Buchwald (Bukowiec)

 

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Das 12 km östlich von Hirschberg gelegene Dorf Buchwald wird 1305 erstmals urkundlich erwähnt, doch wohl erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand der Vorgängerbau des heutigen Schlosses.
 
1579 wird als Besitzer Georg von Reibnitz genannt, der in dem Schloß einen protestantischen Betsaal einrichten ließ. 1744 erfolgte eine Erweiterung des  Renaissanceschlösschens. Mit dem Tod von Johann Maximilian Leopold  erlosch 1759 die Familie von Reibnitz auf Buchwald. Buchwald wechselte dann mehrfach den Besitzer bis es 1785 Friedrich Wilhelm Freiherr von Reden erstand.
 
Der in Hameln geborene Reden, der seit 1779 das preußische Berg- und Hüttenwesen in Schlesien, von 1802 bis 1807 dann von ganz Preußen leitete, war kurz zuvor wegen seiner Verdienste in den Grafenstand erhoben worden. Wie sehr er diese Landschaft liebte, wird daran deutlich, daß er, der auch Mitglied der Kommission der Königlichen Porzellan Manufaktur in Berlin war, dafür sorgte, daß Zeichner in diese Region reisten, um Vorlagen für die Porzellanmalerei zu schaffen. Viel Zeit blieb Reden nach dem Kauf von Buchwald  zunächst nicht, die Schönheit seines Landsitzes und damit des Riesengebirges zu genießen, denn Mitte 1789 trat er seine dritte Reise nach England  und Schottland an, wo er bis Februar 1790 die Steinkohlen- und Hüttenbetriebe besichtigte.

 

Außenansicht
Außenansicht
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 331


Von dieser Studienreise Redens profitierte nicht nur der Bergbau Preußens, sondern, was vielleicht weniger bekannt ist, die Landschaftsgestaltung des Hirschberger Tales. Reden ging nach seiner Rückkehr an die Neugestaltung von Buchwald, ließ das Schloß nach eigenen Ideen im klassizistischen Stil umbauen, die alten Wirtschaftsgebäude abreißen  und durch Johann Gottfried Langhans neue Gebäude errichten - sie stehen noch heute -, vor allem aber gestaltete er sein Gut in eine Parklandschaft um, die in der Literatur immer wieder lobend Erwähnung findet. So heißt es im Breslauischen Erzähler von 1803: "Wer lernen will, wie man eine natürliche Landschaft ohne Aufwand von Zierereien und Kunstwerken verschönern kann, bei dem Sinn und Gefühl den Betrachtenden angenehm beschäftigt, der durchwandere die Anlagen von Buchwald".

John Quincy Adams faßte in seinem Brief vom 13. August 1800 den Eindruck von Buchwald in die Worte: "Buchwald ist, was man im Englischen gewöhnlich ein Prachtlandgut bzw. Ornamentel farm nennt."  Und Theodor Körner rühmte den Park mit den Worten: "Denn wo die Kunst sich zur Natur gestaltet, da wird des Lebens schönste Pracht entfaltet." Graf Reden machte damit den Anfang für die Kulturlandschaft des Hirschberger Tales, die dann durch die Gestaltungen Lenés ihre Fortsetzung finden sollte.
 
Was aber auch wesentlich zur die Beliebtheit des Hirschberger Tales beitrug: Reden machte den Landschaftspark von Buchwald mit seinen 54 Teichen der Öffentlichkeit zugänglich, so, wie er es in England erlebt hatte. Ein besonders beliebtes Motiv im Park von Buchwald war die künstliche Abtei, die Reden vor 1803 von Josef Rabe errichten ließ. Später diente sie ihm und der Gräfin als Grablege, oben befanden sich eine Kapelle und ein Raum mit Landschaftsbildern von Samuel Rösel, dem Zeichenlehrer König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Von dieser Abtei, zu der sich die Pläne im Herder-Institut in Marburg erhalten haben, lassen sich allein 25 verschiedene Ansichten nachweisen. Ein Beweis dafür, welche Aufmerksamkeit diese Parkanlagen bei den  Fremden hervorrief. Heute steht nur noch der Turm, aus der künstlichen Ruine ist eine echte geworden.

