Bolkoburg (Bolków)

 

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Auf halbem Weg zwischen Schweidnitz und Hirschberg, am Schnittpunkt der Staatsstraßen 3 und 5 kommt man zum Städtchen Bolkenhain (Bolków), das man im wesentlichen umfährt. Unten im Tal der "wütenden Neisse" angekommen, erhebt sich südlich hoch über dem Tal die Bolkoburg mit dem mächtigen Bergfried und den zinnenbewehrten Mauern. Die dazugehörende Stadt, versteckt sich hinter dem Burgberg und ist gar nicht richtig zu erkennen.
 
Obwohl der Ort erst 1276 urkundlich erwähnt wird, kann man annehmen, daß er schon älter ist, zumal die Nachbargemeinde Alt-Röhrsdorf (Stare Rochowice) zu dem Gebiet gehörte, daß von Kloster Leubus ab 1218 planmäßig besiedelt wurde. Auch die ältesten Bauteile der Pfarrkirche von Bolkenhain stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, so daß man vermutet, daß hier eine deutschrechtliche Gründung evtl. noch vor 1241 erfolgte.
 
1277 wird in einer Urkunde von Boleslaus II. die Burg erstmals als "Hain castrum" erwähnt, die wohl Anfang der 70iger Jahre vom Herzog errichtet worden war. Doch schon ein Jahr nach seinem Tod, ließ sein Nachfolger, Bolko I. von Jauer (-Löwenberg), ab 1279 eine neue Burg errichten, die sein Wohnsitz werden sollte. Wie damals oft üblich, übernahm nun der deutschrechtliche Ort mit seiner Burg die Mittelpunktfunktion von der alten slawischen Kastellaneiburg in Schweinhaus. Der Enkel von Bolko, Bolko II., vererbte das Herzogtum Schweidnitz-Jauer an seine Nichte Anna v. Schweidnitz, die mit Kaiser Karl IV. verheiratet war. Dadurch kam Burg und Stadt 1392 direkt an das böhmische Kaiserhaus. Verwalteten bis dahin Burggrafen den Besitz, z. B. bis 1371 Hans v. Logau und danach Gottsche Schoff, der die Verwaltung wiederum Günzel v. Schweinhaus übergab, so wurde in böhmischer Zeit die Burggrafschaft aufgelöst und man setzte Landeshauptleute ein.

 

Bergfried
 

So wechselten die Burgherren nun sehr oft und manchmal waren auch umstrittene Pfandinhaber dabei, die dem Raubrittertum nachgingen. 1444 belagerten die Hussiten Stadt und Burg, nahmen sie ein und brannten sie nieder. 1463 eroberte sie König Georg v. Podiebrad. Doch schon 1468 wurde sie von Truppen aus Breslau und Schweidnitz besetzt. König Matthias Corvinus aus Ungarn setzte 1475 einen ungarischen Verwalter ein und so zogen immer neue Burgherren auf. 1591 schließlich unter Matthias v. Logau wurde der Besitz in ein Erbgut umgewandelt und 1598 erwarb es Jakob v. Zedlitz, dessen Familie es bis 1700 behielt. Danach kam es zu langen Erbstreitigkeiten und der Hauptgläubiger, das Kloster Grüssau, erwarb die Burg im Jahr 1703. Der Besitz wurde nun nicht mehr ausreichend instand gehalten. Das verschlimmerte sich noch, als 1810 nach der Säkularisation, die Anlage an den preußischen Staat kam und dort niemand mehr wohnte. Nun verfiel die Bolkoburg vollends zur Ruine. Erst Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgten erste Sicherungsarbeiten und 1923 konnte dort ein Frauenhaus, eine Jugendherberge und ein kleines Hei-matmuseum eingerichtet werden. 1945 wurde es vom polnischen Staat übernommen und 1953 eröffnete man das Heimatmuseum wieder, das man jedoch in der Zwischenzeit wieder aufgab.

Wenn man sich die Burg nun genauer ansieht, fällt auf, daß sie vor allem auch als Zitadelle der Stadt gedient hat, denn ihre Befestigungsanlage wurde mit der, der Stadt verbunden. So zog sich die Stadtmauer bis zur Burg hinauf. Dies war früher bei Adelsburgen nicht immer der Fall. Oft waren sich die Burgbesitzer ihrer Untertanen in der Stadt gar nicht so sicher und befestigten die Burg zur Siedlung hin besonders stark. Hier war das anders.

Wenn man heute zur Burg kommt, geht man zunächst durch einen relativ langen Zwinger und betritt dann ein durch ein Tor einen Vorhof, der jedoch offensichtlich erst Anfang des 16. Jahrhun-derts angelegt wurde. Danach geht der Weg weiter steil bergan, an einem kleinen Torbau vorbei, wohl aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und führt erneut an ein Tor, daß wieder in einen Vorhof führt, der jedoch wesentlich enger ist. Erst von dort aus kann man die eigentliche Hochburg betreten und befindet sich dann in einem langen engen Burghof, der nach Westen vom Bergfried, im Süden und Osten von ruinenhaften Wohngebäuden und nach Norden von einer hohen Wehrmauer begrenzt wird. Hier finden wir noch die ursprünglichsten Teile der Burg aus der Erbauerzeit. Dazu gehört auch der Bergfried, Teile der südlichen verfallenen Gebäude und die nördliche Wehrmauer. In der Nordostecke der Burg finden wir noch ein überdachtes Gebäude, das mit einigen Bauteilen sowohl aus dem 13. als auch aus dem 14. Jhdt. stammt. Hier war auch das Heimatmuseum untergebracht. Die Burg erhielt ihr heutiges Aussehen in der Renaissancezeit um 1540, wobei berichtet wurde, daß um 1534 die Burg baufällig war. So rief man unter anderen auch den bekannten Renaissancebaumeister Jakob Pahr nach Bolkenhain "der namentlich am Turm und am Saale vieles baute", wie der Chronist berichtete.

Steigt man heute den Bergfried hinauf, dessen Eingang hoch über dem Burghof liegt und in dessen Keller sich noch das Burgverlies befindet, hat man von der Aussichtsplattform einen herrlichen Rundblick über die Stadt am Fuße des Berges und das umliegende schöne schlesische Land.

Joachim Lukas

Literatur:

 


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