Kloster Grüssau (Krzeszów)

Eingebettet in eine reizvolle Landschaft, zwischen Feldern, Wiesen und Wald, liegt unweit der Nordflanke des Riesegebirges das Kloster Grüssau (polnisch Krzeszów), leicht zu erreichen über das Städtchen Landeshut (Kamienna Góra). In der langen Perlenkette der schlesischen Kunstdenkmäler ist Grüssau eine der größten und prächtigsten. Seit 1242 Benediktinermönche dorthin kamen, ist es ein Mittelpunkt der Kunst und Kultur.

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 Aber die Benediktiner verkauften ihren Besitz 1292, und Herzog Bolko I. von Schweidnitz und Jauer berief nunmehr Zisterzienser aus Heinrichau dorthin. Das inzwischen zur selbständigen Abtei erhobene Kloster erbaute dann die erste gotische Kirche mit geradem Chorschluß und einfachem Dachreiter über der Vierung, die noch bis 1728 existierte.

 

 

Marienmünster
Gesamtansicht des Marienmünsters
Aus: D. Kudera, J. Moniatowicz: Krzeszów, Jelenia Góra 1998, S. 11

 

 

 

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges war es dem Abt infolge des umfangreichen Landbesitzes der Abtei möglich, das Kloster wieder aufzubauen. Der bedeutende Abt Bernhard Rosa (1660-1696) ließ im Jahre 1690 das inzwischen baufällig gewordene alte Andreaskirchlein der Ortsgemeinde abreißen und beauftragte den Baumeister Martin Urban aus Liebau mit der Errichtung einer Josephskirche an dieser Stelle. Der Abt hatte in Rom den Josephskult kennen gelernt und daraufhin in Grüssau eine Josephsbruderschaft gegründet, die nun diesen Bau in Besitz nahm, der zugleich der Ortsgemeinde diente. Gleichzeitig beauftragte Abt Rosa den bedeutenden, damals in Leubus lebenden deutschen Barockmaler Michael Willmann, diese Kirche auszumalen. Das ikonographische Programm hierfür hatte wohl der Abt selbst ausgearbeitet. Es bezieht sich natürlich auf den hl. Joseph, dessen Stammbaum in den Bildern der Decke ausführlich dargestellt wird. Daß sich hier Anklänge an Michelangelos Sixtinische Decke finden lassen, hängt vermutlich mit der Italienreise von Willmanns Stiefsohn Christoph Lischka zusammen, der wohl Stiche von dort mitbrachte.

 

Der einfache Bau Urbans zeigt eine Saalkirche mit eingezogenen Strebepfeilern, durch die jenseits fünf Kapellen gebildet werden, denen im Deckengewölbe Stichkappen entsprechen. In den eingezogenen, schmalen apsialgeschlossenen Chor malte Willmann die Huldigung der hl. Dreikönige. Analog den Freuden und Schmerzen Mariens werden rechts an der Epistelseite die Schmerzen, links an der Evangelienseite die Freuden des hl. Joseph dargestellt.

Auch die in Stuckrahmen stehenden Altarbilder sind al fresco auf die Wand gemalt. Die figürlichen Bilder werden durch ornamentales Rankenwerk miteinander verbunden, das durch die Restaurierung von 1938 durch Johannes Drobek wieder freigelegt wurde. So entstand hier der bedeutendste und zugleich auch größte Freskenzyklus der deutschen Malerei des 17. Jahrhunderts.

Noch während der Arbeiten Willmanns in der Josephskirche stürzten 1693 die von Urban erbauten Türme ein, und der Abt war gezwungen, die Vollendung der Fassade dem Baumeister Michael Klein aus Neisse zu übertragen, der die Fassade mit einem geschweiften Giebel abschloß. Dies war das bedeutendste Kunstwerk, dessen Fertigstellung Abt Rosa noch erlebte.

