Schlesien in Polen 990-1202

"Für die politische Geschichte hält man sich am besten an das relativ Dauerhafte und übergeht damit einen kurzlebigen Wislanen-"Staat" um 900 an der oberen Weichsel, im späteren Kleinpolen. So erscheint Miesko I. (960 - um 992), ein Zeitgenosse der Kaiser Otto I., Otto II. und Otto III., im Gebiet der Polanen - und bereits Kujawien und Masowien mitbeherrschend - erstmals als Haupt eines Gemeinwesens von Rang im Licht der Historie."
Peter Moraw, Das Mittelalter (bis 1469), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 49

"Damit tritt diese Anfangssituation deutlich später auf als in Böhmen. Mieskos Herrschaftsgebiet hatte noch keinen greifbaren Namen. Erst im 11. Jahrhundert wird der Name Polens erwähnt, und zwar bei deutschen Geschichtsschreibern, also als Fremdbezeichung."
Moraw, aaO., S. 49

"Der Sohn Mieskos, Boleslaus der Kühne (992-1025), von dem an man den Nachweis der dynastischen Kontinuität der neuen Dynastie der Piasten als erbracht ansehen kann, schritt auf der gleichen Bahn nicht minder erfolgreich voran. Er vermochte sich wenigstens zeitweise für eine kaiserfreundliche Politik zu entscheiden (...). Im Jahr 1000 gelang ihm infolge der Zuneigung Kaiser Ottos III., der persönlich nach Gnesen gekommen war, eine beträchtliche, königsartige Aufwertung seiner Person."
Moraw. aaO., S. 53

 

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Grabplatte des Herzogs Boleslaus I., des Schwiegervaters der hl. Hedwig, in der Klosterkirche von Leubus
Aus: J. Gottschalk: Hedwig von Andechs - Herzogin von Schlesien, Freiburg/ Br. 1982, S. 28

 "Das erste etwas ausführlichere Schriftzeugnis über den späteren schlesischen Raum stammt von dem sogenannten Bayerischen Geographen, vermutlich einem Mönch des Regensburger Klosters St. Emmeram aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Demnach waren damals an der Oder vier slawische Stämme oder Völker ansässig, zu denen später noch zwei weitere hinzutraten: Von Norden nach Süden die Dedosizen an der mittleren Oder, die Boboranen am Bober, die Trebowanen östlich davon an der Oder, die Slensanen mitten in Schlesien um das spätere Breslau, die Opolanen im nördlichen und die Golensizen im südlichen Oberschlesien sowie iin Österreich-Schlesien (...). Von den überlegenen (oder schon zentral wohnenden?) Slensanen rührt der Name "Schlesien" her, der sich ähnlich wie im Falle Polens nach und nach auf das ganze Land ausgedehnt hat. Dies war wohl um die Mitte des 12. Jahrhunderts oder im 13. Jahrhundert abgeschlossen."
Moraw, aaO., S. 56f

"Wirkungsvoll im Sinn (...) der kommenden schlesischen Geschichte war erst die Auseinandersetzung zwischen den Premysliden aus Böhmen und Mähren und den Piasten aus Großpolen. Dabei hatten gemäß der europäischen Entwicklungsgeschichte die weiter westlich sitzenden Premysliden einen Vorsprung. Bevor die Herrschaft Mieskos (... ) ins Leben getreten war, hat Herzog Wratislaus I. von Böhmen (etwa 905-921) die Slawen an der Oder in ein Gebilde mit langer Zukunft, in sein Premyslidenreich, einbezogen, wie bald darauf sein Sohn Boleslaus I. (935-967) noch dazu das spätere Kleinpolen. Es spricht manches dafür, dass Breslau durch Wratislaus, das jedenfalls diesen seinen Namen trägt, als Burganlage gegründet worden ist. Ebenso scheint Boleslaus durch Bunzlau bezeugt".
Moraw, aaO., S. 58

 


"Boleslaus I., der Lange (1163-1201), und Miesko (1163-1121) teilten Schlesien, jener zuerst offenbar auch im Namen des für eine geistliche Karriere bestimmten und daher in Fulda zurückbleibenden, bald auch verstorbenen Bruders Konrad. Die Teilung fiel zugunsten des Erstgenannten aus. Für Miesko verblieb nur das Gebiet um Ratibor und Teschen. Erst nach dem Tod des Älteren erweiterte er seine Herrschaft gewaltsam um Oppeln und das Umland. Da nicht viel später, nämlich 1220, das Erbrecht zwischen beiden Linien vertraglich ausgeschlossen wurde, war die kommende politische Zweiteilung Schlesiens fixiert."
Moraw, aaO, S. 62