Wie sich die Geschichte Schlesiens vollständig und angemessen im Rahmen einer Internetpräsentation darstellen lässt, dafür gibt es noch keine Vorbilder. Für eine gründliche Information ist die Lektüre einschlägiger Bücher ohnehin unerlässlich. Daher wird im Rahmen dieser Internetpräsentation auf wesentliche Entwicklungen und Ereignisse der politischen Geschichte Schlesiens in Form längerer Zitate aus neueren Publikationen hingewiesen. Damit soll zugleich dazu angeregt werden, sich mit den genannten Werken intensiver zu beschäftigen.

"Für die politische Geschichte hält man sich am besten an das relativ Dauerhafte und übergeht damit einen kurzlebigen Wislanen-"Staat" um 900 an der oberen Weichsel, im späteren Kleinpolen. So erscheint Miesko I. (960 - um 992), ein Zeitgenosse der Kaiser Otto I., Otto II. und Otto III., im Gebiet der Polanen - und bereits Kujawien und Masowien mitbeherrschend - erstmals als Haupt eines Gemeinwesens von Rang im Licht der Historie."
Peter Moraw, Das Mittelalter (bis 1469), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 49

"Das Jahr 1202 brachte mit dem Erlöschen der Senioratsverfassung das vorläufige Ende des polnischen Herrschaftsverbandes mit sich, dem sich innenpolitisch zu viele Kräfte in den Weg gestellt hatten. Damit ist das Abbrechen jener Art von Staatlichkeit bezeichnet, auf die sich heute die europäischen Nationen mit langer Geschichte für das Hochmittelalter zu berufen pflegen."
Peter Moraw, Das Mittelalter (bis 1469), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 74 


"Das Haus Luxemburg, das Schlesien erwarb, war innerhalb der Trias der Stärksten, im Vergleich zu Habsburgern und Wittelsbachern, die modernste, städtefreundlichste und im höchsten Maß international erfahrene Dynastie (...). Kaiser Karl IV. (1346/47-1378), gilt als die bedeutendste Herrschergestalt des deutschen Spätmittelalters (...)".
Peter Moraw, Das Mittelalter (bis 1469), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 143 

Nach dem Frieden von Olmütz um1479 erstreckte sich die Herrschaft Wladislaws II. nur noch auf Böhmen, während die Nebenländer Schlesien, Mähren und die Lausitzen zum Herrschaftsbereich des Corvinen gehörten. Schlesien befand sich seitdem im Pfandbesitz der Krone Ungarns, blieb aber formal ein Nebenland der Krone Böhmens und seinen in Ofen (Buda) regierenden böhmischen Königs".
Norbert Conrads, Schlesiens frühe Neuzeit (1469-1740), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 186

"Als der zwanzigjährige König Ludwig II. von Ungarn 1526 ein Opfer des Türkenkrieges wurde und die Kronen Ungarns und Böhmens ohne Erben hinterließ, kamen die politischen Gewichte Europas noch einmal ins Gleiten. Für die "felix Austria" war der nun greifbare Gewinn Ungarns und Böhmens der letzte Haupttreffer in einer atemberaubenden Erfolgsserie (...). Das Unglück Ungarns wurde die Geburtsstunde des modernen Österreich.
Norbert Conrads, Schlesiens frühe Neuzeit (1469-1740), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 215

"Mit dem Tod Kaiser Ferdinands I. im Jahre 1564 hatten unmerkliche Verschiebungen eingesetzt, die sich auch auf Schlesien auswirken sollten. Eine davon war die Teilung der habsburgischen Erblande unter die drei Söhne des Kaisers, so dass eine selbständige Tiroler sowie eine steiermärkische Nebenlinie gebildet wurden. Dem ältesten Sohn Maximilian fielen Österreich, Böhmen, Ungarn und das Kaisertum zu. Die Abtrennung der südlichen Gebiete Österreichs verlagerte somit den Schwerpunkt seiner Herrschaft nach Norden.
Norbert Conrads, Schlesiens frühe Neuzeit (1469-1740), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 258 

"Im Verlauf ihrer wechselhaften Geschichte hat die historische Landschaft "Schlesien" viele territoriale und politische Veränderungen erfahren. Keine davon dürfte so einschneidend gewesen sein wie die Zäsur des Jahres 1740/41, als König Friedrich II. das Land an der oberen und mittleren Oder zunächst okkupierte und dann größtenteils annektierte.
Peter Baumgart, Schlesien als eigenständige Provinz im altpreußischen Staat (1740-1806), in Norbert Conrads (Hrg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 346


