Fürstenstein (Książ)

Die Gründung des Fürstenstein 1168 durch Herzog Boleslaus IV. Crispus (Kraushaar) von Krakau läßt sich urkundlich nicht belegen und ist auch sonst nicht vertretbar. Wahrscheinlich ist, daß die "Nuburg", die in einer zwar zu 1228 gefälschten, aber doch vor 1268 entstandenen und daher inhaltlich wohl zuverlässigen Urkunde auf Polsnitzer Gebiet erwähnt wird und in Freiburg zu suchen ist, von Herzog  Bolko I. von Schweidnitz (1291-1301) auf den höher gelegenen "Fürstenberg" verlegt wurde, da die Lage der  "Nuburg", später "Vriburg" genannt, den Anforderungen einer Schutzburg nicht mehr genügte. Möglicherweise hat der Fürstenstein einen Vorgänger gehabt. Er hätte dann mit der "Vriburg" und der Zeisburg das Polsnitztal beherrscht.


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Schloß Fürstenstein
Schloß Fürstenstein. Kolorierter Kupferstich von Friedrich Gottlieb Endler
Stiftung Kulturwerk Schlesien

 

Der Fürstenstein war Stammburg der Herzöge von Schweidnitz, die sich in der Frühzeit nach ihr nannten. Zu seinem Burgbezirk gehörten (Bad) Salzbrunn, Polsnitz, Zirlau und die Stadt Freiburg. Nach dem Tod des Herzogs Boleslaus II. (1368) muß die Herzogin-Witwe Agnes Fürstenstein bald veräußert haben, obwohl sie bis zu ihrem Tod (1392) die Regierung innehatte. 1368 verkaufte Ilse Parchwitz Fürstenstein an Benesch von Chusnik, 1401 ging Fürstenstein an Janco von Chocziemiecz über, der Fürstenstein ab 1430 mit seinem Schwiegersohn Hermann von Czettritz, seit 1437 auf Schwarzwaldau, gemeinsam besaß. Von dessen Sohn Hans erwarb König Georg von Podiebrad 1464 Fürstenstein, um seine Position gegenüber Breslau zu stärken. Die Verwaltung übernahmen die Heerführer Birka von Nassidel und 1466 Hans von Schellendorf.

 1482 eroberte der Heerführer des Königs Matthias, Georg  von Stein, mit Hilfe der Schweidnitzer Bürger den Fürstenstein. Als Landeshauptmann von Schweidnitz residierte er auf Fürstenstein. Als Burghauptmann folgte 1484 Friedrich von Hoberg, 1497 ging Fürstenstein mit Freudenburg und Hornschloß als Pfandbesitz an den böhmischen Kanzler Johann von Schellenberg über. 1503 - 1509 gehörte die Burg denen von Haugwitz. 1509 wurde Fürstenstein von Konrad von Hoberg erworben, dem Angehörigen eines seit 1312 in Schlesien ansässigen Geschlechts, das sich später Hohberg und schließlich seit 1740 endgültig Hochberg schrieb, 1650 zu Freiherrn, 1666 zu Grafen und 1683 zu Reichsgrafen erhöht wurde. Der Pfandbesitz Fürstenstein mit Freudenburg und Hornschloß ging 1605 in erblichen Besitz der Familie Hohberg über, die damit zum bedeutendsten Grundherrn des Waldenburger Berglandes wurde. 1535 bis 1545 hatten die Hobergs auch die Herrschaft Kynsburg als Pfandbesitz inne.

1738 erwarb der Reichsgraf Konrad Ernst Maximilian von Hochberg die Stadt Waldenburg und Ober Waldenburg mit dem Schloß. 1772 wurde Fürstenstein Fideikommiß, 1840 Freie Standesherrschaft. 1847 erbte Reichsgraf Hans Heinrich X. von Herzog Heinrich von Anhalt-Köthen das Fürstentum Pleß. Fürst Hans Heinrich XI. erwarb 1871 aus der ehemaligen Herrschaft Neuhaus Neuahaus, Dittersbach, Althain und Anteil Bärengrund. 1882 wurde die Verwaltung der niederschlesischen Besitzungen (Landwirtschaft, Forsten, Bergwerke, fürstliche Patronate, soziale Einrichtungen und das Bad Salzbrunn) nach Ober Waldenburg verlegt. Die Graf-Hochberg-Grube wurde 1876 mit weiteren elf im Besitz des Fürsten befindlichen Gruben zu den "Cons. Fürstensteiner Gruben" zusammengeschlossen, später entstand daraus die "Waldenburger Bergwerks AG". Als "Bolesław-Chrobry-Gruben" wurden sie nach 1945 als Teil der "Niederschlesischen Vereinigung der Kohlenindustrie" dem Ministerium für Bergbau und Energiewirtschaft in Warschau unterstellt.

 

Der Maximilianssaal
Der Maximilianssaal
Aus: Mariola Malerek (Hrsg.): Schloß Fürstenstein, Dülmen 1994, S. 60

 

Kernstück der Schloßanlage ist der Bergfried, der in seinem quadratischen Unterteil zu den ältesten Teilen gehört; die neubarocke Haube stammt aus dem 19. Jahrhundert. Lediglich der Grundriß dürfte auf die älteste Anlage zurückgehen, das heißt die ovale Anordnung der Gebäude um den Bergfried. Die einzelnen Gebäudekomplexe stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die fünfgeschossigen Schloßflügel mit dem dazwischenliegenden Treppenhaus wurden 1722 bis 1724 in einem gemäßigten Barock aufgeführt. Architekt war Felix Anton Hammerschmied (-1762), Steinmetzarbeiten sind von Johann Schwibs aus Schweidnitz, die Deckenmalereien von Felix Anton Scheffler (1701-1760). Balkon und Terrasse an der Süd-Seite sind das Werk von Georg Heinrich Friedrich Hitzig (1811-71).

Während des 2. Weltkrieges bestanden Pläne, Fürstenstein zum Führerhauptquartier auszubauen. Umfangreiche Veränderungen wurden durch die "Organisation Todt" vorgenommen. Im Krieg erlitt Fürstenstein keinen Schaden, wurde aber 1945-1960 öfters geplündert und ausgeraubt. Verschiedene Pläne der polnischen Regierung (Kinderheim, Touristenhotel, Museum) sind bis jetzt noch nicht bis jetzt noch nicht verwirklicht worden. Die Alte Burg ist eine künstliche Ruine in den Formen der Theater-Gotik, die von Christian Wilhelm Tischbein (1751 bis 1824) entworfen und 1794 fertiggestellt wurde. Hier fanden im August 1800 mittelalterliche Turnierspiele in Anwesenheit von König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen  statt. Nach 1945 ist das Alte Schloß unter ungeklärten Umständen abgebrannt und verfallen.

Joachim Köhler

Literatur

John W. Koch: Schloß Fürstenstein. Erinnerungen an einen schlesischen Adelssitz. Eine Bilddokumentation. Würzburg 1989.

Beispieltext für nicht öffentlichen Gebrauch von Joachim Köhler in: Hugo Weczerka (Hg.): Schlesien (Handbuch der Historischen Stätten) Stuttgart 1977, S. 112-114.

 

LITERATURHINWEIS
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