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Vom 20. Juli bis 31. Oktober 2010 zeigt die Stiftung Kulturwerk Schlesien in ihrem „Schlesischen Kabinett“ im Grafschaftsmuseum Wertheim in einer Übernahme vom Museum für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien, Königswinter, die Ausstellung „Industrieansichten von Wolf Röhricht“.
Friedenshütte in Oberschlesien, Gesamtansicht
Lithographie von Wolf Röhricht aus der Mappe „Das Hüttenwerk“, 1918
Nicht die industrielle Arbeitswelt des Menschen – wie von Adolph von Menzel in seinem Gemälde „Eisenwalzwerk“ (1872-1875) dargestellt – sondern die Industrielandschaft als Ensemble von Fabrikanlagen und Industriebauten interessierte den Maler Wolf Röhricht. Eigentlich fertigte Röhricht Landschaftsbilder, auf denen Berge und Bäume durch Fabrikgebäude, Förderbänder, Schlote und insbesondere Hochöfen ersetzt werden. Der arbeitende Mensch, falls er überhaupt vorkommt, hat nur eine das Bild vervollständigende Rolle. Daran mag es liegen, daß Wolf Röhricht als Industriemaler häufig nicht wahrgenommen wird, mehr als Maler von Landschaften, Stilleben und Porträts bekannt ist.
Wolf Röhricht wurde am 20. April 1886 in Liegnitz in Niederschlesien geboren. 1905 begann er in München sein Jurastudium, besuchte zugleich aber auch den Kunstunterricht von Heinrich Knirr. Seit 1911 war er in Berlin ansässig, wo er sein Jurastudium mit der Promotion beendete und sich seitdem der Kunst widmete. Er freundete sich mit dem Spätimpressionisten Waldemar Rösler (1882-1916) an, mit dem er Kunstreisen unternahm, schulte seinen Blick bei Ausstellungsbesuchen in Paris, München und Berlin – den Zentren der Moderne. Seit 1914 zeigte er regelmäßig seine Bilder in Ausstellungen der Berliner Freien Secession. Einen zweijährigen Zivildienst leistete er in Lublinitz in Oberschlesien ab, von dem er in einem Selbstbericht im Jahre 1921 schrieb: „In dieser Zeit sah ich zum ersten Male in Oberschlesien die großen Hüttenwerke und Hochöfen. Ich machte mich daran, diesen Gegenstand in Bildern und Lithographien zu gestalten. Seitdem bin ich von diesem Thema nicht mehr fortgekommen ...“ Über dreißig Jahre lebte und wirkte Röhricht in Berlin, seit 1926 auch als Lehrer an der Schule des Vereins Berliner Künstlerinnen. Während des Nationalsozialismus wurden fünf seiner Gemälde aus öffentlichen Sammlungen entfernt, doch blieb er trotz der Gängelung der Künstler in dieser Zeit weitgehend unbehelligt. Nach dem Krieg verließ er Berlin und wohnte ab 1948 in München, wo er Mitglied der Münchner Sezession wurde und im Vorstand der Ausstellungsleitung des dortigen Hauses der Kunst mitwirkte. Am 29. Dezember 1953 starb Wolf Röhricht in München.
Röhricht arbeitete bevorzugt in Aquarell, aber auch in Öl und anfänglich mittels der Lithographie. Ein Großteil seines Werkes aus der Zeit vor 1945 fiel dem Krieg zum Opfer. Zum Thema Industrielandschaft hat er zwei Lithographie-Mappen herausgebracht: 1918 die Mappe „Das Hüttenwerk“ mit Darstellungen aus Oberschlesien, 1925 die Mappe „Hochöfen“, doch hat er sich des Themas auch in anderen Techniken, an anderen Orten und immer wieder angenommen. Die Ausstellung zeigt einige wenige seiner großformatigen Arbeiten, Lithographien und Aquarelle.
GrafschaftsMuseum, 97877Wertheim/Main, Rathausgasse 10
Öffnungszeiten: Di-Fr: 10-12, 14.30-16.30 Uhr, Sa: 14.30-16.30 Uhr; So: 14-17 Uhr.
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