Nebenland der Krone Böhmens 1327/39 - 1526

"Das Haus Luxemburg, das Schlesien erwarb, war innerhalb der Trias der Stärksten, im Vergleich zu Habsburgern und Wittelsbachern, die modernste, städtefreundlichste und im höchsten Maß international erfahrene Dynastie (...). Kaiser Karl IV. (1346/47-1378), gilt als die bedeutendste Herrschergestalt des deutschen Spätmittelalters (...)".
Peter Moraw, Das Mittelalter (bis 1469), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 143

"In einem feierlichen Rechtsakt hatte Karl IV. im Jahr 1348 die schlesischen Lehnsherzogtümer, und was ihm als unmittelbar beherrschtes Land in Schlesien zustand, samt allen anderen Nebenländern der Krone Böhmen inkorporiert. Dies war die Rechtsform, die auch für die neuzeitliche Zukunft bis in das 18. Jahrhundert Bestand hatte."
Moraw, aaO., S. 144

"Angesichts dieser geographischen Lage und des erst so kurze Zeit zurückliegenden Erwerbs des Landes ist es erstaunlich, welch bedeutende Rolle Schlesien für den Reiseweg des Hofes Karls IV. und noch mehr, welche Rolle schlesische Amtsträger am Kaiserhof gespielt haben."
Moraw, aaO., S. 144

 

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Karl IV. und Anna von Schweidnitz, Karlstein, Wandbild in der Katharinenkapelle ( um 1357)
Aus: W. Irgang, W. Bein, H. Neubach: Schlesien, 2. korr. Aufl., Köln 1998, S. 49

 

"An erster Stelle der Schlesier am Hofe ist gemäß der sozialen Hierarchie Karls dritte Gemahlin Anna von Schweidnitz und Jauer zu nennen, die im Mai 1353 gut drei Monate nach dem Tod Annas von der Pfalz als Vierzehnjährige geheiratet wurde und neun Jahre später im Kindbett verstarb. Sie wurde 1361 Mutter des heißersehnten Thronfolgers Wenzel."
Moraw, aaO., S. 145

"Das 15. Jahrhundert war tatsächlich, und zwar im politischen Bereich in erster Linie infolge auswärtigen Einwirkens, in der Geschichte Schlesiens eine dunkle Zeit. Man wird (...) drei Abschnitte unterscheiden, die sich nach dem Schicksal Böhmens richten: die letzten Jahre König Wenzels bis 1419, die Hussitenzeit bis 1435 und die Generation der dynastischen Ungewißheit nach dem Ende des Hauses Luxemburg."
Moraw, aaO., S. 151

 

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Ansicht von Breslau, Holzschnitt aus der Weltchronik von Hartmann Schedel, Nürnberg 1493
Aus: W. Irgang, W. Bein, H. Neubach: Schlesien, 2. korr. Aufl., Köln 1998, S. 79

 

"Im Jahr 1448 riß Georg von Podiebrad aus hohem böhmischen Adel, aber ohne jede großdynastische Legitimation, gestürzt nur auf seine Standesgenossen, in Prag die Macht an sich, bald als Landesverweser (1452), zuletzt als König (1458-1471) (...). Gegenüber der habsburgisch-böhmischen Partei erhoben König Wladislaus III. von Polen (1434-1444) und für ihn und nach ihm sein Bruder Kasimir (König 1447-1492) Ansprüche auf den böhmischen Thron (...). Im Jahr 1469 ließ sich König Mathias Corvinus von Ungarn von der katholischen Partei in Olmütz zum König von Böhmen wählen. Er errang sehr rasch die Herrschaft in den Nebenländern, auch in Schlesien, und ging angesichts der ständigen böhmischen Gefahr daran, die schlesische Staatlichkeit zu festigen"
Moraw, aaO., S. 154f