St. Jakobuskirche zu Neisse (Nysa)

Nach einer Tradition soll Bischof Jaroslaus von Breslau (1198-1201), ein Sohn Herzog Boleslaus des Langen (1163-1201), die erste steinerne St. Jakobuskirche in Neisse (pln. Nysa) am zweiten Sonntag im Juli 1198 (12.7.) nach vier Jahren Bauzeit geweiht haben. Vorher soll dort eine kleine Holzkirche gewesen sein. Grabungen in der Kirche nach dem Hochwasser im Herbst 1938, das zu Schäden an Pfeilern geführt hatte, brachten Überreste von Pfeilern und Umfassungsmauern zutage, die aber der Kirche von 1198 nicht zuzuordnen sind.


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Außenansicht
Jakobuskirche mit Glockenturm
Aus: E. Bach: Oberschlesien in Farbe, Würzburg 1991, S. 75

 

 

 

Baumeister der  gotischen Hallenkirche mit Chorumgang war Peter von Frankenstein. Die Abmessungen des Baues sind: Höhen der Seitenschiffgewölbe 27,45 m., des Mittelschiffgewölbes 28 m, der Wände und des Daches je 25 m, des Dachreiters früher 25 m, jetzt 14 m, Länge des Baues 75 m. Die Fläche des Steildaches beträgt 4000 m2. Den Innenraum umgibt ein Kranz von 19 Kapellen, jeweils eingefügt zwischen die Strebepfeiler. In der Kirche sind neun Bischöfe und das Herz des Breslauer Bischofs Kardinal Friedrich von Hessen (Breslauer Bischof 1671-1682) bestattet. Auf Außen- und Innenwänden sind eine große Anzahl Epitaphien mit deutschen und lateinischen Inschriften angebracht, deren Restaurierung eingeleitet ist. 1998 wurde das 800jährige Jubiläum der Kirche begangen.

In der Barockzeit hatte Kardinal Friedrich von Hessen, der erste Kardinal des Breslauer Bistums, die Kirche im Stil der Zeit ausschmücken lassen.

 

Von 1889 bis 1895 ließ der damalige Stadtpfarrer gegen den Widerstand  der Denkmalpflege die Kirche im Stil der Neugotik ausmalen und ausstatten. Bei den Renovierungsarbeiten, die sich an die Beseitigung der Hochwasserschäden von 1938 anschlossen, bekam die Kirche ihr ursprüngliches Aussehen etwa zurück.

 

Mit dem Bau des Glockenturms wurde 1474 begonnen; Baumeister war Nikolaus Hirz, dessen Name auf dem Grundstein über dem Portal zu lesen ist und den Bischof Rudolf von Rüdesheim (1468-1482) wohl aus dem Rheinland  nach Neisse gerufen hatte. Der Turm ist ca. 44 m hoch, er steht wenige Schritte neben der Kirche. Nach 1516 wurde der Bau nicht weitergeführt, "um diese Zeit (war) allgemein in Deutschland der gotische Bauwille erloschen" (Weisser). Der Turm erhielt ein Notdach. Vor dem Ersten Weltkrieg waren acht Glocken im Turm, danach im Zweiten Weltkrieg wurden alle Glocken eingezogen, ausgenommen die Jakobusglocke ("der alte Jakob"), 8 t schwer, die Bartholomäus Lindenradt 1494 in Neisse gegossen hatte; diese Glocke ging im Feuersturm im März 1945 unter. Zur Zeit (2003) sind neun Glocken im Turm, ferner ein Glockenspiel und eine Turmuhr. Das untere Geschoß des Turms wird für die Aufnahme der "Schatzkammer St. Jakobus" vorbereitet, in der sakrale Neisser Goldschmiedekunst ausgestellt werden wird.

Innenraum
Blick in den Innenraum
Aus: R. Vetter: Schlesien, Köln 1992, Abb. 27

 


Alle nachfolgenden Kirchen ruhen auf einem Fundamentwerk, das ca. 2 m über dem gewachsenen Boden liegt: eine Kirche ist durch eine Urkunde vom 31. Juli 1298 bezeugt, wobei hier erstmals eine Pfarrkirche St. Jakobus genannt wird. Von 1401 bis 1430 wurde die heute noch bestehende und gegenüber früher wesentlich größere Kirche erbaut, die im Lauf der Jahrhunderte mehrmals durch Brände oder Kriegseinwirkungen Schäden erlitt und die nach den umfangreichen Zerstörungen im März 1945 umfassend von 1956 bis 1959 restauriert wurde.

 Franz-Christian Jarczyk

Literatur

August Kastner: Geschichte und Beschreibung der Pfarrkirche des heil. Jacobus zu Neisse. Neisse 1848.

Augustin Pischel: Geschichte und Beschreibung der Pfarrkirche zum heiligen Jacobus zu Neisse. Neisse1895.

Georg Weisser: St. Jakobus in Neisse. Beilage zum 36. Jahresbericht des Neisser Kunst- und Altertumsvereins 1932. Neisse.

Josef Hettwer: Zur Baugeschichte der St. Jakobuskirche zu Neisse, in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 10, 1952, S. 10-18.

August Müller: Neisser Kultstätten, in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 18, 1960, S. 99-120.

Nikolaus Mróz: Erzählungen zur St. Jakobuskirche Neisse. Hildesheim 2001.

 

LITERATURHINWEIS
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