Fischbach (Karpniki)

Schloß Fischbach (Karpniki) liegt 11 km östlich von Hirschberg am Fuße der Falkenberge. Im Mittelalter hatte auf einem der beiden Falkenberge zum Schutz des Hirschberger Tales eine herzogliche Burg gestanden - 1364 erstmals belegt - , die aber in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde.In der Nachfolge entstand dann unterhalb des Burgberges das Wasserschloß.


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1438 ging der Besitz Fischbach von Cuncz v. Predel an Cuncze Bieler von Reichenbach über. 1476 erwarb es Hans I. Schoff (Schaffgotsch), von dem möglicherweise der erste Bau des Schlosses Fischbach stammt. 1584 erfolgten umfangreiche Erweiterungsarbeiten. Nach einem Brand 1593 entstand auf dem von einem Wassergraben umschlossene Grundstück der Vierflügelbau mit einem Turm im Stil der Renaissance. An diese Zeit erinnert auch das schöne Portal am Westflügel. Weitere Umbauten erfolgten in der Zeit des Barock. Dabei erhielt der Turm eine welsche Haube. Schließlich wurde das Schloß 1844 nach einem Entwurf von August Stüler im Stil der Neugotik umgebaut.

 

Schloß Fischbach
Schloß Fischbach, Öl auf Leinwand, von Carl Daniel Freydanck, um 1845
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 251

 

Zu den Besitzern des 18. Jahrhunderts gehörte Staatsminister Carl Georg Graf von Hoym, der es 1789 an Caspar Conrad von Zedlitz verkaufte. 1822 ging Fischbach an Prinz Wilhelm von Preußen, Bruder König Friedrich Wilhelms III. und Generalgouvaneur der preußischen Rheinprovinzen. Prinz Wilhelm war verheiratet mit Marianne von Hessen-Homburg. Für die Prinzenfamilie wurde Fischbach nun zum ständigen Sommeraufenthalt und damit gleichzeitig gesellschaftlicher Mittelpunkt  des Hirschberger Tales. Das Prinzenpaar fühlte sich hier wohler als im goldenen Käfig Berlin und blieb oft bis Anfang Dezember. Die jüngere Tochter des Prinzenpaares, Marie, wurde 1842 in der Dorfkirche zu Fischbach im Beisein des Königs und der Königin wie auch des Kronprinzen Maximilian von Bayern konfirmiert. Marie heiratete noch im gleichen Jahr den Kronprinzen und wurde somit 1848 Königin von Bayern. Diese preußische Prinzessin war also die Mutter von Ludwig II., dem sog. Märchenkönig.

Außenansicht
Außenansicht
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 360

Die Räume im Schloß Fischbach waren wesentlich kleiner und niedriger als die der Wohnung im Berliner Schloß, wo das Prinzenpaar den Winter verbrachte und den Repräsentationspflichten nachgehen mußte. In Fischbach konnte sich das Prinzenpaar aber im Gegensatz zu Berlin ganz nach eigenem Geschmack einrichten, und dieser entsprach dem mit der Romantik aufkommenden Stil der Neugotik.

Von Schloß Fischbach haben sich ähnlich wie von der Wohnung im Berliner Schloß Inventarlisten aus dem Jahr 1852 erhalten, außerdem von fast allen Zimmern Innenraumansichten. Prinzessin Elisabeth hatte nach dem Tod ihrer Eltern - der Prinz starb 1851, seine Frau 1848 - die Räume von Fischbach und der Wohnung im Berliner Schloß zur Erinnerung in Aquarellen malen lassen.
Doch man verbrachte die Zeit nicht nur im Schloß.

Der Prinz hatte sich nach dem Erwerb von Fischbach zunächst auf eine großartig angelegte Erweiterung des Parks konzentriert, der in englisch romantischem Stil maßgeblich von dem Buchwalder Gärtner Walter gestaltet wurde. Dazu gehörte die Errichtung von zwei Gartenpavillons - das Mariannen-Cottage und das Wilhelm- Cottage - sowie einer Jagdhütte in den Falkenbergen, das Schweizerhaus.

Das Wilhelm-Cottage wird Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr genannt, das Mariannen-Cottage wurde wohl erst nach 1918 wegen Baufälligkeit abgerissen. Das Schweizerhaus am Falkenberg, ein Geschenk von Prinz Wilhelm an seine Frau, wurde 1823 errichtet. Im Innern war es vollkommen schmucklos, die Wände  nur holzverkleidet. Im Obergeschoß, das über eine Außentreppe erreichbar war, gab es einen großen Raum auch "Jagdsaal" genannt. Das Schweizerhaus  wurde von der königl. Familie häufig als Ausflugsziel genutzt, im Herbst auch zu großen Jagden. Es diente aber auch bei den großen Familientreffen für die Gästeunterbringung. Später sollen die hessischen Besitzer einmal jährlich zum Jagen nach Fischbach gekommen sein.  Heute befindet sich in dem Schweizerhaus eine Gastwirtschaft.

