Habsburg, Böhmen und das Reich 1526-1618

"Als der zwanzigjährige König Ludwig II. von Ungarn 1526 ein Opfer des Türkenkrieges wurde und die Kronen Ungarns und Böhmens ohne Erben hinterließ, kamen die politischen Gewichte Europas noch einmal ins Gleiten. Für die "felix Austria" war der nun greifbare Gewinn Ungarns und Böhmens der letzte Haupttreffer in einer atemberaubenden Erfolgsserie (...). Das Unglück Ungarns wurde die Geburtsstunde des modernen Österreich.
Norbert Conrads, Schlesiens frühe Neuzeit (1469-1740), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 215

"Seit den Zeiten Heinrichs des Bärtigen und Kaiser Karls IV. war keine Veränderung der Oberherrschaft Schlesiens bedeutsamer als der Beginn der habsburgischen Herrschaft. Nie zuvor war die herrschende Dynastie mächtiger und europäischer gewesen als nun (...). Was Schlesien anging, fand so die außerordentliche Verdichtung der kulturellen Beziehungen zum Reich, wie sie mit der Reformation eingesetzt hatte, auch von seiten der Landesherrn eine Ergänzung. Von Ferdinand kam zwar keine Förderung - übrigens auch keine gewaltsame Unterdrückung - der Reformation, aber auf dem Weg über Österreich sollten die süddeutschen Einflüsse auf Schlesien zunehmen, des weiteren auch die romanischen aus dem ganzen habsburgischen Herrschaftsbereich".
Conrads, aaO., S. 215

 

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Martin Helwig: Schlesien 1561
Aus: Zwischen Oder und Riesengebirge, Weißenhorn 1987, S. 21

 

"Schlesien war somit nach Jahren der Separation wieder unter die böhmische Krone zurückgekehrt. Soweit es noch eine Frage war, ob Schlesien zu Ungarn oder zu Böhmen gehörte, so erledigte sich diese nun von selbst zugunsten Böhmens, da die politische Zukunft Schlesiens bei Österreich lag. Deshalb stieß das eigenmächtige Vorgehen der böhmischen Stände bei der Wahl König Ferdinands in Schlesien auf Unverständnis. Das von den schlesischen Ständen beanspruchte Mitwirkungsrecht an der Wahl war von den Böhmen einfach ignoriert worden (...).  Auf dem Fürstentag von Leobschütz erkannten sie Ferdinand am 5. Dezember 1526 als ihren "Erbkönig" an, sofern er eine Reihe von Forderungen des Landes erfülle.  Dazu gehörte die übliche Bestätigung der Privilegien, die Klärung der schlesischen "Gerechtigkeit" bei der Königswahl und die Abwehr der ungarischen Ansprüche auf Schlesien."
Conrads, aaO., S. 216

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Ehemalige Ratsapotheke in Görlitz, Untermarkt 24, 1550 erbaut
Aus: Stadtbilder aus Görlitz, Leipzig 1991, S. 19