Aufgaben und Ziele

Die Abschottung Mitteldeutschlands und Ostmitteleuropas hinter einem "Eisernen Vorhang" hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem bisher in Europa nicht bekannten, nahezu kontaktlosen Nebeneinander der Menschen im Westen und Osten Europas geführt. Nach der im Jahre 1989 erfolgten Wende in Deutschland und Europa ist der Prozess des Zusammenwachsens beider Teile Deutschlands noch keineswegs abgeschlossen. Auf der europäischen Ebene ist das mit Blick auf Ostmitteleuropa ähnlich. In beiden Fällen sind nicht Menschen und Regionen völlig unterschiedlicher Tradition und Herkunft zusammenzuführen, vielmehr gilt es, Herkunftswissen und Traditionen, die abgebrochen und verdrängt wurden, wieder gemeinsam zu entdecken, um an sie anknüpfend die Zukunft zu gestalten.

"Auf der Suche nach Schlesien" war das Motto, unter dem das Schlesische Museum zu Görlitzexterner Link im Dezember 2001 die Eröffnung des Museums feierte. Dieses Motto aufnehmend lässt sich sagen: Nach über 40 Jahren des Verschweigens und Verfälschens ist es heute möglich, mit Wissenschaftern, Künstlern sowie kulturell und historisch Interessierten aus Deutschland sowie aus Polen und Tschechien gemeinsam auf die Suche nach Schlesien zu gehen. Das Studium der Geschichte und Kultur Schlesiens kann seit 1989 ohne Probleme vor Ort, in Schlesien durchgeführt werden, zusammen mit unseren östlichen Nachbarn, die das Interesse an der Geschichte, die Fragen nach der Herkunft ebenso bewegt wie uns Deutsche, die deutsche Minderheit in Schlesien inbegriffen. Das ist die Perspektive für die Arbeit der Stiftung Kulturwerk Schlesien.

In der seit 2001 gültigen Konzeption des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien zur Kulturförderung nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes heisst es: "Es gehört zum Selbstverständnis des bewusst föderalen Staates Deutschland, dass sich die Länder und Regionen ihrer historischen Wurzeln und ihrer besonderen Traditionen vergewissern und diese durch publizistische und museale Präsentation öffentlich dokumentieren.......Dies muss auch für die museale und wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation der fast 900-jährigen Siedlungs- und Kulturgeschichte der Deutschen im östlichen Mitteleuropa gelten, für die es keine Gebietskörperschaft mehr gibt, die dieser Aufgabe verpflichtet ist."

Konkret bedeutet das für Einrichtungen wie die Stiftung Kulturwerk Schlesien: Das Interesse für die Schönheiten der Kulturlandschaft Schlesien zu wecken, mit dem Riesengebirge, das die Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich faszinierte; mit seinen Klöstern und Schlössern, mit der ganz eigenen schlesischen Barockkunst, mit seinen Friedenskirchen, von denen Schweidnitz und Jauer zum Weltkulturerbe gehören. Zu Ausflügen in die Literaturlandschaft Schlesien einzuladen, mit den großen Namen der Vergangenheit: Martin Opitz, Andreas Gryphius, Angelus Silesius, Hoffmann von Hoffmannswaldau, Joseph von Eichendorff, Gustav Freytag, Gerhart Hauptmann, die zu ergänzen sind durch die Namen der Späteren, von denen viele auch die Katastrophe von Krieg und Vertreibung (lange vor Günther Grass) in ihren Werken geschildert haben. Und ins Gespräch kommen mit polnischen und tschechischen Künstlern, Dichtern, Schriftstellern, die heute von der Kulturlandschaft Schlesiens geprägt werden und sie prägen.

Die Stiftung Kulturwerk Schlesien will Einrichtungen für Erwachsenenbildung dazu anregen, schlesische Themen in ihre Programme aufzunehmen, sie organisieren Studienreisen. Die Stiftung Kulturwerk Schlesien will zugleich durch Publikationen und internationale Tagungen einen Beitrag zur Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen leisten.

Das Angebot der Stiftung Kulturwerk Schlesien ist für historisch und kulturell Interessierte gedacht, die auf virtuellen oder wirklichen Reisen durch Schlesien auf den Spuren Goethes wandeln wollen, der im Jahre 1790 offensichtlich mit großem Vergnügen in diesem, wie er schrieb, "zehnfach interessanten Lande" unterwegs war.