Die Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945

"Schon im Frühjahr 1933 waren zahlreiche sogenannte wilde Lager für politische Häftlinge errichtet worden. In dieser Phase entstand auch das erste schlesische Konzentrationslager, das von SA-Obergruppenführer Heines in Dürrgoy, einem südlichen Stadtteil von Breslau, eingerichtet wurde. In dieses Konzentrationslager wurde im Sommer 1933 der sozialdemokratische Politiker Paul Löbe regelrecht entführt."
Joachim Bahlcke, Die Geschichte der schlesischen Territorien von den Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Wektkriegs, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 139

 

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"Empfang" für Paul Löbe im Konzentrationslager Dürrgoy
Aus: "Wach auf, mein Herz, und denke", Berlin 1995, S. 273

 

"Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gelang es Wagner, einen Großteil der auf slawische Wurzeln zurückgehenden Namen Schlesiens zu beseitigen. Bei dieser gewaltsamen Eindeutschung trat gemäß dem Grundsatz, "Deutsches Land soll auch Wohnstätten mit deutschen Namen tragen", besonders der Bund Deutscher Osten (BDO) hervor. In einer ersten Phase zwischen 1933 und 1936 wurden zahlreiche slawische Ortsnamen eingedeutscht: aus Miechowitz wurde zum Beispiel Mechtal, aus Plawniowitz Flößingen, aus Stollarzowitz Stillersfeld."
Bahlcke, aaO., S. 140

 

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SS-Aufmarsch in Berlin 1933
Aus: "Wach auf, mein Herz, und denke", Berlin 1995, S. 271

 

"In Schlesien, wo die Arbeitslosigkeit zwischen 1933 und 1935 von 484000 auf 154000 gesenkt werden konnte, wurde Hitler noch stärker als in anderen Provinzen als Retter aus wirtschaftlicher Misere und nationaler Ohnmacht gesehen. Gerade im Grenzland Schlesien, wo die konsequente Revisionspolitik Hitlers und sein in der Öffentlichkeit geschickt inszeniertes Streben nach außenpolitischer Gleichberechtigung Beifall fanden, nahm die Popularität des "Führers und Reichskanzlers" weiter zu."
Bahlcke, aaO., S. 140

 

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Die Neue Synagoge in Breslau vor der Zerstörung 1938
Aus: "Wach auf, mein Herz, und denke", Berlin 1995, S. 59

 

"Nach dem Bericht eines SS-Führers über den Verlauf des inszenierten Pogroms in Schlesien wurden u. a. die Synagogen in Breslau, Oels und Neumarkt niedergebrannt, etwa 500 jüdische Geschäfte verwüstet und Tausende von Juden verhaftet. Das Tagebuch des Breslauer Juden Walter Tausk, der Augenzeuge der Vorfälle in der schlesischen Hauptstadt war, ist ein erschütterndes Zeitdokument über das Ausmaß der gewalttätigen Übergriffe und Zerstörungen."
Bahlcke, aaO., S. 142

"Auch in Schlesien setzten sich die Deutschen Christen mit Unterstützung der SA und der Partei-Ortsgruppen für die Entfernung aller Juden aus der Kirche ein und forderten eine am Führerprinzip orientierte überkonfessionelle Nationalkirche."
Bahlcke, aaO., S. 144

"Einzig die Bekennende Kirche, die aus dem von Martin Niemöller 1933 in Berlin-Dahlem gegründeten Pfarrernotbund hervorgegangen war und die den Macht- und Rechtsanspruch der Reichskirche verneinte, wandte sich gegen die Gewalttaten des Nationalsozialismus.  Sie setzte sich - etwa im Fall des 1906 in Breslau geborenen evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer - gegen die Verfolgung und Inhaftnahme von Pastoren und Laien sowie Amtsenthebungen von Pfarrern und Theologieprofessoren ein."
Bahlcke, aaO., S. 144