Johannisberg (tschech. Janský vrch)

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Eine Burg Jawirnik in Schlesien wurde erstmals im Jahre 1307 urkundlich und in den Händen des Herzogs Bolko I. von Schweidnitz erwähnt. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Burg schon vor 1255 bestanden hat. Durch ihre Lage am Übergang nach Böhmen, zum Glatzer Kessel, erlangte sie größere Bedeutung, da Schlesien lange ein Zankapfel zwischen Böhmen und Polen war. Die Burg gehörte zum Neisser-Ottmachauer Land (später Fürstentum Neisse), über das der Bischof von Breslau 1290 die volle Landeshoheit erlangte. Gemeinsame Besitzer seit 1348 waren der Schweidnitzer Fürst Bolko II und der Breslauer Bischofs Preczław von Pogarell (1342-1376) und nach dem Ableben Bolkos 1368 – wie es ein Vertrag vorsah – alleinig die Breslauer Bischöfe, die dann das Eigentum fast ununterbrochen bis 1945 behaupten konnten. Im Jahre 1428 wurde die Burg von den Hussiten erobert und teilweise zerstört. Nach ihrem Abzug ließ Bischof Konrad, Herzog von Oels (1417-1433 und 1445-1447), der eine erneute Besetzung fürchtete, die Burg abreißen. In den Jahren 1490 bis 1509 wurde die Anlage unter den Bischöfen Johannes IV. Roth (1482-1506) und vor allem Johannes von Turzo (1506-1520) wiedererrichtet und zu einem Schloss im spätgotischen Stil ausgestaltet, wovon zwei Sandsteintafeln aus der Kremsierer Werkstatt Francesco Fiorentinos Zeugnis ablegen. Seit dieser Zeit führt das Schloss den Namen Johannesberg, nach den beiden Bischöfen und dem Namenspatron der Breslauer Bischofskirche und Diözese, dem hl. Johannes dem Täufer. Im Dreißigjährigen Krieg und in den schlesischen Kriegen im 18. Jahrhundert nahm das inzwischen durch Schanzanlagen verstärkte Schloss beträchtlichen Schaden. Die Umgestaltung der Gesamtanlage und die Verwandlung in ein Barockschloss fiel in die Zeit der Bischöfe Philipp II. Gotthard Graf von Schaffgotsch (1748-1795) und Josef Christian Franz Ignaz Reichsfürst zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein (1795-1817). 1801 waren die Bauarbeiten abgeschlossen; bis zum heutigen Tage hat die Anlage ihr damals erworbenes Aussehen in wesentlichen Zügen beibehalten. Nach der politischen Teilung des historischen Raumes Schlesiens zwischen Österreich und Preußen (1742) wurde das Schloss von den Breslauer Bischöfen als Verwaltungs- und Sommersitz im diesseitigen bzw. österreichischen Anteil ihres Fürstentums benutzt. Beim Schloss ließ Graf Schaffgotsch einen Ziergarten im französischen Stil anlegen. Sein Nachfolger Hohenlohe-Bartenstein schuf am Südhang des Schlossberges einen öffentlich zugänglichen Landschaftspark, der später unter Melchior Kardinal Freiherr von Diepenbrock (1845-1853) nochmals entscheidend erweitert wurde. Um 1900 veranlasste Georg Kardinal Dr. Kopp (1887-1914) verschiedene, den ursprünglichen Charakter des Schlosses hervorhebende Reparaturen. Letzte erwähnenswerte Veränderungen des Schlosses und der Außenanlagen fanden zwischen 1914 und 1928 während der Amtszeit des letzten Bischofs von Breslau, Adolf Kardinal Dr. Bertram (1914-1945), statt. Im Jahre 1948 erfolgte die Konfiszierung des Besitzes der Domänengüter des Bistums Breslau. Das Schloss kam unter die Verwaltung der Apostolischen Administratur in Teschen. Ab 1959 wurde das Schloss dem tschechischen Staat verliehen und im September 1984 dann endgültig verstaatlicht. Heutzutage befindet sich das Schloss in der Hand des heimatkundlichen Museums Freiwaldau.

