Erdmannsdorf (Mysłakowice)

Der Ort Erdmannsdorf (Mysłakowice) wird 1305 erstmals erwähnt, doch ist über die Ursprünge des Schlosses wenig bekannt. Das heutige Schlosses geht wohl auf das 18. Jahrhundert zurück. Maximilian Leopold von Reibnitz ließ den Vorgängerbau 1751  zu einem zweigeschossigen Schloß von dreiflügeligen Grundriß im barockem Stil umbauen  1759 erwarb es Karl Friedrich von Kottwitz, 1761 Gottlieb von Richthofen, danach Wilhelm von Kalckreuth.

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Nach dem Ende der Befreiungskriege gegen Napoleon ließ sich der pensionierte Feldarschall Neidhardt Graf von Gneisenau im Hirschberger Tal nieder, genauer gesagt, er tauschte 1816 sein Gut Mittel-Kauffung im Kreis Schönau gegen Erdmannsdorf ein. Über den Erwerb notierte er: "Die Gegend ist himmlisch, die Mittagseite (zur Schneekoppe) großartig, die Mitternachtsseite höchst lieblich. Da sind Wälder und Teiche und Waldung und die schönsten Wiesen. Ich hoffe, mit einigen Verstandesanstrengungen eines der schönsten Güter zu bilden, das die Erde hat."

 

Außenansicht
Außenansicht
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 379


Gneisenau ließ die verfallenen Wirtschaftsgebäude abtragen und übertrug dem Architekten Josef Raabe die Umbauten des Schlosses. Um Raum für seine große Familie zu gewinnen - Gneisenau hatte sieben Kinder - wurde der zweigeschossige Bau  um ein weiteres Stockwerk erhöht und der U-förmige Hof in einen Wintergarten mit fünf hohen Bogentüren und einem Pflanzgarten im ersten Stock umgebaut. Auf dem Dachfirst errichtete man ein Belvedere mit aufgesetzter Kuppel.

Nach dem Tod Gneisenaus 1831  kaufte am 21. August 1832 König Friedrich Wilhelm III. von den Erben Gneisenaus die Herrschaft Erdmannsdorf für 136 000 Thlr. Noch im gleichen Jahr besuchte Schinkel erstmals Erdmannsdorf, um sich mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Es wurden vor allem Sanierungsarbeiten durchgeführt und der hufeisenförmige barocke Schloßbau neu verputzt und in den Lieblingsfarben des Königs Hellblau-Hellgrau gefaßt sowie das Innere neu möbliert. Den Biedermeier-Salon der Möblierung durch Schinkel gibt es noch heute. Er wird in dem Schlesischen Museum in Görlitz gezeigt. Unter Schinkels Leitung wurde südwestlich des Schlosses 1834 auch ein schlichtes zweistöckige Kavalierhaus im klassizistischen Stil errichtet.

Das Erscheinungsbild der Bauten von  Erdmannsdorf in den dreißiger Jahren war nicht nur von Schinkel bestimmt, sondern auch von Friedrich Wilhelm III. Der sparsame König, der den guten Geschmack als einen strengen, im wesentlichen klassizistischen auffaßte, hat von sich aus niemals bei Profanbauten gotische Stilformen gewählt. Er wollte auch in Erdmannsdorf, wie in Paretz, als schlichter Landedelmann leben.

1836 hielt sich der Königliche Gartendirektor Peter Lenné in Erdmannsdorf  auf und stellte einen Bepflanzungsplan für den zu schaffenden Schlosspark auf. Die Ausführungen wurden dem Königl. Hofgärtner Teichler übertragen.
Friedrich Wilhelm III. hatte Erdmannsdorf schon mehrfach unter der Zeit Gneisenaus besucht. Doch als Eigentümer  kam er erst im August 1835 angereist. Bereits in Hirschberg wurde der König mit reich geschmückten Ehrenpforten und Gedichten begrüßt. Die Geistlichkeit beider Konfessionen, die Behörden der Stadt sowie andere hohe Standespersonen erwarteten die Reisenden vor dem Rathaus. Glockengeläut kündete den Einzug an, Tausende von Menschen waren aus allen Teilen des Gebirges gekommen.. Und als es Abend wurde, leuchteten von den Bergen Freudenfeuer.

