Kynast (Chojnik)

Fährt man von Hirschberg (Jelinia Góra) nach Bad Warmbrunn (Cieplice ¦laskie Zdrój) und durchquert den Ort, so kommt man nach wenigen km nach Hermsdorf (Sobieszów). In der Ortsmitte stößt man auf eine Vorfahrtsstraße, auf der man nach links in Richtung Schmiedeberg (Kowary) und Krummhübel (Karpacz) abbiegt. Nach ca. 100 m biegt man nach rechts in einen Parkplatz ein, stellt das Auto ab und begibt sich zu Fuß durch den dortigen Naturschutzpark in Richtung der Burgruine Kynast (Zamek Chojnik).

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Man folgt am besten der roten Wegweisung, da dies zwar der längere, aber dafür der angenehmere Weg ist. Nach einem Aufstieg von ca. 45 Minuten steht man dann wohl vor der bekanntesten Burg Schlesiens mitten im Riesengebirge, die dazu noch äußerst malerisch auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Granitfelsen errichtet wurde.

Das genaue Datum ihrer Entstehung ist nicht bekannt. so vermutet man, daß vielleicht Herzog Bolko I. von Jauer-Löwenberg und später auch von Schweidnitz, auch als „Burgenbauer“ (siehe auch Bolkenhain u. Kynsburg) bekannt, die Anlage hart an der Grenze zu Böhmen hin, errichten ließ. Eine Urkunde aus dem Jahr 1292 könnte darauf hinweisen. Dies ist jedoch nicht unbestritten. Denn im Vermächtnis von Bolko II. an seine Nichte Anna im Jahr 1353 wird die Burg im Gegensatz zu anderen Besitzungen, nicht erwähnt. Erst im Erbvertrag von 1364 zwischen Kaiser Karl IV. und Markgraf Otto v. Brandenburg erfolgt erstmals die eindeutige urkundliche Erwähnung. Es könnte aber sein, daß die Burg vorher verpfändet war. So wird von einem Thimo VIII. von Colditz, einem hohen Beamter des Kaisers berichtet, daß er auf dem „Hertenberge“ bei Hirschberg eine Feste besaß und seit 1355 Landvogt der Oberlausitz war. Nachdem die Erhebung bei Hermsdorf, auf dem die Burg steht, als Heerdberg bezeichnet wird oder wurde, stellte man einen sprachlichen Zusammenhang her und vermutet, daß diese Feste mit dem Kynast identisch sei, zumal die Herren von Colditz auch die Burg auf dem Zobten über 60 Jahre lang in Pfandbesitz hatten.

Um 1381 scheint dann der Ritter Gottsche Schoff II. die Burg erworben zu haben und wird in den Annalen auch als Fundator bezeichnet. Er hat die wahrscheinlich schon baufällig gewordene Burg wieder hergestellt und erneuert. In einer Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1393 vom Breslauer Bischof Wenzel wird die Burg mit „nova Domus“, also das „neue Haus“ bezeichnet. Somit dürfte klar sein, daß Gottsche Schoff umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt hat, bzw. die eigentliche Hochburg mit dem Bergfried gegen Ende des 14. Jahrhunderts neu errichten ließ. Der Palas soll sogar erst Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden sein, was anhand eines Wappens vermutet wird, das sich am Kapellenerker befindet und von der Familie erst gegen 1430 verwendet wurde. In der Folgezeit hat das Adelsgeschlecht, das sich später Schaffgotsch nannte, die Burg bewohnt und sie zu ihrem Stammsitz erwählt, wobei es zu umfangreichen Ausbaumaßnahmen kam. Aufgrund neuer Waffentechniken im 16. und 17. Jahrhunderts mußten die Wehranlagen umgebaut und erweitert werden. So entstanden zusätzliche Türme, Bastionen, aber auch eine neue weitausragende Bastei mit Hof wurde angelegt, um Feinde von den Mauern der Burg fernzuhalten. Doch die Schaffgotsch hatten sich nicht nur der Feinde zu erwehren, sie mußten auch ihre Besitzungen verwalten, zu denen inzwischen 16 Güter gehörten, so u. a. die Orte Hermsdorf, Petersdorf, Herischdorf, Bad Warmbrunn, Schreiberhau usw. So kam es, daß im unteren inneren Burghof im 16. Jahrhundert eine Gerichtskanzlei errichtetet wurde, zu der wahrscheinlich auch die heute noch bestehende Staupsäule (Pranger) inmitten des Hofes gehörte. In diesem Areal hatten auch die Küche und die Bäckerei neben den Mannschaftsräumen ihren Platz gefunden. 1588/89 wurde dann noch der Bergfried mit einem Fachwerkaufsatz und einer Zwiebelkuppel versehen. Am 31. August 1675 legte ein Blitz die ganze Burg in Schutt und Asche. Die Schaffgotsch, inzwischen in den Reichsgrafenstand erhoben, bauten die Anlage nicht wieder auf, da man zu dieser Zeit bereits im Tal viel bequemer lebte. Man zog nach Bad Warmbrunn (Cieplice Sl±skie Zdrój) und wohnte zunächst im Alten Schloß, bis man von 1784-1809 den heute noch bestehenden spätbarocken, schon dem Empire zuneigenden Schloßneubau errichtete.

 

Luftaufnahme
Luftaufnahme
Aus: H. Trierenberg: Reisewege zu historischen Stätten in Niederschlesien, Dülmen 1996, S. 30

Seit 1675 ist der Kynast eine Ruine, die wohl zu den romantischsten Schlesiens gehört. Auf einem Plateau von ca. 70 x 70 m erhebt sich die gesamte Burganlage, die ähnlich wie auch die Kynsburg, äußere und innere Verteidigungsanlagen aufweist und durch mehrere Höfe in verschiedene Abschnitte gegliedert ist. So ist der äußere Hof für uns heute eigentlich gar nicht mehr erkennbar. Lediglich das heutige Kassenhäuschen erinnert an die äußere Torbastei. Danach gelangt man durch das Haupttor in einen kleineren Hof, in dem das Kommandantenhaus der Pferdestall und einige andere Dinge untergebracht waren. Erst dann kommt man in den dritten Hof, der mit den schon oben genannten Gerichts- und Wirtschaftsgebäuden direkt unterhalb der eigentlichen Hochburg liegt. Eine steile Steintreppe, durch zwei hintereinanderliegende Tore, eines davon unterhalb der Kapelle, führt dann in den Hof der Hochburg. Um diesen gruppieren sich der Palas, die Kapelle und der Bergfried.

Schließlich soll die Sage von der schönen Kunigunde auf dem Kynast nicht vergessen sein. Als stolzes und schönes Edelfräulein wollte sie nur einen Mann angehören, der es schaffte, unterhalb ihres Söllers auf der schmalen Burgmauer entlang zu reiten und ihr dreimal zuzuwinken. Nachdem diese Burgmauer über einem steilen Abhang stand, wagte es keiner und wer es tat, der stürzte in den Tod. Einem Ritter aber gelang es doch. Kunigunde wollte ihn danach in die Arme schließen. Er verabschiedete sich jedoch und ritt davon, weil er glaubte, daß ein Mensch, der so eine Forderung stellt, kein gutes Herz haben könnte. So mußte das Edelfräulein unverheiratet und allein auf ihrer Burg bleiben.

 

 

 

 

Literatur

 

 

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