 

Schneekoppe
"Ansicht der Schneekoppe aus dem Pavillion aus Buchwald",
Litographie von Carl Theodor Mattis, um 1830
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 162


Genannt werden muß aber ebenso der Pavillon, den Reden 1804 seiner Frau schenkte. Vor dem Pavillon standen zwei gußeiserner Opferschalen aus Malapane, in einem der seitlichen Kabinetts, ausgekleidet mit Marmor, gab es eine Klassikerbibliothek. In der Halle stand eine Marmorbüste Friedrichs des Großen und von Friedrich Gilly. Doch was wesentlich war: Man betrat den Pavillon von seiner Rückseite, stand dann vor einer Wand mit einer Tür. Und  Mosch 1821 schreibt: "Wir öffnen diese, und plötzlich rollt sich zwischen Säulen hindurch ein weites, reiches Gemälde auf, dessen Hintergrund die im blauen Duft über den Bäumen und dem Thale aufragenden Berge des Riesengebirges bilden." Auch dieser Pavillon ist heute weitgehend verfallen, die Sichtachse zur Schneekoppe wurde aber wieder freigelegt.

Erwähnt werden muß im Park von Buchwald auch das Gärtnerhaus mit dem damals vor allem durch Langhans und Gilly in Mode kommenden Bohlendach. Hier hatte nicht nur der Gärtner seine Wohnung und standen seltene Pflanzen auf der Terrasse, hier befand sich auch die gräfliche Naturalien- und Schmetterlingssammlung. Das Haus steht auch heute noch. An der Ostseite des Gärtnerhaus stand einst ein Gedenkstein, der an den schlesischen Geographen und Naturforscher Johann Adam Valentin Weigel aus Haselbach erinnerte, einen Freund Redens, dem wir das 10teilige Werk "Beschreibung des souverainen Herzogthums Schlesien" verdanken.

Das Ehepaar Reden gründete die Buchwalder Bibelgesellschaft, die später mit der Preußischen Hauptbibelgesellschaft vereinigt wurde, und war auch für seine Gastfreundschaft bekannt: 1800 waren Königin Luise und Friedrich Wilhelm III. von Preußen zu Gast in Buchwald, als sie dann auch einen Ausflug auf die Schneekoppe machten, im Januar 1809, weilte Freiherr vom Stein auf der Flucht vor Napoleon in Buchwald,  1812 Minister Graf Hardenberg.

1815 starb Graf Reden. Friederike von Reden engagierte sich nun auf sozialem Gebiet, richtete im Hungerwinter 1817 u.a. eine Suppenküche ein. 1837 kam ihr die Aufgabe der Präsidentin des Comités für die Ansiedlung der Zillertaler Emigranten zu. So kümmerte sie sich um diese Glaubensflüchtlinge und deren Niederlassung im Hirschberger Tal.

1840 wandte sich König Friedrich Wilhelm IV., der auf Anraten von Johann Christian Dahl die abgerissene Holzkirche Wang gekauft hatte, mit der Bitte an die Gräfin, für den Wiederaufbau der Kirche einen geeigneten Platz im Hirschberger Tal zu nennen. Die Kirche wurde dann in dem 885 Meter hoch gelegene Ort Brückeberg am Fuße der Schneekoppe wieder aufgebaut.

Nach dem Tod von Friederike von Reden 1854 erbte ihre Nichte Marie Karoline von Rotenhan den Besitz, in deren Familie Buchwald bis 1945 blieb. Das Schloß wurde nach 1945 als Schule, Ferienhaus der Universität und des Polytechnikums Breslau, danach Mustergut der dortigen Tierärztlichen Hochschule und als Jugendbegegnungs-stätte genutzt, 1984 wurde in dem Schloß eine Landwirtschaftsakademie errichtet.   

Buchwald um 1710
Buchwald um 1710, Aquarellierte Zeichnung nach 1860
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 331

 

Im Innern des Schlosses konnten inzwischen die wertvollen Stukkaturen des Erdgeschosses restauriert werden. Der einst so berühmte Park von Buchwald ist heute recht verwildert, das Schloß aber in einem verhältnismäßig gutem Zustand. 

Angelika Marsch

Literatur:

 

Günther Grundmann, Hugo Weczerka: Buchwald, in: Hugo Weczerka (Hg.): Schlesien. Handbuch der historischen Stätten. Stuttgart 1977, S. 61f.

Günther Grundmann: Schloß Buchwald und seine Besitzer Graf und Gräfin von Reden, in: Ders.: Kunstwanderungen im Riesengebirge. Studien aus 50 Jahren 11917-1967. München 1969, S. 159-174.

Arne Franke: Die Schlösser im Hirschberger Tal. Ein Überblick, in:  Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien - ein gemeinsames Kulturerbe. Dolina Zamków i Ogrodów. Kotlina Jeleniogórski - wspóle dziedziczwo. Jelenia Góra 2001, S. 321-410, hier S. 331-334.

Reuss, Eleonore: Friederike Gräfin von Reden, geb. Freiin Riedesel zu Eisenach. Ein Lebensbild nach Briefen und Tagebücher, Berlin 1888.

Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien - ein gemeinsames Kulturerbe. Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e.V., Berlin und Jelenia Góra 2002.

 

 

LITERATURHINWEIS
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