Zweiter Weltkrieg, Flucht und Vertreibung

"Nach dem Ende des sogenannten Polenfeldzugs Anfang Oktober 1939 wurden der Provinz Schlesien die nach dem Ersten Weltkrieg an Polen abgetretenen Gebiete Ostoberschlesiens und die östlichen Teile der niederschlesischen Kreise Namslau, Groß Wartenberg und Guhrau wieder angeschlossen."
Joachim Rogall, Krieg, Vertreibung und Neuanfang. Die Entwicklung Schlesiens und das Schicksal seiner Bewohner von 1939-1945, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 157

"Während des Zweiten Weltkrieges waren auch in Schlesien Stätten nationalsozialistischen Terrors und der Vernichtungspolitik eingerichtet worden. So entstand bei der Stadt Auschwitz, welche in dem an den Regierungsbezirk Kattowitz angeschlossenen polnischen Gebiet lag, 1940 eines der größten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager."
Rogall, aaO., S. 157

 

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Helmuth James Graf von Moltke (1907-1945)
Aus: W. Irgang, W. Bein, H.Neubach: Schlesien, 2. korr. Aufl., Köln 1998, S. 237

 

"Ein weiteres, kleineres Konzentrationslager befand sich in Groß Rosen im niederschlesischen Kreis Schweidnitz.
Ebenfalls im Kreise Schweidnitz entstand auf dem Gut Kreisau von Helmut James Graf von Moltke eines der Zentren des deutschen Widerstandes gegen Hitler. Hier trafen sich Persönlichkeiten aller Schichten, politischen Richtungen und Konfessionen aus ganz Deutschland, darunter auch eine Reihe von Schlesiern. Neben Moltke gehörten u. a. Peter Graf York von Wartenburg, der ehemalige oberschlesische Oberpräsident Hans Lukaschek, der ehemalige Breslauer Polizeipräsident Fritz Voigt und der in Breslau geborene Pfarrer Dietrich Bonhoeffer dem Kreisauer Kreis an."
Rogall, aaO., S. 157

 

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Schloß Kreisau im Kreis Schweidnitz
Aus: E. G. Schulz (Hg.): Große Deutsche aus dem Osten, 3. Aufl., Würzburg 199, S. 186

 

"Die Zahl der Juden in der Provinz Schlesien betrug 1939 noch 15.840, davon in der Hauptstadt Breslau allein
10.659. Vor allem die Auswanderung angesichts der wachsenden Diskriminierung hatte die Zahl der im Jahre 1933 noch 34.375 Personen umfassenden jüdischen Schlesier um mehr als die Hälfte reduziert.  Die in der Heimat verbliebenen Juden wurden mit ganz wenigen Ausnahmen - diese betrafen vor allem jüdische Partner in
Mischehen - ab 1942 in die nationalsozalistischen Vernichtungslager verschleppt und zum größten Teil dort ermordet."
Rogall, aaO., S. 161

"Die Gesamtzahl der Bevölkerung Schlesiens Anfang 1945 wird nach amtlichen deutschen Unterlagen auf rund
4.700.000 Personen beziffert."
Rogall, aaO., S. 163

 

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Flucht nach Westen, 1945
Aus: R. Vetter: Schlesien, Köln 1992, S. 52

 

"Etwa 1,2-1,5 Millionen Schlesier waren zum Zeitpunkt des Kriegsendes in ihrer Heimat verblieben bzw. auf der Flucht noch in Schlesien überrollt worden. Sie hatten während und nach der Eroberung unter brutalen Übergriffen und Gewalttaten sowjetischer Truppen zu leiden (...). Die rund 1,6 Millionen Schlesier, welche in das Sudetenland geflüchtet waren, wurden dort zusammen mit den einheimischen Sudetendeutschen ein Opfer der Ausschrei-tungen, in welchen sich der während der Besatzungszeit aufgestaute Haß der tschechischen Bevölkerung entlud. Nur 1,6 Millionen Schlesiern war die Flucht auf direktem Wege in Reichsgebiete wie Sachsen, Thüringen oder Bayern gelungen."
Rogall, aaO., S. 165

 

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Flüchtlinge, 1945
Aus: "Wach auf, mein Herz, und denke", Berlin 1995, S. 369

 

"Nach Abschluß der Kampfhandlungen versuchte eine große Zahl der geflohenen Schlesier, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Aus den Sudetengebieten schätzt man die Zahl der Rückkehrer auf rund 800.000, aus den Reichgebieten auf etwa 200.000."
Rogall, aaO., S. 165f

"Die Angliederung der ostdeutschen Gebiete an Polen und die Vertreibung der dortigen deutschen Bevölkerung wurde von praktisch allen Polen als gerechte Strafe für die während der deutschen Besatzungszeit in Polen verübten Verbrechen betrachtet."
Rogall, aaO., S. 167

 

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Schlesier warten im Jahre 1946 unter freiem Himmel an einem Sammelpunkt auf den Abtransport
Aus: J. Bahlcke: Schlesien und die Schlesier, München 1996, S. 167

 

"In den Jahren 1946/47 wurden weitere Vertreibungen von Deutschen durchgeführt, aus Niederschlesien
1.290.700 Personen, aus Oberschlesien 174.300 Personen."
Rogall, aaO., S. 167