mehr so wie Paul Keller, das ist richtig. Aber ebenso richtig ist, daß Paul Keller heute noch, und gar nicht wenig, gelesen und geliebt wird. Die einst großartigen "Bestseller" des Schlesiers sind noch immer lebenstüchtige "Longseller". Der Breslauer Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn (heute in Würzburg) legt "Ferien vom Ich", "Waldwinter" oder "Marie Heinrich" in schöner Gestaltung erneut vor und beziffert die Gesamtauflage von Kellers Werk auf weit über fünf Millionen. Es ist in 17 Sprachen übersetzt worden. Das Geschenk von Trost und Hoffnung, von Lebensmut und antreibender Zuversicht wird immer noch vielen Lesern zuteil. Denn wer brauchte nicht zuweilen ein bißchen Hoffnung, ein bißchen Zuversicht ...

Schlesier besonders lieben ihn. Paul Keller führt ins Jugendland zurück, in die Wälder und Berge des Eulengebirges und des Waldenburger Landes, in die Gebirgsdörfer und kleinen Städte am Rande der Berge. Würzig ist die abendliche Luft und dunkel steht der Wald im Schatten der Berghänge" - eine Textstelle aus "Hubertus" weist in sein Land, in die Heimat.

 

 

Buchumschlag
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Aus: P. Keller: Von Hause, Breslau 1917

 

 

Das Geburtshaus Paul Kellers steht in Arnsdorf. Und da es in Schlesien zehn Ortschaften dieses Namens gab, muß hinzugefügt werden, daß es sich um Arnsdorf im Kreis Schweidnitz handelt. Ein ansehnliches Bauerndorf. Es hatte zuletzt etwa tausend Einwohner und liegt in der fruchtbaren Ebene vor dem Gebirge. Ein einfaches, im wesentlichen einstöckiges Haus, mit einem Giebel zur Straße hin und einem breiten Weg, der zur Haustür führt. Giebel und Tür bilden die Mittelachse - es herrscht die Ordnung einer schlichten Symmetrie. Paul Kellers Vater war  Maurer. In dem gerade in seiner Schlichtheit stolzen Haus eines Handwerkers hat Paul Keller am 6. Juli 1873 das Licht der Welt erblickt, und schon als er zum ersten Male aus dem Fenster sah, zum ersten Male vor die Tür getragen wurde, zum ersten Male im Garten spielen durfte, sah er die Waldberge des Eulengebirges. Weite Wälder, tiefe Täler mit rauschenden Flüssen, an denen Wassermühlen liegen, einsame Gehöfte, Straßenwirtshäuser, Bauerndörfer, Grubenbezirke und darüber die freundlichen Gipfel eines reich gegliederten Gebirges" - so schilderte er in der Novelle "Vergrabenes Gut" seine Heimat.

 

Der unternehmungslustige Vater begann bald nach Pauls Geburt einen Textilwarenhandel und zog mit Planwagen und Pferd in die Dörfer des Gebirges und in die Ebene hinein bis zum Zobten. Der Junge, größer geworden, durfte manches Mal mitziehen und konnte schon früh die Familien der Ansorges, der Hornriegels, der Hellmichels, die später in seinen Romanen vorkommen, beobachten und belauschen. Er sammelte die Menschen der Heimat.

 

 

Daß er hellwach war, erkannte der Arnsdorfer Schulmeister Spiske, bei dem Paul acht Jahre die einklassige Dorfschulbank drückte. Sein Weg schien vorgezeichnet. Die Lehrerpräperandie in Bad Landeck absolvierte er so erfolgreich, daß er ans Seminar nach Breslau geschickt wurde. Erfolg wiederum. Er war noch keine zwanzig, als er sei erstes Amt in Jauer im Kreise Ohlau antrat. Und sehr bald wurde er als Hilfslehrer an die Präperandie seiner alten, leiben Kreisstadt Schweidnitz geholt. 1896 bot sich die Chance, als Lehrer nach Breslau zu gehen. Nebenbei und aus Liebe zu den einfachen Menschen schrieb er kleine Geschichten aus seiner Arbeit und seinem Umkreis.

Die schlesischen Zeitungen druckten seine liebenswürdigen Sachen gern. Die Redakteure ermutigten ihn, und 1898, da war er 25 Jahre, kam sein Erstlingswerk heraus, Erzählungen unter dem Titel "Gold und Myrrhe". Schreib einen Roman, meinten die Zeitungsleute. Paul schrieb. 1902 erschien das Werk des noch nicht Dreißigjährigen, der Roman "Waldwinter". Er führte in die schlesischen Berge, zur Kynsburg im Eulengebirge - und in rascher Folge kam eine Auflage nach der anderen.

Buchumschlag
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Aus: P. Keller, Vergrabenes Gut, München 1953

 

Aus dem Lehrer war der Schriftsteller Paul Keller geworden. Der Erfolg blieb ihm treu. Fünf Millionen und kein Ende. Er blieb treu auch dem früh erkannten Grundgesetz seines Lebens und Schaffens: Heimat ist Friede!                                                                          

Wolfgang Tschechne
    

 

Ausgaben:

Paul Keller: Werke. 14 Bde. Breslau 1922-25.

Aus dem Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Würzburg lieferbare Titel von Paul Keller:

- Bergkrach. Vollständige Sammlung der Erzählungen und Gedichte von Paul Keller in schlesischer Mundart.
- Hubertus. Roman
- Marie Heinrich. Roman
- Ferien vom ich. Roman
- Der Sohn der Hagar. Roman
- Von kleinen Leuten und großen Dingen. Erzählungen
- Waldwinter. Roman
- Das Märchen von den deutschen Flüssen. Mit einem Essay des Autors „Über mich selbst“

 

Literatur:

Gustav W. Eberlein: Paul Keller, sein Leben und sein Werk. Breslau, Leipzig o.J.

Hermann Wentzig: Paul Keller. Leben und Werk. München 1954.

Wilhelm Menzel: Paul Keller — dem großen deutschen Volkserzähler zum hundertsten Geburtstage, in: Schlesien 18, 1973, S. 149-155.

Klaus Hildebrandt: Paul Keller — Ein Erfolgsautor aus Arnsdorf bei Schweidnitz, in: Werner Bein und Ulrich Schmilewski (Bearb.): Schweidnitz im Wandel der Zeiten. Würzburg 1990, S. 223-227.

 

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