Kynsburg (Zamek Grodno)

Fährt man von Schweidnitz (Swidnica) kommend an der Weistritz entlang in Richtung Bad Charlottenbrunn (Jedlina Zdrój), so kommt man nach Breitenhain (Lubachów), das direkt unterhalb der Schlesiertalsperre liegt. Zweigt man fast am Ende des Ortes von der Hauptstraße ab und fährt zur Staumauer hinauf und am Ostufer des Stausees entlang in Richtung Kynau (Zagórze Slaskie), so taucht hinter einer Straßenbiegung plötzlich hoch über der anderen Seite des Sees, malerisch gelegen, der Bergfried der Kynsburg (Zamek Grodno) auf. Von der Ortsmitte Kynaus aus führt ein breiter Weg zu ihr hinauf. Steht man vor dem Torhaus zur Vorburg, mit seinem wunderschönen Sgraffitoputz, ahnt man, daß man diese Anlage nie gänzlich verfallen ließ.

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Erstmals urkundlich erwähnt, wird die Burg im Jahr 1315, als Burggraf Kilian v. Haugwitz auf dem „Kinsberge“ eine Urkunde für das Marienstift bei Breslau ausstellt. Man nimmt aber an, daß die Anlage bereits Ende des 13. Jahrhunderts von Herzog Bolko I v. Schweidnitz als Grenzsicherung zu Böhmen errichtet wurde. Die Kynsburg wurde von Burggrafen verwaltet, bis sie, wie alle Besitzungen von Jauer-Schweidnitz, 1392 an die böhmische Krone kam. Nun saßen königliche Landeshauptleute auf der Burg, die sich unter anderem auch gegen die Hussiten wehren mußten. Nach diesen Kriegen erfolgte ein sozialer Abstieg und die Burg wurde unter den Geschlechtern Mühlheim und Cettritz ein Raubritternest. Erst als Matthias v. Logau die Fürstentümer Schweidnitz und Jauer als Pfandbesitz erhielt, wurde gestattet, daß an den bereits baufällig gewordenen Gebäuden der Burg Reparaturarbeiten in Höhe von 500 rheinischen Gulden durchgeführt wurden. Daran erinnert ein Stein mit der Jahreszahl 1551 und dem Monogramm M. v. L. Bei dieser Baumaßnahme wurde die Anlage wieder bewohnbar gemacht. Der Sohn von Logau, Kaspar, war Bischof v. Breslau und Landeshauptmann. Das vordere Tor der Hochburg dürfte von ihm errichtet worden sein, da über ihm der kaiserliche Adler mit der Mitra zu sehen ist. Auch das Torhaus der Vorburg mit dem oben schon angesprochenen Sgraffitoputz könnte auf seine Initiative zurückzuführen sein. Obwohl er bereits 1568 seinen Erbteil an seinen Bruder Georg abgab, unterstützte er offensichtlich auch weiterhin die Instandsetzungsarbeiten. Als Georg 1587 in Geldschwierigkeiten kam, schätzte man die Bausumme, die in die Burg geflossen war, mit 9795 Talern. Dabei wurden nicht nur umgebaut und instandgesetzt. In der Niederburg wurden Neubauten, so wahrscheinlich auch das Torhaus, neu errichtet. In dieser Zeit dürfte die Burg ihren Renaissancecharakter erhalten haben.

 

Modell

 

1602 wird schon wieder von defekten Dächern berichtet und 1607 verkauft der Kaiser nach 200 Jahren die Burg an den Freiherren v. Fünfkirchen, der gibt sie gleich weiter an den früheren Burghauptmann von Kuhl und der wiederum an den Reichsgrafen Johann Georg v. Hohenzollern-Sigmaringen. Über dessen Tochter kam der Besitz an die Familie Rochow. Und so trugen sich nach 1679 die Namen Eben und v. Winterfeld bis hin zur Familie derer v. Lieres auf Wilkau (ab 1753) in die Eigentümerliste ein. Doch die Burg wurde immer baufälliger und auch die Wasserversorgung machte Schwierigkeiten, so daß man sie ab 1774 als Dauerwohnsitz aufgab. 1789 stürzte dann ein Teil der Ringmauer ein.

