Lomnitz (Lomnica)

Nahe der Mündung lagen im Mittelalter am Steilufer Wasserburg und Rittergut Lomnitz (pln. Łomnica). Von 1391 bis 1650 waren sie im Besitz des alten schlesischen Adelsgeschlechtes der von Zedlitz, danach der aus Böhmen stammenden von Thomagnini. Diese ließen 1720 anstelle der Burg ein Barockschloß errichten, das bereits der nächste Besitzer, der Hirschberger Kaufmann Christian Menzel (1667-1741), durch den Liegnitzer Baumeister Martin Frantz nochmals umbauen ließ.


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Nahe der Mündung lagen im Mittelalter am Steilufer Wasserburg und Rittergut Lomnitz (pln. Łomnica). Von 1391 bis 1650 waren sie im Besitz des alten schlesischen Adelsgeschlechtes der von Zedlitz, danach der aus Böhmen stammenden von Thomagnini. Diese ließen 1720 anstelle der Burg ein Barockschloß errichten, das bereits der nächste Besitzer, der Hirschberger Kaufmann Christian Menzel (1667-1741), durch den Liegnitzer Baumeister Martin Frantz nochmals umbauen ließ.

Schloß Lomnitz

Um 1800 errichtete Menzels Sohn dem Schloß ein zweites Gebäude, das sog. "Witwenschlößchen" im frühklassizistischen Stil. 1835 kaufte die Familie von Küster den Besitz. Gustav Ernst von Küster ließ 1838 das "alte Schloß" nochmals durch den Architekten Tollberg im Biedermeierstil umbauen. 1941 verunglückte der Eigentümer, Oberstleutnant Mark-Albrecht von Küster, bei einem Flugzeugabsturz tödlich. Seine Witwe Constanze, geb. von Schweinichen, floh 1945 nach dem Westen. Schlesien wurde polnisch, Lomnitz hieß nun "Lomnica". Das "große Schloß" wurde bis 1979 als Dorfschule genutzt und stand danach leer, das Witwenschlößchen diente als Sitz der Verwaltung des Staatsgutes.

1989 bildete der 1963 geborene Enkel von Mark-Albrecht von Küster, der Rechtsreferendar Ullrich von Küster, mit einem polnischen Partner eine GmbH und erwarb das "große Schloß" als halbe Ruine. 1995 kaufte er auch das Witwenschlößchen und ca. 10 ha Park und Wiese. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth gelang es Ullrich von Küster, das Witwenschlößchen zu restaurieren und zu einem Hotel mit 22 Betten und einem Restaurant auszubauen. 1996 wurd es eingeweiht.

Unterstützung fand und findet das Ehepaar von Küster in ihren Familien und in dem 1993 von Dr. Klaus Ullmann gegründeten "Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur e.V." (VSK). Dieser Verein nahm in Lomnitz seinen Sitz, richtete eine Bibliothek ein und erhielt das Recht, Ausstellungen und ähnliches zu veranstalten. Dazu stehen die Flure und der restaurierte Festsaal zur Verfügung. Der polnische Zweig des VSK wird geleitet von Gräfin Ingeborg von Pfeil, pensionierte Diplomatin, die wegen dieser deutsch-polnischen Arbeit in ihre schlesische Heimat zurückgekehrt ist. Inzwischen werden Hotel und Restaurant gut frequentiert, sowohl von deutschen Reisegruppen als auch von polnischen Bürgern. Die Zusammenarbeit mit dem VSK, seit 1997 unter Vorsitz von Dr. Horst Berndt, entwickelt sich gut. Zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge, Lesungen, Konzerte, internationale Jugendwettbewerbe, Ausstellungen und Seminare, auch durch die UNESCO, werden durchgeführt. Auch für Hochzeiten und Familientreffen bietet das Schloßhotel einen stilvollen Rahmen.

Witwenschloß

Die Arbeiten am großen Schloß gehen weiter. Mit Hilfe der "Deutsch-Polnischen Stiftung" konnte das Dach neu gedeckt werden, ein Appartement ist fertig und im Erdgeschoß finden Ausstellungen statt. Ziel ist, es zu einem Kulturzentrum auszubauen. Das Gelände um die beiden Schlösser, jahrzehntelang Wildnis und Müllkippe, wurde zu einer gepflegten Gartenanlage, ebenso der am Steilufer des Bober gelegene Landschaftspark. Lomnitz, zusammen mit den benachbarten Schlössern und Parks Schildau, Fischbach, Buchwald und Erdmannsdorf, gehört zur Kulturlandschaft des Hirschberger Tales. Es werden, auch durch die UNESCO, große Anstrengungen unternommen, diesem einstigen "Schlesischen Elyseum" ein wenig von dem Glanz des 19. Jahrhunderts zurück zu geben, u. a. durch die Wanderausstellung "Das Tal der Schlösser und Gärten", die einmal in Lomnitz einen festen Platz erhalten wird.

Dank des Pioniergeistes, der Ausdauer und des Stilgefühles junger Menschen, beflügelt durch die Verwurzelung ihrer Familie in Schlesien und durch den unvergänglichen Zauber der Riesengebirgslandschaft, ist in Lomnitz ein Ort der Gastlichkeit und der Begegnung entstanden, der seinesgleichen sucht. Zwei wundschöne, romantische schlesische Schlösser, Kulturdenkmale von hohem europäischen Rang, konnten vor der Zerstörung, dem traurigen Schicksal hunderter anderer schlesischer Schlösser bewahrt werden.                            

Sigismund Freiherr von Zedlitz

Literatur

Günther Grundmann: Lomnitz, in: Hugo Weczerka (Hg.): Schlesien. Handbuch der historischen Stätten. Stuttgart 1977, S. 300.

Arne Franke: Die Schlösser im Hirschberger Tal. Ein Überblick, in:  Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien — ein gemeinsames Kulturerbe. Dolina Zamków i Ogrodów. Kotlina Jeleniogórski — wspóle dziedziczwo. Jelenia Góra 2001, S. 321-410, hier S. 365-368.


 

Mehr zu Schloss Lomnitz(Lomnica)

Schloss und Hotel
http://www.schloss-lomnitz.prv.pl/externer Link

 

LITERATURHINWEIS
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