 

Das Schloss Johannesberg (339 m ü. M.) liegt über der Stadt Jauernig (Javorník; Stadtrecht 1296; 290 m ü. M.) auf einem nach Norden hin steil abfallenden felsigen Vorsprung des östlichen Sudetenrandbruches. Der Ort im nordöstlichen Zipfel des Kreises Freiwaldau ist umrahmt von einem prächtigen Gebirgspanorama: im Westen das Reichensteiner Gebirge und im Süden das Altvatergebirge (höchster Gipfel Altvater mit 1492 m). Nach Osten hin dehnt sich die Schlesische Tiefebene aus, wo am Horizont die Türme von Neisse zu erkennen sind. In einem Brief des Dichters Josef Frhr. von Eichendorff, dem im Außenbereich auch eine Steinbank gewidmet ist, an seinen Sohn Hermann heißt es: „...der Johannesberg ist ein begeisternder Platz, es ist ein altes Schloss am hohen Berg, beim Schloss ist ein sehr schöner Park, von der einen Seite ist der Ausblick zu den Felsen und Waldmulden, von der anderen Seite der nicht endende Ausblick auf das halbe Schlesien...“ Unter Graf Schaffgotsch brachen für Schloss und Stadt glanzvolle Zeiten an. Anschließend wurde es ruhig: einerseits nannte man Jauernig „Dornröschen unter den schlesischen Städten“, anderseits behielt es bis zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts den Ruf eines kleinen Salzburgs nördlich der Sudeten. Von dem einstigen Ruhm ist in den heutigen Tagen allerdings nur noch sehr wenig zu spüren.

 

Während seiner langen Geschichte war Johannesberg häufig der Aufenthaltsort berühmter Persönlichkeiten. So pflegte bereits Johannes von Turzo umfangreiche Beziehungen zu führenden Vertretern der Wissenschaft und Kunst und hieß viele von ihnen auf dem Schloss willkommen. Unter ihnen soll sich auch der Thorner Domherr und herausragende Astronom Nikolaus Kopernikus (1473-1543) befunden haben. Graf Schaffgotsch, der seit 1766 auf Johannesberg im österreichischen Teil seiner Diözese im Exil war und nach Art der kleinen deutschen Fürsten Hof hielt, hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Musik und Theater und berief im Jahre 1769 den erfolgreichen Wiener Komponisten Carl Ditters von Dittersdorf (1739-1799) zu sich. Auf dessen Vorschlag hin wurden insbesondere jene Umarbeiten vorgenommen, die das Musik- und Theatergeschehen im Schloss nachhaltig beeinflussten (Errichtung eines Konzertsaales und eines Bühnenraumes auf den Grundmauern des alten Bergfriedes). Johannesberg entwickelte sich durch Dittersdorf schnell zu einem Zentrum des musikalischen Lebens in Schlesien und konnte an einem Stück deutscher Musikgeschichte mitschreiben. Die Tradition der deutschen komischen Oper hat hier ihre Wurzeln. Die heute immer noch bekannte Oper „Arzt und Apotheker“ sowie Symphonien, Kantaten, Oratorien, Messen u.a. wurden von dem Komponisten auf Johannesberg geschrieben. Mit Stolz kann das Schloss auch auf seine enge Verwobenheit mit der deutschsprachigen Literatur zurückblicken. An diesem Ort wurde der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Dichter Joseph Christian Frhr. von Zedlitz (1790-1862) geboren. Bischof von Diepenbrock, Humanist und Romantiker von bedeutendem Format, der aus der romantischen Schule des berühmten bayerischen Theologen Sailer kam, war selbst Dichter, Übersetzer und Herausgeber. So gab er u.a. die allseits anerkannte Gedichtsammlung „Geistlicher Blumenstrauß“ heraus. Zweimal konnte sein Nachfolger Heinrich II. Dr. Förster (1853-1881) – Mäzen einer Reihe von Künstlern und Literaten – den bedeutenden Dichter der Romantik Josef Frhr. von Eichendorff (1788-1857) noch kurz vor dessen Tod als Gast begrüßen. Zwischen 1867 und 1875 war bei ihm auch der schlesische Dichter Karl von Holtei (1798-1880) mehrmals zu Besuch. Holteis Werk „Der Bischof und der Vagabund“ ist eine Reminiszenz auf die Freundschaft dieser beiden Männer. Hochherrschaftliche Besucher auf dem Schloss waren im Jahre 1813 der damalige König von Preußen Friedrich Wilhelm III und 1911 der letzte Kronprinz des Deutschen Reiches. Das bislang letzte Mal ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gelangte Johannesberg, als im Jahre 1991 die sterblichen Überreste des letzten Hausherren des Schlosses, Kardinal Bertram, von dessen Begräbnisort Jauernig in dessen Bischofsstadt Breslau überführt wurden.

