Schweinhaus (Świny)

DiashowBildergalerie schweinhaus

Der Weg nach Hirschberg (Jelenia Gora) führt mittendurch den Ort und nach ca. 16 km führt uns eine kurvenreiche Straße hinunter in das Dorf Schweinhaus (Swiny). Schon bald sieht man links der Straße auf der Anhöhe die Ruine der Burg Schweinhaus. Das slawische "Swiny" bedeutet Wildschwein, und so hieß auch die Burg. Das Besitzergeschlecht nannte sich später nach dem Besitz. So wird 1288 ein "Johann de Swyn" urkundlich als Besitzer der Anlage erwähnt. Dieser Name wandelte sich mit der Zeit und so nannte man sich im 14. Jhdt. "Schweinichen".

In der Burg hing über viele Jahre ein barockes Bild, daß die Gründungssage dieses Geschlechtes festhielt: Danach soll ein Ritter Biwoy im Jahr 716 beim Spazierengehen ein Wildschwein lebendig bei den Ohren gefangen haben und es der damals in Böhmen regierenden Herzogin Libussa zu Füßen gelegt haben. Man schenkte ihm daraufhin einen goldenen Gürtel und die Schwester der Herzogin, Prinzessin Kasia, heiratete ihn. Auf seinem neuen Wappen war ein "Swinka" zu sehen, was mit "Säulein" übersetzt wird. Damit wollen wir das Geschlecht der Schweinichen, dem auch ungeheure Trinkfestigkeit nachgesagt und in manchem Spottlied besungen wurde, zunächst verlassen und uns der Burg zuwenden.

 

Luftaufnahme
Luftaufnahme
Aus: U. Reuschling: Schlesien heute in Luftbildern, Leer 1994, S. 102

Das Geschlecht der Schweinichen ist gemäß der Gründungssage wohl sehr alt und auch die Burg dürfte schon im 10., mit Sicherheit aber im 11. Jhdt. bestanden haben. Die Cosma-Chronik aus Prag berichtet, daß 1108 sich der böhmische Stammesfürst Mutina v. Böhmen nach "Zuinii in Polonia" begeben hätte, um dort mit seinem Onkel politische Dinge zu beraten. Damit war wahrscheinlich Schweinhaus gemeint und so wäre die Burg eine der ältesten Anlagen Schlesiens. Gestützt wird diese Annahme durch polnische Archäologen, die in unmittelbarer Nähe der Burg eine Verteidigungsanlage aus Holz ausgegraben haben, die ein Hinweis auf die ursprüngliche Anlage sein könnte, nachdem zur damaligen Zeit derartige Befestigungsbauten in Holz aufgeführt wurden.

1155 wird Schweinhaus unter dem Namen "Suini" als Kastellansitz erwähnt und war so der Verwaltungsmittelpunkt für die umliegenden Dörfer. Die Burg dürfte dabei als vorgeschobener Posten, hart an der Grenze des damals noch dichten Grenzwaldes, des sog. "Hag" oder der "Preseka", zu Böhmen gelegen haben.

1230 und 1248 noch als Kastellaneiburg erwähnt, verlor sie in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ihre überörtliche Bedeutung an das deutschrechtliche Bolkenhain, das nur wenige km südwestlich von Schweinhaus entfernt liegt. Die Burg blieb jedoch das Stammschloß der Schweinichen, die es bis ins 17. Jhdt. hinein immer wieder renovierten, ausbauten und erweiterten. Somit wandelte sich die gotische Burg zu einem eindrucksvollen Renaissanceschloß mit schon frühbarocken Zügen. 1702 starb das Geschlecht aus und ab 1713 gehörte es dem Schwiegersohn des Grafen Ernst, Heinrich v. Schweidnitz. Ihm folgte 1769 der preußische Staatsminister Churschwand und über dessen Witwe kam die Burg schließlich an die Familie der Reichsgrafen v. Hoyos-Sprinzenstein, die sie bis 1945 behielten.