Einst gab es  in Fischbach einen Aussischtsturm, den Waldemarturm am Wege nach Buchwald. Und es gab noch eine andere markante Stelle: Auf einem Felsen ließ Prinz Wilhelm einen 40 Zentner schweren gusseisernen Löwen anbringen, der nach einem Modell des Bildhauers Rauch in Berlin gestaltet war, gegossen in Gleiwitz. Auf dem Felsen stand in kupfernen Buchstaben: Mariannenfels. Und Prinz Wilhelm schrieb am 15. Mai 1822, also kurze Zeit nach dem Kauf von Fischbach, an seine Frau: Dein Name, meines Herzens Lieblingsname, ist auch schon verewigt, auf meinem höchsten Berg steht ein hoher Felsen, ich gab ihm den Namen Mariannenfels. Heute ist der Löwe nicht mehr vorhanden und auch die Buchstaben wurden entfernt.

Auch Marianne setzte ihrem Mann ein Denkmal. Sie ließ im 3. Juli 1830  für ihn als Geburtstagsgeschenk auf dem Falkenberg ein gußeisernes Kreuz errichten mit der Inschrift: "Des Kreuzes Segen über Wilhelm, seine Nachkommen und das ganze Thal.". Das Kreuz soll in den sechziger Jahren vom Blitz getroffen worden sein. Es wurde aber ein kleineres Kreuz aufgestellt, natürlich ohne Inschrift. Von diesem Kreuz hat man einen wunderschönen Blick auf das Hirschberger Tal.

Das Prinzenpaar genoß es, in Fischbach ohne Hofetikette zu leben, und so war ihr Leben nicht anders wie das einer gutbürgerlichen Familie. Die Kinder konnten ausgiebig spielen und herumtollen, hatten allerdings täglich von 9-13  Unterricht, u.a. in Geschichte bei Pastor Siebert, in Geographie beim Prinzen.

Schloßhof
Schloßhof in Fischbach, Lithographie um 1850
Aus: Das Tal der Schlösser und Gärten, Jelenia Góra 2001, S. 361

Zu Maries Freundinnen gehörten gleichaltrige Mädchen der Zillertaler Emigranten aus Erdmannsdorf, und im Inventarverzeichnis von 1852 finden wir nicht nur kostbares Porzellan aufgeführt, auch Bunzlauer Keramik mit dem Vermerk: Früher in täglichem Gebrauch seiner Königlichen Hoheit des Prinzen.

Ein größeres Familientreffen  hatte 1830 in Fischbach stattgefunden. Und es heißt in dem Buch von Ernst Jaeckel: Wanderungen der Familie Waller durch Schlesien, das um 1833 erschien: Auf Einladung des...Prinzen Wilhelm, hatte der erhabene königliche Bruder (Friedrich Wilhelm III)  mit seinem Hause sich dahin begeben, und auch aus dem fernen Norden war die geliebte Tochter, die mächtige Kaiserin Russlands Alexander Feodorowna (Charlotte, Tocher Friedrich Wilhelm III), in die vaterländischen deutschen Fluren geeilt, um im Kreise ihrer edlen Familie und der schönen Natur einige wonnige Tage zu verleben. Man wusste nicht, wohin man zuerst die Augen wenden sollte, ob auf die Schönheiten, welche die Natur hier spendete, oder das rege Leben, welches an dem Ort herrschte, wo Tausende von Menschen aus der Nähe und Ferne sich versammelt hatten, die Glieder des geliebten Herrscherhauses zu sehen, wo mehr als 400 Wagen auf den Brachfeldern standen, viele geistvolle Männer und ausgezeichnetsten Künstler sich vereint hatte, um die geselligen Freuden zu erhöhen.

Bei dem alterthümlichen Schlosse war ein Pavillon in Zeltform errichtet...Alle Bauern- und Gärtner Häuser waren mit Fremden angefüllt, da die Gasthöfe die Fremden nicht fassen konnten."  In den Tagen dieser glanzvollen Familienvereinigung wurden viele Ausflüge in die Umgebung unternommen. Man besuchte Warmbrunn Hermsdorf, den Kynast, den Kochelfall, Stonsdorf, die Falkenberge. Dem Grafen Schaffgotsch im Schloß Warmbrunn wurde ein Besuch abgestattet. Nicht selten wurde bei den Familientreffen ein Ausflug auf die Schneekoppe unternommen, mit Sesselträgern versteht sich.

Fischbach ging durch die Heirat der Tochter Elisabeth mit Prinz Carl von Hessen und bei Rhein an diese Familie und blieb es bis 1945. Nach Kriegsende wurde das Schloß von Soldaten geplündert. Bis 1950 wurde hier eine Volksschule etabliert, danach stand das Schloß für einige Jahre leer, bis ab 1956 der Gebäude ein Heim für behinderte Kinder aufnahm. Trotz Renovierungsarbeiten war der Verfall des Schlosses nicht aufzuhalten, sodaß es 1973 geräumt werden mußte. Es wurde dann von der Stadt Hirschberg an die Firma "Polam" verkauft. Geplant wurde der Umbau in eine Kultur- und Erholungsstätte. Nach mehrfachem Besitzerwechsel ging das Schloß 1995 an eine Eigentümergemeinschaft. Seither sind zahlreiche Erhaltungsmaßnahmen erfolgt, um den weiteren Verfall aufzuhalten. Für eine fachgerechten Restaurierung fehlt aber auch ihr das Geld.

Angelika Marsch

Literatur:

Irene Flemming: Fischbach im Riesengebirge. Ein Erinnerungsbuch, Hameln 1998.
Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien - ein gemeinsames Kulturerbe. Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e.V., Berlin und Jelenia Góra 2002.


Mehr über Fischbach (Karpniki)

Fischbach heute
www.karpniki.zamki.pl/externer Link

 

LITERATURHINWEIS
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