 

Die Schlosseinrichtung stammt überwiegend aus eigenen Beständen. Die Möbel und das Interieur sind überwiegend im Stil des Biedermeier. Vorhanden sind Porzellanerzeugnisse – Figuren, Plastiken, Vasen und Geschirr, allesamt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Eine Spezialität ist die Pfeifensammlung, die insgesamt 2.000 Stück enthält und die größte in Mitteleuropa ist. Die Gänge und Räumlichkeiten schmücken Zeichnungen mit Ansichten verschiedener europäischer Städte, ebenso Ölgemälde österreichischer, deutscher und holländischer Maler mit Stillleben und Landschaften vor allem aus dem 19. Jahrhundert. Viele Räume weisen noch historische Bemalungen und Tapeten auf. Von besonderem Interesse ist die Porträtsammlung Breslauer Bischöfe ausgehend vom 17. Jahrhundert. Zu den wertvollsten Kunstobjekten gehören mehrere Gegenstände der Schlosskapelle im Stil der Renaissance (Altar niederländischer Meister), des Frühbarock (Schwäbische Madonna) und der Spätgotik (Heiligenplastiken aus dem Jahre 1491). Im Glockenturm befindet sich eine Glocke aus dem Jahre 1524, die auch als Zymbal verwendet wird. Sehenswert sind darüber hinaus die Wirtschaftsräume des Schlosses. Dabei handelt es sich um die ehemalige Schlossküche, die Wohnung des Verwalters, den Speisesaal für die Bediensteten, das Badezimmer usw.

 

Siegfried Ulbrecht (Slavisches Institut AV ČR, Prag)

 

Adresse:

 

Jauernig, Johannesberg (Javorník, Janský vrch)

Olmützer Kreis, Bezirk Freiwaldau (Olomoucký kraj, okres Jeseník)

790 70 Jauernig (Javorník)

Tel./Fax: 584 440 286

 

Literatur

Führer durch Jauernig=Johannesberg und das Reichensteiner Gebirge. Hrsg. im Eigenverlag von Ferdinand Kupka. Jauernig 1926.

Hrady a zámky na Moravĕ a ve Slezsku. Praha: Nakladatelsví LIBRI, 1996, hier Miroslav Plaček, S. 178-179.

Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravĕ a ve Slezsku. II. Severní Morava. Praha: Svoboda, 1983, hier S. 108-110.

Jánský vrch. Historie – Architektura – Příroda – Společnost – Osobnosti – Tradice – Zajímavosti – Informace. Text Jitka Šnoblová. Ilustrace – perspektivní pohled Jaroslav Stanĕk. Redakce Kateřina Rubášová. Plzeň: Fraus, 2002.

Jauernig und das Jauerniger Ländchen. Ein Heimatbuch des ehemaligen Gerichtsbezirkes Jauernig. Im Auftrag des Heimatbundes Jauernig und Umgebung e.V. hrsg. von Hans Pachl. Regensburg 1983.

König, Bruno: Geschichte samt Führer von Jauernig und Umgebung. Freudenthal: Krommer, 1904.

Lexikon historických míst Čech, Moravy a Slezska. Urspořádili Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka. Z nĕmeckého přeložili J. Dobeš, E. Doležalová, J. Hrdina, J. Ohlídal, A. Ohlídalová, R. Šimůnek. Prag: Argo, 2001, hier S. 193-194.

Paupie, Adolf: Bilder aus der Vergangenheit Jauernigs. 2/3. Die Glanzzeit Jauernigs. 1. Teil und 2. Teil. 1929 (Selbstverlag).

Paupie, Adolf: Bilder aus der Vergangenheit Jauernigs. 6. Die Erbauung des Schlosses Johannesberg. Jauernig als Bergstadt. ca. 1930 (Selbstverlag).

Pawlik, Krzysztof: Beiträge zur Geschichte des Schlosses Johannesberg und des Schlossmuseums im 20. Jahrhundert. In: Archiv für schlesische Kirchengeschichte. Bd. 55 (1995). Im Auftr. d. Inst. für ostdt. Kirchen- und Kulturgeschichte hrsg. v. Joachim Köhler. Sigmaringen: Thorbecke, S. 283-290.

Vojkovský, Rostislav: Janský Vrch. Zámek v Javorníku ve Slezsku. 2. vyd. (Putujeme po hradech a zámcích; 7). Dobrá: Beatris, 2004.

 

 

Mehr zu Johannisberg

http://www.visitator-breslau.de/index.php?aktuell=lexikonexterner Link

www.pamatky.com/pamatka.php?Pamatka=janskyvrchexterner Link

www.hrady-zamky.cz/zamek-jansky-vrch/externer Link

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LITERATURHINWEIS
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