"Wie tiefgreifend der Umbruch in Schlesien seit der Gründung des Kaiserreichs war und wie sehr sich die Strukturen verändert hatten, verdeutlichen die Bevölkerungsentwicklung und die Bevölkerungsverteilung. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1871 lebten in Schlesien 3 707 162 Menschen, davon entfielen auf den Regierungsbezirk Liegnitz 983 020 und auf den Regierungsbezirk Oppeln 1 329 563."
Konrad Fuchs, Vom deutschen Krieg zur deutschen Katastrophe, in Norbert Conrads (Hrsg.), Schlesien, Deutsche Geschichte im Osten Europas, 2. verbesserte Auflage, Berlin 2002, S. 554

"Obwohl eine erhebliche soziale und wirtschaftliche Kluft zwischen dem Osten und dem Westen Preußens bis in das 20. Jahrhundert bestehen blieb, war Schlesien seit 1740 doch mehr und mehr in die preußische Monarchie und schließlich in das Deutsche Kaiserreich hineingewachsen. Eine gänzlich andere Entwicklung hatte der nach den Schlesischen Kriegen des 18. Jahrhunderts bei Österreich verbliebene Teil Schlesiens um Troppau und Teschen genommen."
Joachim Bahlcke, Die Geschichte der schlesischen Territorien von den Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Wektkriegs, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 111

"In Niederschlesien verteilten die Sozialdemokratische Partei - die SPD hatte hier bei der letzten Reichstagswahl vor dem Ersten Weltkrieg über 35% der Stimmen gewonnen - sowie die 1918 gegründete linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) die hohen Verwaltungsposten unter sich."
Joachim Bahlcke, Die Geschichte der schlesischen Territorien von den Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in: Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 123

"Um das Teschener Schlesien entbrannte im Winter 1918/19 ein folgenschwerer Streit zwischen der Tschechoslowakei und Polen, da beide Anspruch auf das wirtschaftlich wertvolle Industriegebiet erhoben."
Joachim Bahlcke, Die Geschichte der schlesischen Territorien von den Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 147

"Die Wojewodschaft Schlesien zählte im Jahre 1921 1 125 528 Einwohner, von denen 70, l% polnischer und 29,9% deutscher Nationaltät waren. Im Teschener Gebiet, das eine vergleichbare nationale Zusammensetzung besaß, lebten 1 44671 Personen. Größere jüdische Gemeinden existierten in Bielitz, Kattowitz und Teschen."
Joachim Bahlcke, Die Geschichte der schlesischen Territorien von den Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Wektkriegs, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 149

"Schon im Frühjahr 1933 waren zahlreiche sogenannte wilde Lager für politische Häftlinge errichtet worden. In dieser Phase entstand auch das erste schlesische Konzentrationslager, das von SA-Obergruppenführer Heines in Dürrgoy, einem südlichen Stadtteil von Breslau, eingerichtet wurde. In dieses Konzentrationslager wurde im Sommer 1933 der sozialdemokratische Politiker Paul Löbe regelrecht entführt."
Joachim Bahlcke, Die Geschichte der schlesischen Territorien von den Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Wektkriegs, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 139

"Nach dem Ende des sogenannten Polenfeldzugs Anfang Oktober 1939 wurden der Provinz Schlesien die nach dem Ersten Weltkrieg an Polen abgetretenen Gebiete Ostoberschlesiens und die östlichen Teile der niederschlesischen Kreise Namslau, Groß Wartenberg und Guhrau wieder angeschlossen."
Joachim Rogall, Krieg, Vertreibung und Neuanfang. Die Entwicklung Schlesiens und das Schicksal seiner Bewohner von 1939-1945, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 157

"Kleinere Bevölkerungsverschiebungen hatte es auch früher schon gegeben. So waren nach dem Ersten Weltkrieg und der Volksabstimmung 1922 polnische Oberschlesier aus dem deutschen Teil des Landes in die Wojewodschaft Schlesien übergesiedelt, deutsche Ostoberschlesier in das Oppelner Gebiet. Der mit dem Jahr 1945 beginnende Bevölkerungsaustausch aber war in seinem Ausmaß und in seinen Folgen beispiellos.
Joachim Rogall, Krieg, Vertreibung und Neuanfang. Die Entwicklung Schlesiens und das Schicksal seiner Bewohner von 1939-1945, in Joachim Bahlcke, Schlesien und die Schlesier, München, 2000, S. 184

"Anfang der 90er Jahre schrieb darüber der bekannte Publizist Jan Jozef Lipski, daß wir Polen 'zu Depositären deutscher Kultur, riesiger Kulturgüter in diesen Gebieten, von Kirchen, Schlössern, Palais, Rathäusern, berühmten Patrizierhäusern wurden'. Aus dieser Tatsache folgten 'Pflichten, an deren Erfüllung nicht nur die Deutschen, sondern alle Europäer messen könnten, wie wir durch unser Verhalten unser Kulturniveau beweisen'."
Krzystof Ruchniewicz, Die Herausbildung einer regionalen Identität in Niederschlesien in den letzten zehn Jahren, in Heinrich Trierenberg (Hrsg.), Niederschlesien im Wandel - Dolny Slansk w procesie przemian, Dülmen 2002, S. 63