 

Orgelempore
Marienmünster, Orgelempore
Aus: D. Kudera, J. Moniatowicz: Krzeszów, Jelenia Góra 1998, S. 31

 

Bis dahin stand noch die alte gotische Marienkirche, die aber unter Abt Innozenz Fritsch 1728 abgerissen wurde. Dieser beauftragte den Grüssauer Stiftsbaumeister Joseph Anton Jentsch mit der Aufführung eines Neubaus. Der Bau orientierte sich vielleicht an Skizzen Kilian Ignaz Dientzenhofers. Der Baukörper selbst ist von außen recht einfach, die zweitürmige Fassade hingegen läßt die barocke Pracht auch nach außen hin erscheinen. Der Grundriß schwingt konkav und konvex, die Türme streben himmelwärts, und dieser aufstrebende Drang wird nur durch die Gesimse unterbrochen. Ein Hauptschmuck der Fassade sind aber die künstlerisch hervorragenden Skulpturen von den Prager Bildhauern Maximilian Brockhoff und Anton Dorasil.

Tritt man aber durch das verhältnismäßig kleine Hauptportal in den Innenraum der Kirche ein, so öffnet sich hier die Fülle barocker Pracht. Den Hauptraum begleiten jenseits vier Kapellen, und dann folgt ein Querhaus, hier ungewöhnlich und vielleicht noch auf den alten gotischen Bau zurückgehend. Aber eine Vierungskuppel vermißt man. Die Innenraumgestaltung wird in erster Linie bestimmt durch die al fresco-Ausmalung durch Georg Wilhelm Neunhertz von 1734 bis 1737, dem Enkelsohn Michael Willmanns. Auf der Westempore befindet sich die prächtige Orgel des berühmten schlesischen Orgelbaumeisters Michael Engler, die als einzige seiner Werke die Zeiten überdauert hat. An den Chor der Kirche schließt sich die 1738 entstandene Fürstengruft an, die als Grablege für die ursprünglich in der alten Kirche bestatteten Herzöge Bolko I. von Schweidnitz und Jauer, seinen Sohn Bolko II. und dessen Sohn Boleslaus erbaut wurde. Der Innenraum mit seiner vom Spätbarock bis zum Rokoko reichenden Ausstattung wird von zwei Kuppeln überwölbt, die auch von Neuhertz ausgemalt wurden. Das ganze Bauensemble mit dem heute von Linden bestandenen Vorplatz wird durch das monumentale Konventsgebäude aus dem 18. Jahrhundert abgeschlossen.

Bis zur Säkularisation 1810 war Grüssau ein Zisterzienserkloster, erst 1919 konnten wieder Benediktinermönche in Grüssau einziehen. 1924 wurde es zur Abtei erhoben und blieb es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Aus politischen Gründen wurden die Mönche vertrieben und nur drei Patres, zwei Österreicher und der Italiener Nikolaus von Lutterotti, der Kunsthistoriker des Klosters, konnten noch bis 1947 bleiben. Dem Letzteren gelang es, das Kloster polnischen Benediktinerinnen zu übergeben, die aus Lemberg kamen und es heute noch betreuen.

Hubertus und Ursula Lossow

 

Literatur

Ambrosius Rose: Grüssauer Gedenkbuch. (Die Dominsel, Bd. 2) Stuttgart 1949.

Nikolaus von Lutterotti: Vom unbekannten Grüssau. Altgrüssauer Klostergeschichten. Wolfenbüttel 3. Aufl., 1962.

Ambrosius Rose: Kloster Grüssau. Stuttgart, Aalen 1974.

Ambrosius Rose: Professbuch von Grüssau. Leben und Wirken der Zisterzienser 1292-1819. Köln 1990.

Dorota Kudera: Kloster Grüssau. Dülmen 1995.

Dorota Kudera, Janusz Moniatowicz: Krzeszów. Křešov. Grüssau. Jelenia Góra 1998.

Hubertus Lossow: Michael Willmann  (1630-1706). Meister der Barockmalerei. Würzburg 1994.

Michael Willmann (1630-1706). Katalog wystawy [Ausstellungskatalog]. Salzburg 1994.

Andrzej Koziel: Rysunki Michaela Willmanna [Die Zeichnungen Michael Willmanns]. (Acta Universitatis Wratislaviensis  No. 2212; Historia Sztuki 14) Wroclaw 2000.

 

Mehr über Grüssau

Grüssau - Bad Wimpfen

www.abtei-gruessau.euexterner Link

 

LITERATURHINWEIS
Kloster Grüssau (Krzeszów)
Friedenskirche zu Schweidnitz (Świdnica)
St. Jakobuskirche zu Neisse (Nysa)
Breslauer Dom
Christophori
Hirschberg
Friedenskirche Jauer
Kloster Heinrichau
Kloster Leubus
Peter und Paul
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