Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki)

Kamenz (Kamieniec Z±bkowicki), Kr. Frankenstein, ist vor allem  durch das 1246 von den Zisterziensern aus Leubus besiedelte Kloster, das im Mittelalter zu den reichsten Klöstern Schlesiens zählte, bekannt. Mit dem Säkularisationsedikt wurde das Kloster 1810 aufgehoben.

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1812 ging die Herrschaft Kamenz durch Ankauf an Prinzessin Wilhelmine Luise Friederike von Oranien, eine Tochter König Friedrich Wilhelm II. von Preußen, 1837 an deren jüngste Tochter, Prinzessin Marianne, seit 1830 verheiratet mit Prinz Friedrich Heinrich Albrecht, einem Sohn von König Friedrich Wilhelm III.  Schon bei ihrem ersten Besuch, April 1838, beschloß die Prinzessin, auf dem Harthaberg eine Residenz zu errichten.

 

Luftaufnahme
Luftaufnahme
Aus: U. Reuschling: Schlesien heute in Luftbildern, Leer 1994, S. 80

 

Als Architekt konnte Karl Friedrich Schenkel gewonnen werden, der bereits 1828 das Albrechtpalais in Berlin Unter den Linden gebaut hatte. Mit der Bauausführung beauftragte Schinkel Ferdinand Martius. Dieser hatte gerade seine Staatsprüfung als Baumeister abgelegt.

 
Nach Besichtigung des Geländes sah Schinkels Entwurf einen Bau ganz im Stil der Neugotik vor: einen mächtigen viereckiger Backsteinbau mit Innenhof und runden Ecktürmen, Säulenvorhalle, kolonnadengesäumten Terrassen, Laubengängen, Wasserkünsten und Landschaftsgarten. Nach dem Tod Schinkels im Oktober 1841 lag die Weiterführung des Baus nun ganz in den Händen von Martius. Dieser hielt sich aber weitgehend an den Plänen Schinkels. Mit dem Innenausbau konnte 1845 begonnen werden, aber durch die politischen Wirren kam es 1848 zu einer Bauunterbrechung. Hinzu kam, daß sich Prinzessin Marianne 1847 von ihrem Gatten trennte und damit wenig Interesse am Weiterbau des Schlosses hatte.

1862  übertrug Prinzessin Marianne die Bauherrschaft der Residenz ihrem 25jährigen Sohn Albrecht. Die umfangreichen Gartenanlagen, einschließlich der Terrassierung und der beeindruckenden Wasserkünste, erfolgten nach Plänen des General-Gartendirektors Peter Joseph Lenné, der 1858 erstmals Kamenz besuchte und damals auf dem Gipfel seines Ruhmes  stand. Die Fertigstellung zog sich allerdings bis in die sechziger Jahre hin. Am 23. November 1862 schrieb die Prinzessin an Martius: "Ich beabsichtige den Bau des Schlosses, der Terrassen, des Dampfmaschinengebäudes sowie der Wasserleitungen und Springbrunnen zu Camenz von Juli 1863 ab dergestalt zu beschleunigen, daß die genannten Anlagen in der Hauptsache bis zum Herbst 1865 fertig sind....". Es zog sich dann aber doch noch länger hin.
 

 

Innenhof
Blick in den Innenhof
Aus: M. Welder: Reise nach Schlesien, Leer 1988, S. 95

 

 

Durch den deutsch-französische Krieg 1870/71 wurden die Bauausführungen am Schloß erneut unterbrochen. 1873, rd. 35 Jahre nach Baubeginn, konnte der Bau zum Abschluß gebracht werden. Der "architektonische Garten", wie der Park in der Fachliteratur bezeichnet wurde, dessen vollständigen Fertigstellung Lenné nicht mehr erlebte - er starb 1866 - war mit Skulpturen, Bänken und Balustraden in weißem Marmor ausgeführt, mit marmornen Brunnen und Fontänen aufgelockert. In den Nischen der oberen Terrasse wurden Figuren aufgestellt, die Rhein und Donau personifizieren sollten, in der Grotte auf der Bergseite die marmorne Figur des Perseus. Über der Grotte stand zur Erinnerung an den Krieg von 1870/71 eine elf Meter hohe Marmorsäule mit der Statue der Siegesgöttin Viktoria, einem Abguß der Skulptur von Daniel Rauch aus dem Park von Schloß Babelsberg.
 