Die Burg wurde seit 1769 nicht mehr bewohnt und verfiel daher. Dächer, Giebel, Decken und sogar Kellergewölbe stürzten ein. Erst ab 1936 wurde dem Verfall Einhalt geboten und man überdachte den Wohnturm notdürftig. Heute stehen wir vor einer eindrucksvollen Ruine, deren Mauern uns von einer mehr als 900jährigen Vergangenheit erzählen.

Steigt man zur Burg hinauf, so steht rechter Hand, in die Befestigung der Vorburg mit einbezogen, die Nikolauskirche. Obwohl sie erst 1318 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist sie wahrscheinlich schon wesentlich früher entstanden und könnte die einzige Kirche slawischen Rechts im Vorland des Gebirges zwischen Jauer und Landeshut gewesen sein. Der heutige Kirchenbau dürfte um 1570 entstanden sein und birgt viele Grabdenkmäler des Geschlechtes der Schweinichen.

 

Eingangsgebäude
Eingangsgebäude (ab 1. OG Ruine) mit östlichem Begrenzungsturm
Foto: Joachim Lukas

Nach der Durchquerung der Vorburg führt die frühere Zugbrücke, zur sog. Niederburg. Das Torhaus mit einer zweiflügeligen Durchfahrt und einer Fußgängerpforte, eingerahmt von je einem schönen Renaissancegewände, ist in ein ehemals drei- bis viergeschossiges Wohngebäude eingebunden, das rechts und links von je einem runden Streichwehrturm flankiert wird und wohl um 1620 entstanden sein dürfte. Nach der Durchfahrt steht man im Burghof und rechter Hand ragt die sog. Hochburg auf, mit dem aus dem wahrscheinlich aus dem 14. Jhdt. stammenden fünfgeschossigen Wohnturm, als ältestem Teil der Anlage. Wir finden hier den einzigen Wohnturm Schlesiens, der auf einem Berg und nicht im Tal steht. An ihn ist nach Südwesten ein schräggeschnittener Treppenturm mit einem weiteren Gebäude angebaut, beides ist wahrscheinlich erst im 17. Jhdt. entstanden. Im Treppenturm sind lediglich Reste der ehemaligen Stiege erhalten. Der Wohnturm hat seine sämtlichen Zwischengeschosse verloren und nur horizontal angeordnete Balkenlöcher unter den Fenstern erinnern daran, dass sich hier einzelne Geschosse befunden haben. Die Fensternischen weisen noch Stuckornamente auf, die erahnen lassen, wie reich dieses Bauwerk ausgestattet sein mußte.

Das relativ weitläufige Plateau des Burghofes ist mit einer Mauer abgesichert, deren Ecken durch Streichwehrtürme verstärkt wurden. Nach Westen, zum Tal hin, wurde in den Wall noch zusätzlich eine geometrische Bastionierung eingefügt. Von hier oben aus hat man einen herrlichen Fernblick in das schlesische Land, zur Burg Bolkenhain und weiter bis zu zum Bober-Katzbachgebirge und das Waldenburger Bergland.

Nach Auskunft des Burgwächters im Februar 2004 soll sich die Anlage wieder in privater Hand befinden, wobei auch die Familie Hoyos, die ehemaligen Besitzer der Burg, wieder ihren Anteil hat.

 

Joachim Lukas

 

Literatur

 

 

Mehr zu Schweinhaus

 

 

LITERATURHINWEIS
Bolkoburg (Bolków)
Buchwald (Bukowiec)
Erdmannsdorf (Mysłakowice)
Fischbach (Karpniki)
Fürstenstein (Książ)
Gröditzburg (Grodziec)
Johannisberg (tschech. Janský vrch)
Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki)
Kynast (Chojnik)
Kynsburg (Zamek Grodno)
Lomnitz (Lomnica)
Schweinhaus (Świny)
Breslau (Wrocław)
Brieg
Carolath
Liegnitz
Oels
Pleß
Tzschocha