Danach reiste man weiter nach Erdmannsdorf. Kaiserin Alexandra Feodorowna (Charlotte) von Rußland, die Tochter des Königs, war aus diesem Anlaß gekommen, Prinz Carl von Preußen, Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser, Erbherzog von Mecklenburg, Prinz Friedrich der Niederlande mit Prinzessin Luise, der jüngsten Tochter des Königs, der Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., Prinz  Albrecht, Herzog Carl von Mecklenburg und Erzherzog Johann v. Österreich, Bruder Kaiser Franz I.

 

Kirche
Kirche in Erdmannsdorf, Lithographie von Carl Mattis, nach 1840
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 242



Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm III. am 7. Juni 1840 erbte seine zweite Gemahlin, Fürstin Liegnitz, Schloß Erdmannsdorf. Sie verkaufte es jedoch sehr schnell dem neuen König, der ihr dann auf dem Gelände der Schloßanlage ein Haus im Schweizer Stil erbauen ließ. Friedrich Wilhelm IV besuchte bereits vom 15.-25. August 1840, d.h. vor der  Huldigungngsfeier am 8. September in Königsberg, zusammen mit Stüler, dem Direktor der Schlossbaukommission, die Königliche Kron Fideicommiss Herrschaft Erdmannsdorf, wie die offizielle Bezeichnung lautete. Aus diesem Anlaß war auch die Familie gekommen, selbst die Zarin aus Russland.

Nun erfolgte die maßgebende Umgestaltung des Schlosses im Stil der englischen Gotik. Schinkel war inzwischen erkrankt und so wird angenommen, dass der Umbau des Schlosses ausschließlich auf Stüler zurückgeht. Zu den wesentlichsten Veränderungen zählt der westliche Turm mit Aussichtsplattform, der den weiten Blick auf das Riesengebirge freigibt und der angeschobene siebenachsige Speisesaal, an die Stelle des wenige Jahre zuvor errichtete Kavalierhauses. Die 1841-44  ausgeführten Bauten erfolgten unter der Leitung des Baumeisters Hamann. Die gesamte Innendekoration wurde stilistisch angepaßt.

Nach Fertigstellung der Umbauten blieb das Schloß Sommersitz der königlichen Familie. 1888 bewohnte Prinz Heinrich, Sohn des im gleichen Jahr verstorbenem Kaiser Friedrich III. kurzzeitig das Schloß, danach eine Schwester Charlotte von Sachsen-Meiningen. 1909 wurde das Fideikommissgut aufgelöst und das Schloß für 1.050.000 Mark an Amtsrat Richter in Schönau bei Neumarkt verkauft  und das gesamte Inventar versteigert. Wenig später erwarb es die Familie Rudolf, die es bis 1945 besaß.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloß zunächst von der Roten Armee genutzt. Ab 1951 diente es als Schulgebäude. Erst 1980 kam es auf die Liste des Denkmalschutzes. Während das Schloß seinen äußeren Charakter annähernd behielt,  wurde es im Innern stark umgebaut und die historische Raumaufteilung damit zerstört. Heutiger Eigentümer des Schlosses ist die Gemeinde Erdmannsdorf. Die Villa Liegnitz wurde 1959 umgebaut und die charakteristischen umlaufenden Balkone abgerissen.

Angelika Marsch

Literatur:

Theodor Donat. Erdmannsdorf. Seine Sehenswürdigkeiten und Geschichte. Hirschberg 1887.
Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien - ein gemeinsames Kulturerbe. Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e.V., Berlin und Jelenia Góra 2002.

 


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