Aus Anlaß der Hochzeit von Prinz Albrecht jr. mit Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg übergab Prinzessin Marianne im April 1873 ihrem Sohn das Schloß als Morgengabe. Eine Beschreibung aus dem Jahre 1925 gibt uns einen Einblick in die Innenausstattung des Schlosses: Durch ein in Marmor gefaßtes gotisches Eichenportal  erreicht man  im Erdgeschoß die Haupttreppe, die zum ersten Obergeschoß führt. Zunächst betritt man den Speisesaal der mit Freskenzyklen dekoriert ist.

Die Fenster weisen das niederländische und preußische Wappen auf, beide können beleuchtet werden. Nebenliegend befindet sich das kleinere Speisezimmer, von dem man in das Schlaf- und Wohnzimmer des Herzogs von Altenburg, dem Schwiegervater von Prinz Albrecht, gelangt. Die anschließende Schloßkapelle im Nordturm ist mit Glasfenstern ausgestattet, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament veranschaulichen. Diese wurden von der Königlichen Glasmalereianstalt in München geliefert. Neben dem Altar, auf dem sich ein Cruzifix aus Carraramarmor befindet, steht das marmorne Taufbecken.

Durch einige weitere Wohn- und Arbeitszimmer erreicht man das Boudoir der Prinzessin, das sehr kostbar ausgestattet ist. Zum Inventar gehören neben goldenen Gefäßen und Geräten ein Tisch aus dem Besitz Napoleons I., der ihn an Mariannes Vater verkaufte. Im Westturm befindet sich das Wohnzimmer der Prinzessin. Die Decke ist mit sämtlichen Wappen deutscher Staaten und Provinzen geziert. Dem anschließenden Gang folgend, gelangt man in den "Großen Saal", die Empfangshalle des Schlosses, die Anschluß an die Terrasse findet. Dieser Raum wird durch drei Kronleuchter aus dem 16. Jahrhundert beleuchtet. Ein mit Mosaiken aus Rom verzierter Tisch ist das Hauptstück dieses Saales, ein anderer Tisch mit prächtigen Malereien ist aus Marmor gefertigt. In sämtlichen Galerien und Gängen sind weitere Stücke ausgestellt, die alle aus dem Besitz der Hohenzollern oder dem Haus Oranien stammen, darunter eine bedeutende Porzellansammlung.

 

K. F. Schinkel, Ansicht
K. F. Schinkel, Ansicht des Schlosses
Aus: 900 Jahre Kamenz, Görlitz 1996, S. 74/4

 

Bis Ende 1940 blieb das Schloß in der Albrechtlinie der Familie. Danach erbte es Prinz Waldemar von Preußen, der mit seiner Frau Calixta bis zum Mai 1945 in Kamenz lebte und dann nach Bayern floh. Als die sowjetischen Truppen den Ort besetzten, wurde das Schloß geplündert und verwüstet und am 10. Februar 1946 durch Brandstiftung zum großen Teil zerstört. Erst in den 70er und 80er Jahren wurde die polnische Denkmalpflege auf diesen Bau aufmerksam und begann mit Sicherungsarbeiten. Seit 1983 bemüht sich ein polnischer Investor um den Wiederaufbau, um daraus ein Hotel zu machen.

Angelika Marsch

Literatur:

900 Jahre Kamenz, Spuren deutscher und polnischer Geschichte, Landesmuseum Schlesien e.V., Görlitz 1996.


Mehr über Kamenz (Kamieniec Z±bkowicki)

Kamenz heute
http://www.region-walbrzych.org.pl/kamieniec/externer Link

Staatsarchiv Abteilung Kamenz
www.ap.wroc.pl/strony/kamieniec/kamieniec.htmexterner Link

 

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