Gröditzburg (Grodziec)

 

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Auf halbem Weg zwischen Goldberg und Löwenberg, nördlich der Verbindungsstraße, ist schon von weitem die Gröditzburg zu sehen. Sie liegt hoch über der Ebene auf einem 389 m hohen Basaltkegel, der vor Urzeiten wohl der größte Vulkan Niederschlesiens war. Eine Vielzahl von Basaltknollen, die dort oben liegen, weisen auf die Vulkantätigkeit hin.
 
Im 10. u. 11. Jhdt. trug der Berg einen slawischen Burgwall und dürfte vor allem, in dem damals noch waldreichen Gebiet, zur Sicherung der schlesischen Westgrenze gedient haben. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg erfolgte mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer päpstlichen Urkunde aus dem Jahr 1155 mit dem Namen ”Godiuice”. 1175 wurde dann auf ”Gradice”, so wurde die Anlage damals genannt, durch Herzog Boleslaus I. von Schlesien, auch der “Lange” genannt, in Gegenwart zahlreicher Zeugen des schlesischen Adels die Gründungsurkunde für das Kloster Leubus ausgestellt. Diese Urkunde gestattete den Zisterziensermönchen aus Pforta bei Naumburg, im heutigen Sachsen-Anhalt gelegen, in Leubus ein Kloster zu gründen, bzw. es zu besiedeln. 

 

Luftaufnahme
 


Der Namen der Burg änderte sich wieder und hieß in den Jahren 1250 und 1320 ”Guerquin”. War die Gröditzburg zunächst eine Anlage des Landesherrn, so wurde sie 1320 an die Adelsfamilie Busewoy, die bei Haynau begütert war, verpfändet. Erst 1473 fiel sie dann mit den dazugehörenden Ortschaften wieder an Landesherren, Friedrich I. und seinen Nachfolger Friedrich II. zurück. Ausführliche Bauverträge aus dieser Zeit geben uns Auskunft über Baubestand und Bauarbeiten an der Burg. So war der ganze Bergkegel in die Befestigung mit einbezogen. Man kommt durch ein äußeres, heute noch erhaltenes Tor in die geräumige Vorburg, die mit einer Mauer umgeben und an den wichtigsten Stellen durch Wehrtürme verstärkt ist. Erst nach Durchquerung der Vorburg gelangt man dann an das doppelte innere Burgtor, das zusätzlich noch einmal mit einer Zugbrücke über einen Graben gegen die Vorburg abgesichert ist. In unmittelbarer Nähe des Tores erhebt sich der Bergfried. Der bestand bereits im Jahr 1473 und wurde damals umgebaut. Als Vorbild diente der Hedwigsturm des Liegnitzer Piastenschlosses. Ab 1488, unter dem Liegnitzer Herzog Friedrich II., erfolgte dann der Ausbau des Palas mit dem großen Saal. Als Baumeister konnte der bekannte Renaissancebaumeister Wendelin Roßkopf aus Görlitz verpflichtet werden, der u. a. auch das Rathaus in Bunzlau umgestaltet hat und sich “Meister zu Görlitz und der Schlesy” nannte. Um 1522 dürften dann die Baurbeiten abgeschlossen gewesen sein. Die Gesamtanlage hat eine Länge von 270 m und eine Breite von 140 m, wobei die eigentliche Haupt- oder Hochburg wesentlich kleiner ist. Sie wird gegen die Vorburg noch einmal mit einem doppelten Mauerbering abgesichert. In unmittelbarer Nähe des Tores erhebt sich, wie schon erwähnt, der mächtige viereckige Bergfried. Der innere Burghof wird auf der Nordwestseite durch den zweigeschossigen Palas, dem eigentlichen Wohnbau der Burg, abgeschlossen. Auf der Nordostseite des sechseckigen Hofes standen Wirtschaftsgebäude, die an die Wehrmauern angebaut waren.

Die Liegnitzer Herzöge hielten sich nach diesen Bauarbeiten oft auf der Burg auf und feierten große und ausschweifende Feste. Hans v. Schweinichen, dessen Stammsitz die Schweinshausburg bei Bolkenhain war, amtierte in der 2. Hälfte des 16. Jhdts. hier als Burghauptmann und berichtete in seinem Tagebuch über das exzessive Leben von Herzog Heinrich XI. auf der Gröditzburg. Im 30-jährigen Krieg, wurde die Burg oft belagert. Kaiserliche Truppen unter Wallenstein und schwedische Söldner wechselten sich oft im Besitz der Festung ab. So kam es zu erheblichen Zerstörungen und der Plan, die Burg nach dem Krieg wieder aufzubauen, scheiterte 1675, durch den frühen Tod des letzten Liegnitzer Herzogs, Georg Wilhelm.


 

Tor zur Vorburg
 


Nach dem Aussterben der Liegnitzer Piasten übergab Kaiser Leopold I. die Herrschaft Gröditzburg an den Sohn des Reichsgrafen Gallas. 1708 wurde sie an den Grafen v. Frankenberg verkauft, die 1718 am Fuße des Berges ein Barockschloß errichten ließen und 1749 unter Friedrich d. Großen erhielt der Sieger von Hohenfriedeberg, Graf v. Geßler, den Besitz. Schon 1753 erwarb der Kammerherr Karl v. Schellendorf die Burg und 1801 ging sie in den Besitz der Grafen von Hochberg auf Fürstenstein über. In dieser Zeit wurde die Anlage auch von plündernden Franzosen aus der napoleonischen Armee heimgesucht. Auf die Hochbergs folgte der Bankier Benecke als Besitzer, der als erster versuchte, wenn auch sehr ungekonnt, die weithin zerstörte Burg wieder instandzusetzen. Ihm folgte von 1893-99 Graf Henckel v, Donnersmarck, der aber scheinbar die Burg noch ausraubte. So verkaufte er Glasfenster in die Schweiz. Mit dem Erwerb der Besitzung durch den Geheimen Rat Willy v. Dircksen im Jahr 1899 zeichnete sich eine Wende ab. Er beauftragte den bekannten Burgenforscher und Baumeister Bodo Ebhardt mit der Wiederherstellung. Dieser studierte die Archivunterlagen und war auch sonst im deutschen Burgenbau bestens bewandert. Er restaurierte die Anlage möglichst nach alten Unterlagen und 1908 konnte die Burg wieder eingeweiht werden.

Ab 1945 verfiel die Anlage wieder und 1960-62 stellte man die Gebäude wieder her und richtete ein Museum ein. Die Kommune als derzeitige Eigentümerin hat jedoch kein Geld und konnte daher einen weiteren Verfall nicht aufhalten und als vor einigen Jahren ein Brand ausbrach, wurde die Burg noch weiter beschädigt. So kann man nur hoffen, daß sich eines Tages wieder Geldgeber oder neue Eigentümer finden werden, die diese, für Schlesien so bedeutende Burganlage retten, der Nachwelt erhalten und sie vielleicht auch einer neuen Nutzung zuführen werden.

Joachim Lukas

 

Literatur

 

 

Mehr zur Gröditzburg

 

 

LITERATURHINWEIS
Bolkoburg (Bolków)
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Fürstenstein (Książ)
Gröditzburg (Grodziec)
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