 

 

Torhaus

 

1823 erwarb Professor Johann Gustav Büsching die Burg und schützte sie vor dem gänzlichen Verfall, da er sich um die Erhaltung schlesischer Altertümer bemühte. Im Giebelhaus über dem ersten inneren Haupttor richtete er sich eine Wohnung ein. Nach dessen Tod erwarb sie 1840 Friedrich v. Burghaus und so kam die Kynsburg über den Erbgang an die Familie v. Zedlitz, die den bekannten Burgrestaurator Bodo v. Ebhardt in den Jahren 1907-29 beauftragte, den Baubestand zu sichern und eine schonende Restaurierung durchzuführen. Ebhardt ist es zu verdanken, daß auf der Kynsburg ein kleines Museum eingerichtet wurde, daß das Leben auf einer mittelalterlichen Burg und deren Geschichte darstellte. 1945 wurde die Burg ausgeplündert. Inzwischen hat man sich jedoch bemüht, wieder in einem kleinen Museum entsprechende Gegenstände zu zeigen und die Burggeschichte darzustellen. Die alten und ursprünglichen ‚Exponate waren aber teilweise nicht mehr aufzufinden und so konnte der ursprüngliche Zustand nicht wieder hergestellt werden.

 

Die Burganlage hat mit einer Ausdehnung von ca. 100 - 25/30 m eine respektable Größe. Man betritt den Hof der Niederburg durch das mit Sgraffitoputz geschmückte zweigeschossige Torhaus. Er wird umschlossen von Resten der Wehrmauer, die durch einige halbrunde, noch erkennbare Bastionen verstärkt wird. Auf der langen Südseite des Hofes sind noch Reste der Stallungen und der Wirtschaftsgebäude zu erkennen. Auf der Nordseite befindest sich ein kleines Restaurant mit einer überdachten Sommerhalle. Nach Osten mündet der Hof in den schützenden Graben der Hochburg.
Wendet man sich im Hof der Niederburg nach Osten, so führt ein ansteigender Weg zur Hauptburg, wobei auf halbem Weg eine Brücke zum Obergeschoß des unteren Torhauses führt.
Das zweigeschossige Torhaus zur Oberburg beherbergt über dem Zugang die Burgkapelle. Das Renaissanceportal mit Säulen eingerahmt, zeigt oben einen Doppeladler, der rechts und links von je einem Greifen flankiert wird. Durchquert man einen kleinen Zwischenhof, so gelangt durch das Renaissanceportal in den ehemals viergeschossigen Palas. Zunächst kommt man an einem Kellerraum vorbei, in dem ein Skelett sitzt und offensichtlich das Verlies andeuten soll. Danach kann man links durch eine Tür in den fast quadratischen Burghof der Oberburg kommen. In der Mitte befindet sich der tiefe Brunnen, während beim Westflügel lediglich nur noch die Außenmauer zur Unterburg steht.

 

Bergfried

 

Kehrt man in den Palas zurück so kommt man in einen großen eingewölbten Raum mit einem Kamin und einer holzvertäfelten Wand. Vor diesem Zimmer führt eine breite steinerne Treppe ins 1. Obergeschoß, das zugleich auch das letzte begehbare Geschoß der Burg ist.. Man durchquert mehrere hintereinanderliegende Räume, die teilweise ausgestattet sind und kommt dann zur Treppe des Bergfrieds, der sich schon fast über dem Abgrund hängend auf der Südostseite der Anlage befindet. Seinen achteckigen Turmaufsatz hat er nach einem Blitzschlag 1686 erhalten. Von dort oben hat man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick über das Waldenburger Bergland bis hin zum Riesengebirge und auf der anderen Seite sieht man zu Füßen der Burg den Stausee der Schlesiertalsperre liegen. Der Weg zum Ausgang führt nun durch den Ostflügel über eine Treppe hinunter zum Burghof der Oberburg.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Paul Keller 1902 hier auf der Kynsburg seinen Roman „Waldwinter“ schuf. Der Verfasser dieser Beschreibung kann sich noch erinnern, dass man ihm 1942, während eines Urlaubs in Kynau den Schreibtisch es Schriftstellers in einem der Zimmer der Burg zeigte.

                       

Joachim Lukas

 

 

 

Literatur

 

 

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