Österreichisch-Schlesien 1740-1918

"Obwohl eine erhebliche soziale und wirtschaftliche Kluft zwischen dem Osten und dem Westen Preußens bis in das 20. Jahrhundert bestehen blieb, war Schlesien seit 1740 doch mehr und mehr in die preußische Monarchie und schließlich in das Deutsche Kaiserreich hineingewachsen. Eine gänzlich andere Entwicklung hatte der nach den Schlesischen Kriegen des 18. Jahrhunderts bei Österreich verbliebene Teil Schlesiens um Troppau und Teschen genommen."
Joachim Bahlcke, Die Geschichte der schlesischen Territorien von den Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Wektkriegs, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 111

 

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Zentrum von Troppau aus der Vogelperspektive
Aus: Opava und Umgebung, Opava 1997, S. 38

     

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Teschen, Ring
Aus: H. Trierenberg: Reisewege zu historischen Stätten in Oberschlesien, Dülmen 2002, S. 173

 

"Die in Schlesien eingeleiteten Maßnahmen konnten als Vorreiter der Gesamtstaatsreform gelten, mit der Maria Theresia den von ihr so hoch geschätzten Troppauer Präsidenten beauftragte (...). Es ging dabei nicht lediglich um eine Verwaltungsreform, sondern um eine Staatsreform, die nach dem berechtigten Urteil seiner Kritiker eine "Abänderung der Grundverfassung der Monarchie" beinhaltete.  Haugwitz betrachtete das "kleine Landel Schlesien" als ein "sicheres und gutes Modell" für "sämtliche Lande" der großen Habsburgermonarchie. Aber dieser Modellcharakter konnte die marginale Randprovinz nicht vor dem Schicksal bewahren, im Zuge der Spar- und Rationalisierungspolitik Kaiser Josephs II. 1782 mit dem Troppauer Amt seine Eigenständigkeit zu verlieren und verwaltungsmäßig nach Mähren eingegliedert zu werden."
Peter Baumgart, Schlesien als eigenständige Provinz im altpreußischen Staat, in: Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002,S. 383

"Die Teilung Schlesiens und der Verlust des nordwestlichen Hinterlandes beeinträchtigte das Wirtschaftsleben Österreichisch-Schlesiens nachhaltig (...). Das durch den Steinkohlebergbau sowie die Textil- und Eisenindustrie für Österreich wirtschaftlich wichtige Österreichisch-Schlesien war sprachlich und national gemischt: 1846 betrug der Anteil der Deutschen 47,7%, der Polen 31,5% und der Tschechen 20%.  Im Gegensatz zur mehrheitlich deutschen Stadtbevölkerung war die Arbeiterschaft größtenteils polnischer und tschechischer Nationaliät."
Bahlcke, aaO., S. 111

 

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Teschener Gnadenkirche
Aus: H. Trierenberg: Reisewege zu historischen Stätten in Oberschlesien, Dülmen 2002, S. 174

 

"Für die Protestanten Österreichisch-Schlesiens, die bisher auf die Gnadenkirche in Teschen als rechtlich anerkanntes Zentrum angewiesen waren, brachte die im Geiste der Aufklärung stehende Religionspolitik Josephs II. jedoch auch eine Reihe von Verbesserungen. Durch das Toleranzpatent vom 13.  Oktober 1781 wurde ihnen eine nur geringfügig eingeschränkte Religionsfreiheit gewährt.  Darüber hinaus erhielten sie gleiche bürgerliche Rechte wie die Katholiken."
Bahlcke, aaO., S. 112

"Im sprachlich und national gemischten Österreichisch-Schlesien und insbesondere im Fürstentum Teschen nahm die Volkstumsbewegung früher als in Preußisch-Schlesien nationalpolnische Züge an.  Zunächst waren es jedoch die dortigen Tschechen, die sich ihrer slawischen Wurzeln bewußt wurden und die Sprach-, Kultur- und Volksgemeinschaft mit Mährern, Slowaken und österreichisch-schlesischen Slawen betonten."
Bahlcke aaO., S. 112

"Während die politischen Ziele der polnischen und tschechischen Panslawisten immer mehr auseinanderliefen, meldeten sich nun auch die Deutschen verstärkt zu Wort, die sich während der Frankfurter Nationalversammlung für die Zugehörigkeit der österreichischen und böhmischen Erbländer zum deutschen Bundesstaat ausgesprochen hatten.  Ihre wachsende Besorgnis, die böhmischen Länder könnten sich staatsrechtlich verselbständigen, wurde von dem in Wien als nationale Selbsthilfeorganisation gegründeten Verein der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Schlesien aufgegriffen."
Bahlcke aaO., S. 113

"Der im mährischen Kremsier tagende Reichstag wurde am 7. März 1849 aufgelöst, und es wurde gleichzeitig eine Verfassung oktroyiert, die jedoch nie wirklich in Kraft trat. Österreichisch-Schlesien wurde ein selbständiges Kronland, erhielt eine neue Landesverfassung und wurde aus der seit 1782 bestehenden administrativen Einheit mit Mähren herausgelöst.  Die ursprünglich in Troppau eingerichtete Statthalterei wurde 1853 in eine Landesregierung mit einem Präsidenten an der Spitze umgewandelt."
Bahlcke aaO., S. 114